Internet-Telefonie Regulierungsbehörde zu restriktiv

Nach Ansicht der EU-Kommissarin Viviane Reding mischt sich die deutsche Regulierungsbehörde zu stark in den Markt für Internet-Telefonie ein. Brüssel will daher das schnell wachsende Geschäftsfeld mit einer liberalen Gesetzgebung fördern.

"Wir dürfen dieses rasch wachsende Geschäftsfeld nicht mit Regulierungen überziehen", warnte die für Telekommunikation zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding in einem Gespräch mit dem "Handelsblatt". Nach Ansicht der Kommission geht die deutsche Regulierungsbehörde für Telekommunikation mit der Web-Telefonie zu restriktiv um.

Reding will die Verbreitung der Internet-Telefonie fördern, indem sie diese vorerst nicht in den für die Telekommunikation geltenden umfangreichen EU-Rechtsrahmen zwängt. "Wer diesen Markt jetzt reguliert, behindert seine Entfaltung", lautet das Credo der aus Luxemburg stammenden Kommissarin.

Redings Ansatz folgt der Politik der amerikanischen Aufsichtsbehörde FCC. Der scheidende FCC-Chef Michael Powell hatte sich kürzlich ebenfalls gegen eine Regulierung der Internet-Telefonie ausgesprochen.

Bei einem Treffen von Vertretern aller 25 Regulierungsbehörden sei vor allem Deutschland wegen seiner restriktiven Regelungen kritisiert worden, sagte Reding. Die Bonner Regulierungsbehörde (RegTP) bremse die Web-Telefonie.

RegTP mischt sich ein

Dies wird bei den Anbietern von IP-Telefonaten ganz ähnlich gesehen. Unter anderem hatten sie die Einschränkungen bei der Nummernvergabe kritisiert. Die RegTP hatte untersagt, dass die IP-Telefonieanbieter Nummern fremder Ortsnetze vergeben, etwa eine Nummer mit Münchner Vorwahl an einen Kunden in Hamburg.

In Deutschland sollen rund 100.000 Menschen übers Internet telefonieren. Japan gilt mit fast fünf Millionen Anwendern als Vorreiter der IP-Telefonie, gefolgt von den USA mit einer Millionen Nutzern.

Experten gehen davon aus, dass in wenigen Jahren nur noch über das Internet telefoniert wird. Die Gespräche werden dabei als kleine Datenpakete über das Internet verschickt.

Qualitativ besteht kaum noch ein Unterschied zu einem herkömmlichen Gespräch über Festnetz. IP-Telefonie setzt einen DSL-Anschluss voraus.