WM-Tickets "Gewinner nach dem Zufallsprinzip"

Seit heute morgen 00.00 Uhr hat der Kartenvorverkauf für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland begonnen. Klaus-Peter Schulenberg von CTS Eventim sagt im Gespräch mit manager-magazin.de, wie sich der Ticketvermarkter auf den Ansturm von Millionen Fans vorbereitet hat und wagt einen Blick auf das Ticket der Zukunft.
Von Harald Grimm

mm.de:

Der Ticketverkauf bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 in Asien verlief zum Teil chaotisch, und auch in Frankreich häuften sich vier Jahre zuvor die Probleme. Wird der Verkauf der Eintrittskarten für die Weltmeisterschaft 2006 besser funktionieren?

Schulenberg: Ja, da bin ich optimistisch. Seit 15 Jahren arbeiten wir im Ticket-Geschäft und haben das nötige Know-how für ein Projekt dieser Größenordung. 3,2 Millionen Tickets in 18 Monaten zu verkaufen, ist keine technische Herausforderung für uns. Über eventim.de und unsere Systeme verkaufen wir 35 Millionen Konzert- und Sporttickets im Jahr. Zudem sind wir seit über zehn Jahren Partner des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bei allen Länderspielen und haben in der Vergangenheit viele Fußballvereine betreut. Eine technische Herausforderung ist nur, die Nachfragespitzen abzuarbeiten, die uns erwarten, wenn Millionen Fußballfans auf unseren Internet-Shop zugreifen.

mm.de: Mit wie vielen Anfragen rechnen Sie zu Spitzenzeiten?

Schulenberg: Am ersten Tag werden uns vermutlich fünf bis zehn Millionen Anfragen erreichen. Diesen Datenverkehr müssen wir so organisieren, dass es nicht zu einem Absturz des Systems kommt.

mm.de: Die Einstiegsseite für den Ticketverkauf (www.fifaworldcup.com) wird vom WM-Sponsorpartner Yahoo  betrieben. Auf welcher Ebene dockt CTS Eventim  an das System an?

Schulenberg: Sobald der Nutzer von der Einstiegsseite zum Bestellformular klickt, leitet der Computer die Anfrage zu uns weiter. Damit alles reibungslos funktioniert, haben wir speziell für die Weltmeisterschaft weltweit bis zu 15.000 Server im Einsatz.

mm.de: Bieten Sie auch Alternativen zum Online-Verkauf an?

Schulenberg: Das Bestellformular für die WM-Tickets kann man auch per Faxabruf bestellen und dann entweder per Fax oder Post übermitteln. Eine Telefon-Bestellung über ein Call Center gibt es nicht.

mm.de: Nur knapp 1,1 Millionen Tickets sind für den Verkauf freigegeben, die Nachfrage wird aber deutlich größer sein. Wer entscheidet, wer wie viele Eintrittskarten bekommt?

Schulenberg: Sobald alle Bestellungen eingegangen sind, wird ein Computer die Gewinner nach dem Zufallsprinzip aussuchen. Der Rechner übernimmt also das Losverfahren. Deshalb hat es auch keinen Sinn gemacht, gegen Mitternacht aufzustehen, nur um als Erster seine Ticketbestellung aufzugeben. Alle Bewerber haben vom 1. Februar bis zum 31. März Zeit, und die Reihenfolge des Eingangs ist irrelevant.

Wie aus dem Handy eine Eintrittskarte wird

mm.de: Was passiert mit den gespeicherten Daten der Ticketbewerber?

Schulenberg: Nach dem Losverfahren werden die Daten derjenigen Bewerber gelöscht, die keine Tickets bekommen. Alle anderen bekommen kurz vor Turnierbeginn ein Ticket mit einem RFID-Chip zugesandt, auf dem die Zugangsdaten zum Spiel und Sitzplatz gespeichert sind. Auf der Eintrittskarte wird zusätzlich der Name und eine Identifikationsnummer aufgedruckt.

mm.de: Ist die WM-Eintrittskarte mit einem RFID-Chip das Ticket der Zukunft?

Schulenberg: Das klassische Ticket ist ein Auslaufmodell. Künftig werden wir Eintrittskarten auf das Handy herunterladen oder am heimischen Schreibtisch mit einem Barcode versehen ausdrucken. Tickets mit einem RFID-Chip sind eher für Theater-Abonnements geeignet oder als Dauerkarte für Sportveranstaltungen.

mm.de: Wie teuer werden diese Tickets für den Veranstalter?

Schulenberg: RFID-Chip-Tickets kosten um die 50 Cent, wären damit etwa zehnmal teurer als die klassische Papierkarte.

mm.de: Wird die Weltmeisterschaft 2006 für CTS Eventim eine Eintrittskarte ins internationale Geschäft?

Schulenberg: Wir betrachten das so. Wir wollen über diese Fußballweltmeisterschaft ein neues Geschäftsfeld für internationale Großveranstaltungen akquirieren. Da kommen natürlich in Betracht die Olympiade in Peking oder die Fußball-Europameisterschaft 2008.

Wir sind zudem dabei, uns europaweit aufzustellen, wollen Europa "buchbar" machen. Künftig sollen Sie also in Hamburg oder Berlin auch ganz einfach Tickets für Veranstaltungen in London, Paris oder Amsterdam buchen können. Wir sind bereits in Österreich vertreten und stehen unmittelbar vor dem Markteintritt in der Schweiz. Die Verhandlungen in Spanien, Belgien und Italien laufen bereits. Wir sind da sehr ambitioniert.

mm.de: Wird CTS Eventim damit nur den Umsatz aufblähen oder können Sie auch gleich Gewinne schreiben?

Schulenberg: Wir haben für die WM eine Ebit-Marge von 20 Prozent kalkuliert. Das ist unsere Zielgröße. Wir wollen also nicht nur Umsätze erzielen, diese müssen auch profitabel sein.