Brennen Am Rande der Legalität

DVDs waren im Weihnachtsgeschäft einer der Renner. Wer nun eine Musik-DVD ergattert hat und die Songs gerne im Auto auf dem CD-Player hören will, kann die Tonspur kopieren – allerdings stößt man dabei schnell an die Grenzen, was erlaubt ist.

Berlin/Hannover - Musik-DVDs sind in. Zusammen mit herkömmlichen Audio-CDs zählten die vielschichtigen Datenscheiben nach Angaben des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft in Berlin im Jahr 2004 zu den beliebtesten Weihnachtsgeschenken.

DVDs erfreuen Musikfans durch Live-Mitschnitte, Bonustracks und Fotogalerien. Wer aber die Tonspur von den Bildern trennen will, um das DVD-Konzert von Robbie Williams oder das kürzlich veröffentlichte Live Aid Concert von 1985 auch unterwegs in einem MP3- oder CD-Player hören zu können, wandelt am Rande der Legalität.

"Ein vorhandener Kopierschutz darf nicht umgangen werde", stellt Susanne Dehmel, Bereichsleiterin Urheberrecht beim Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) klar. Denn die seit dem 12. September 2003 gültige Fassung des Urheberrechtgesetzes stellt das Aushebeln eines Kopierschutzes - auch für private Zwecke - ausdrücklich unter Strafe. Verboten sind in Deutschland seitdem auch die Herstellung und der Vertrieb von Software, mit der ein Kopierschutz umgangen werden kann.

Im Ausland ist alles zu haben

Im Umkehrschluss bedeutet dies: Gelingt das Trennen der DVD-Audiospur mit einer zugelassenen Brennsoftware, können Anwender davon ausgehen, dass ihr Handeln auch legal ist. Denn Privatkopien zum persönlichen Gebrauch dürfen grundsätzlich gemacht werden. Dass bei einer nicht kopiergeschützten Video-DVD Ton- und Bildspuren vom Nutzer getrennt werden, sei dabei nicht entscheidend, erklärt Hartmut Spiesecke, Sprecher des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft.

Laut Volker Zotta, Ressortleiter Audio/Video bei der in Hannover erscheinenden Computerzeitschrift "c't", besteht bei dem Vorhaben das Problem darin, Bild und Ton einer DVD überhaupt zu trennen: "Die Videodaten sind in einer so genannten VOB-Datei mit den Audiodaten verwoben", erklärt er. Alle Programme, die aus den VOB-Dateien Audio-Informationen heraustrennen, könnten dies auch prinzipiell mit kopiergeschützten DVDs. Sie dürften daher in Deutschland nicht angeboten oder beworben werden.

Viel Fantasie ist dem Experten zufolge aber nicht notwendig, um entsprechende Tools auf ausländischen Internetseiten - wo die Software legal ist - zu finden. Hinzu kommt, dass nach dem digitalen Trennen von Ton und Bild die oft in mehreren Spuren vorliegenden DVD-Töne noch in eine Stereo-Wav-Datei umgewandelt werden müssen, damit sie ein normaler CD-Spieler lesen kann.

Störgeräusche und Festplattenpfeifen

Störgeräusche und Festplattenpfeifen

Trotz dieser rechtlichen und technischen Fallstricke scheint sich für Musikfans ein Königsweg anzubieten, mit dem sich die Hits der DVD auf eine Audio-CD brennen lassen - vorausgesetzt man bringt für diese Operation etwas Geduld mit: Fast so wie zu Zeiten der Musikkassette kann der Ton der DVD mit dem Computer in Echtzeit überspielt werden. Der DVD-Player wird dabei über den Verstärker an die Audioeingänge der Soundkarte angeschlossen. Anschließend werden die analogen Töne wieder digitalisiert: Beträgt die Spielzeit der DVD zwei Stunden, dauert das Überspielen allerdings auch so lange.

Störgeräusche wie Festplattenpfeifen können den Hörgenuss aber unter Umständen mindern, gibt Zottas Kollege Sven Hansen zu bedenken: "Der PC ist nicht das beste Umfeld für hochwertige Audioaufnahmen", sagt der "c't"-Redakteur Andererseits hätten heutige Analogaufnahmen aber qualitativ mit der analogen Aufnahmetechnik früherer Zeiten nichts mehr gemein: Der Qualitätsverlust dürfte für normale Ohren nicht hörbar sein.

Legale Software für dieses Unterfangen ist leicht zu bekommen: "Das sollte mit jedem Musik-Editor zu machen sein", erklärt "c't"-Fachmann Zotta. "Mit unserer Software Magix Music Cleaning Lab Deluxe geht das", sagt Ulrich Hepp vom Softwarehersteller Magix in Berlin. Das Programm, das eigentlich entwickelt wurde, um Lieder von LPs oder Kassetten zu digitalisieren, zu reinigen und auf CD zu brennen, unterscheide nicht, woher die Töne stammen. Gleiches gilt für die Konkurrenzprodukte Steinberg Clean von Pinnacle, Music cleaning studio von Ejay oder den kostenlosen Audiograbber (www.audiograbber.de).

Schutz ist Schutz

Bei PCs mit eingebauten DVD-Laufwerk geht das analoge Überspielen laut Ulrich Hepp sogar ohne Kabelsalat: Die Video-DVD wird dabei mit der Software abgespielt, die auch benutzt wird, um DVD-Filme auf dem Rechner anzusehen. Über die Aufnahmefunktion des Musik-Editors muss dann nur noch der entsprechende Eingang gewählt werden. Die DVD-Töne verlassen dabei den Rechner zwar nicht, werden aber analogisiert und gleich wieder digitalisiert, so dass der Kopierschutz auf diese Weise nicht verletzt wird.

"c't"-Experte Zotta teilt diese Auffassung: "Für den Privatgebrauch sehe ich die Analog-Überspielung als legal an." Bei Kauf-DVDs seien ohnehin nur die Videodaten kopiergeschützt, so dass nichts gegen das Aufnehmen der ungeschützten Audiospur spreche.

Die Musikindustrie sieht dies dagegen anders: "Das Redigitalisieren einer analogen Aufnahme halten wir für nicht zulässig", sagt Phonoverbandsprecher Spiesecke. Dem Sinn und Zweck des Urheberrechtsgesetzes widerspricht das Redigitalisieren nach Ansicht des Verbandes auf jeden Fall. Ob mit dem erneuten Digitalisieren der Kopierschutz umgangen wird, sei ein strittiger Punkt, der noch nicht geklärt ist.

Arnd Petry, dpa

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