Microsoft EU-Windows zum vollen Preis

In wenigen Tagen bringt Microsoft sein Betriebssystem Windows XP in einer zusätzlichen Version ohne Media Player heraus. Damit erfüllt der Konzern eine Auflage der EU-Kommission. Billiger wird das abgespeckte Softwarepaket allerdings nicht.

München - "Wir machen uns da überhaupt nicht lustig", sagte Armin Cremerius-Günther auf der Cebit-Preview in Hamburg. Der für Windows zuständige Microsoft-Manager kündigte an, dass es Ende Januar oder Anfang Februar ein Windows XP mit reduziertem Funktionsumfang - aber zum vollen Preis geben wird. "Wir halten uns exakt an die Auflagen der EU-Kommission", betonte Cremerius-Günther.

Diese hatte Microsoft in einem Wettbewerbsverfahren zu einer Zahlung von 497 Millionen Euro verdonnert, weil der Softwaregigant seine Monopolstellung beim Betriebssystem angeblich ausnutzen soll, indem er es nur gebündelt mit der Audio- und Videoabspielsoftware Media Player anbietet. Neben dem Bußgeld machte die EU-Kommission dem Unternehmen unter anderem die Auflage, Windows künftig auch ohne den Media Player anzubieten.

Dieser Auflage wird Microsoft nun ab morgen Folge leisten. Das bisherige mit dem Media Player gebündelte XP will das Unternehmen weiterhin verkaufen - zum selben Preis wie die neuen, EU-Kommissions-konformen Versionen von Windows XP Home und Windows XP Professional.

Die abgespeckte Ausgabe wird nach Angaben von Cremerius-Günther keine Audio-CDs abspielen können. "Es ist Schwachsinn: Ich zahle das gleiche und kriege weniger dafür." Es stelle sich die Frage, wie viele Kunden überhaupt zu dem Produkt greifen werden, das man im Übrigen zurückhaltend vermarkten wolle.

Ganz so unsinnig wie dargestellt ist die Version ohne Media Player freilich nicht. Es gibt eine Reihe von kostenlosen Abspielprogrammen im Netz. Hinzu kommt, dass viele Programme mit eigenen Media Playern ausgerüstet sind. Privatanwender stehen also keinesfalls ohne CD-Wiedergabesoftware da, wenn sie das Windows ohne Microsoft Media Player kaufen - sie können sich vielmehr für ein Programm entscheiden, ohne dass sich der Microsoft-Player ständig vordrängelt.

Zur kommenden Cebit plant Microsoft einen günstigen Tablet-PC. Die bisher angebotenen Notebooks mit berührungssensitivem Display seien zu teuer, um sich auf dem Markt durchzusetzen, sagte Cremerius-Günther. Der Preis solle bei 1200 Euro liegen, als Hardwarehersteller kommen Medion oder Acer in Betracht.

Auf der Cebit will das Unternehmen "digitalen Liftestyle zum Anfassen" bieten. Cremerius-Günther kündigte eine voll digital ausgerüstete Dreizimmer-Musterwohnung auf dem Messestand in Halle 2 an. "Da werden sicher noch mehr Leute kommen als im Vorjahr an unserem Stand in Halle 1", sagte der Manager. Damals hatte das Unternehmen mit Ikea-Möbeln eine große Lounge aufgebaut, in der Besucher die Windows Media Center Edition ausprobieren konnten.