PC-Viren Newsletter mit gefährlichem Anhang

Um sich einen kurzen Überblick über die aktuelle Themenlage zu verschaffen, greifen viele Internetnutzer auf Newsletter zurück. Diese Tatsache haben sich auch findige Virenprogrammierer zunutze gemacht. Zusammen mit einem äußerst echt aussehenden CNN-Newsletter verschicken sie derzeit ihren Trojaner "Crowt-A".

Die Zeit der nackten Tatsachen scheint vorbei. Lang ist es her, dass ein Virus, das mit Nacktheiten lockte, größere "Erfolge" feiern konnte. Zeit umzusatteln, fanden da wohl findige Virenautoren, und die Internetnutzer mit einer Ware zu ködern, auf die sie ganz besonders heiß sind: Nachrichten.

Tatsächlich gehören Newsseiten neben P2P-Downloads und E-Mail-Versand zu den populärsten Nutzungen des Internet. Der Webverkehr konzentriert sich dabei sowohl weltweit als auch in den einzelnen Ländern vor allem auf große, als vertrauenswürdig gesehene Medienmarken. CNN, das eilige TV-Network aus den USA, ist eine der Top-Adressen für besonders aktuelle Nachrichten.

Den weltweiten Bekanntheitsgrad des Nachrichtensenders versucht nun auch ein Virus auszunutzen, das die Internetnutzer als angeblicher Newsletter von CNN erreicht. Man kennt das von den Phishing-Mails her, mit denen Trickbetrüger versuchen, persönliche Daten, Passworte und andere Zugangscodes zu erschleichen. Sie kommen meist als Newsletter oder elektronische Briefe bekannter Firmen oder Banken daher. Doch "Crowt-A", wie das IT-Sicherheitsunternehmen Sophos den Schädling getauft hat, geht noch weiter.

Bei jedem Versand holt sich das Virus frische Schlagzeilen von der CNN-Webseite ab, montiert sie zu einem aktuellen Newsletter und verschickt ihn mit einer entsprechend aktuellen Betreffzeile. Eine völlig neue, potenziell durchaus gefährliche Masche, findet Carole Theriault von Sophos: "Virenschreiber suchen ständig nach neuen Tricks, um arglose Computernutzer dazu zu bringen, ihre Schadprogramme auszuführen." "Crowt-A" nutze da geschickt den weit verbreiteten Hunger nach Nachrichten.

Das Virus selbst ist kein Killer, auch nicht sonderlich weit verbreitet - aber es ist eine Art Prototyp. Mit ähnlichen Attacken wird man in Zukunft wohl öfter rechnen müssen.

Ziel: Vertrauliche Daten

"Crowt-A" hinterlegt auf betroffenen Rechnern ein Trojanerprogramm, das über den so genannten Port 80, über den der Datenaustausch zwischen Rechner und Internet läuft, Kontakt zu einem Webserver hält und auf weitere Befehle wartet. Der Trojaner verfügt über eine Keylogger-Funktion, mit der er Tastatureingaben aufzeichnen kann, um diese an den fremden Server weiterzumelden. So könnte "Crowt-A" beispielsweise Pin-Nummern und Passworte "abfischen".

Wie viele andere Viren auch, versucht "Crowt-A" Virenschutzprogramme außer Funktion zu setzen, löscht dafür Daten und verbreitet sich selbst weiter, indem es E-Mail-Adressen aus dem Adressbuch und dem Posteingang des betroffenen Rechners stiehlt. Solche selbstverbreitenden Viren nennt man "Würmer".

Die IT-Sicherheitsunternehmen Sophos, Trend Micro und Kasperksy (hier heißt "Crowt-A" "Cocoazul.e") stellen bereits schützende Filterupdates zur Verfügung. Der effektivste Schutz aber, meint Carole Theriault von Sophos, beginne im Kopf des PC-Nutzers. "Es ist ganz einfach: Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre Anti-Virenfilter ständig auf dem neuesten Stand gehalten werden, und PC-Nutzer sollten äußerst misstrauisch mit allen unerwarteten E-Mails umgehen, egal ob sie Fotos von Prominenten versprechen oder die neuesten Nachrichten."

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