Gates geläutert Bill und die Datendiebe

Dass immer mehr Internetnutzer von Viren und Spam-Mails heimgesucht werden, ist auch Bill Gates nicht neu. Um die Internetkriminialität erfolgreicher zu bekämpfen, startete der Microsoft-Gründer zusammen mit anderen Unternehmen wie SAP und Ebay die Initiative „Deutschland sicher im Netz“.

Hamburg/München - Microsoft-Gründer Bill Gates sieht Nachholbedarf in der Computersicherheit. Nachdem die PC-Branche in den vergangenen Jahren viele technische Neuerungen entwickelt habe, drängten nun "einige wirklich ernste Themen auf die Agenda, bei denen wir sicherstellen müssen, dass sie gar nicht erst zum Problem werden", sagt er in einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL.

Nach Ansicht von Gates, der am Montag in München eine groß angelegte Gemeinschaftsinitiative unter dem Motto "Deutschland sicher im Netz" startete, haben sich vor allem "die Probleme im Bereich des Datendiebstahls", dem so genannten Phishing, vergrößert. "In manchen Bereichen sind auch die bösen Jungs clever - und gelegentlich raffinierter, als wir es erwartet haben", gab Gates zu.

Bei der Bekämpfung von Spam, dem Werbemüll in E-Mail-Briefkästen, mache die Branche dagegen "enorme Fortschritte". "Das können wir irgendwann bekämpfen", versicherte Gates im SPIEGEL-Gespräch.

Das hatte vor einem Jahr noch weit zuversichtlicher geklungen. Im Januar 2004 wagte Gates in einer Pressekonferenz im Rahmen des Weltwirtschaftsforums in Davos noch die Vorhersage, das Problem Spam werde binnen zwei Jahren "eine Sache der Vergangenheit" sein. Inzwischen klingt das moderater.

Bei der Abwehr von Hackern und Internetbetrügern könne Microsoft  allein eben nicht erfolgreich sein: "Da sind nicht nur einzelne Konzerne gefragt, sondern unsere gesamte Industrie." Kein Unternehmen könne die Absicherung der IT-Infrastruktur alleine stemmen.

Die Branche müsse auch mit Regierungen und Behörden zusammenarbeiten, um die Onlinekriminalität zu bekämpfen. "Es gibt viel zu tun, besonders für Microsoft", sagte Gates dem SPIEGEL.

Um die Surfer für die Risiken des Internets zu sensibilisieren und ihr Vertrauen in neue Techniken zu stärken, startete Microsoft zusammen mit der deutschen Softwareschmiede SAP , dem Internetauktionator Ebay  und anderen IT-Unternehmen das Projekt "Deutschland sicher im Netz" unter der Schirmherrschaft von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement.

Mehr Schutz im Netz

Mehr Schutz im Netz

Ziel der Inititative sei es, die Menschen vor Sicherheitsproblemen und Kriminalität im Internet zu schützen. Die Komplexität des Themas mache ein Zusammenwirken aller relevanten Kräfte erforderlich.

"Deutschland sicher im Netz" bündele darum die Kompetenzen führender IT- und Internetunternehmen sowie erfahrener Fachleute aus Verbänden, öffentlichen Institutionen und der Politik zu einer schlagkräftigen Einheit. Die Initiative verfolge einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl Privatnutzer, Kinder und Jugendliche, als auch kleine und mittelständische Unternehmen sowie Behörden mit einschließe.

Viren legen PCs lahm

In den vergangenen Monaten hatten immer wieder Computerviren und Würmer wie Sasser, Bagle, Sober oder MyDoom Computer mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows rund um den Globus attackiert. Außerdem beklagen sich PC-Anwender immer häufiger über unerwünschte Werbe-Mails und Spähangriffe auf persönliche Daten durch so genannte Spyware- oder Phishing-Attacken.

Gates schlug in München etliche Maßnahmen vor, um den Stand der IT-Sicherheit zu verbessern. So müsse der Einsatz von Passwörtern zum Schutz von vertraulichen Informationen durch die Nutzung von Smartcards und die Auswertung biometrischer Merkmale abgelöst werden.

Sicherheit bei Autos selbstverständlich

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) zog einen Vergleich zur Automobilindustrie. "Wer würde je die Sinnhaftigkeit einer Investition in Bremsen oder einen Airbag bestreiten? Aber bei der IT-Sicherheit wird gespart." Während die Zahl der Fahrzeuge immer stärker steige, nehme die Zahl der Unfälle kontinuierlich ab.

In Deutschland fielen mehr Arbeitstage durch Mängel in der IT-Sicherheit aus als durch Streiks. "Nur wenn wir in Politik und Wirtschaft an einem Strang ziehen und das in die gleiche Richtung, können wir die IT-Sicherheit deutlich vorantreiben."

Die beteiligten Partner stellten in München konkrete Handlungsversprechen vor, die im Mai 2006 bei einem weiteren Gipfel bilanziert werden sollen. Microsoft verpflichtete sich etwa, einen Sicherheitscheck zu entwickeln, mit dem Internetnutzer ihre Computer umfassend auf Sicherheitsmängel hin überprüfen können. Das kostenlose Programm soll zugleich bei der Einstellung und Installation von notwendigen Schutzmechanismen Hilfestellungen bieten.