Fußball-WM Yahoos Countdown für den Ticketverkauf

Anfang Februar startet der Verkauf für die Eintrittskarten der Fußball-WM 2006. Nur per Internet oder Telefon sind die Karten zu erwerben. Bei Yahoo laufen die Vorbereitungen für den Ansturm auf die Fifa-Website auf Hochtouren. Riesige Serverparks sollen einen Zusammenbruch des Systems verhindern.

München - Die Enttäuschung könnte vorprogammiert sein. Selbst Franz Beckenbauer machte sich schon öffentlich Sorgen, dass doch zu wenig Eintrittskarten für die Fußball-WM 2006 zur Verfügung stünden, nur 8 bis 15 Prozent der insgesamt 3,2 Millionen Tickets verbleiben im Gastgeberland. Allein der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zähle über 6,2 Millionen Mitglieder, so Beckenbauer. Dazu kommt, dass von den Karten insgesamt bereits 450.000 Tickets für die Sponsoren, 375.000 für die Fußballverbände und 150.000 für Reiseunternehmen reserviert sind.

Unbestritten also, die Nachfrage wird größer als das Angebot und ein Großteil der Fußballfans wird sich darauf einrichten müssen, mit dem Fernseher oder der Großbildleinwand vorlieb zu nehmen. Wer jedoch Einlass begehrt und sich um Karten bemühen will, für den läuft der Countdown. Nur noch wenige Tage sind es und der Vorverkauf beginnt. Am 24. Januar wird das Organisationskomitee der Fußball-WM das Prozedere des Ticketverkaufs erklären, der ab 1. Februar anlaufen soll.

Pünktlich soll der Handel starten, weltweit zum gleichen Zeitpunkt. "Niemand soll einen Vorteil haben", erklärt Christian Muche, Director Sales & Marketing sowie Fifa-Experte von Yahoo , im Gespräch mit manager-magazin.de. Das US-Internetunternehmen ist Partner und Sponsor der Weltmeisterschaft, es betreibt und bestückt die Internetseite www.fifaworldcup.com, über die zum ersten Mal in der Fußball-Weltmeisterschaftsgeschichte der Ticketverkauf exklusiv laufen wird.

Yahoo stellt dabei die Serverkapazitäten, bereitet die Inhalte, die die Züricher Fifa-Redaktion liefert, internetgerecht auf und muss sich darum kümmern, dass die Technik rund um die Website funktioniert. Den Kartenverkauf selber hat das börsennotierte Unternehmen CTS Eventim  übernommen, das sich von diesem Auftrag einen Umsatzschub verspricht. "Das wird unser Tor zu weiteren Aufträgen", sagte CEO Klaus-Peter Schulenberg vor kurzem.

Fußballfeldgroße Serverparks

Nur über die Fifa-Website oder über die Telefonhotline könnten die Karten gekauft werden, betont Muche. Alles andere sei illegal. Ein Ansturm auf die Website ist damit vorprogrammiert. "Wir glauben, wir sind gut gerüstet", so der Manager. Seit Wochen und Monaten arbeite Yahoo eng zusammen mit dem Nationalen Organisationskomitee (NOK). Zurzeit liefen Belastungstests.

Einige fußballfeldgroße Serverparks seien in den USA, Europa und Asien für die Fifa-Site reserviert, sagt Muche. Dass Yahoo unter der Last der vielen Fans auf weitere Ressourcen zurückgreifen müsse oder gar gezwungen sei, weitere Serverkapazitäten von externen Anbieter dazuzukaufen, kann sich der Yahoo-Mitarbeiter nicht vorstellen. "Wir sind ein weltweit agierendes Unternehmen, wir haben ausreichende Kapazitäten." Täglich bewege Yahoo schon Millionen von Daten im Netz.

Der Intervall-Verkauf

Der Intervall-Verkauf

Informiert hat sich das Unternehmen dennoch bei den Organisatoren der Fußball-EM und der Olympischen Spiele nach deren Erfahrungen mit dem Online-Ticketverkauf. Allerdings werde die Nachfrage bei der Fußball-WM sicherlich noch größer, sagt Muche. Nicht nur weil das Interesse so hoch sei, sondern auch weil das Internet immer größere Reichweiten erfahren habe.

In fünf Intervallen sollen die Tickets verkauft werden. "Um den Ansturm steuern zu können", erklärt Muche. Immer steht nur ein bestimmtes Kontingent an Eintrittskarten zur Verfügung. Dabei geht es zumindest am Anfang offenbar nicht nach dem Prinzip, wer zuerst kommt, mahlt zuerst, sondern die Fans müssen sich um die Karten bewerben, die dann schließlich verlost werden sollen.

"Nach dem ersten Ansturm im Februar wird wohl im Herbst die Nachfrage nach Karten noch einmal stark steigen", meint Muche. Dann stehe fest, welche Mannschaft gegen welche spielt. Zudem rechne er damit, dass auch noch beim kurzfristigen Verkauf kurz vor den Spielen und während der Spiele Karten stark nachgefragt werden. Wann jedoch genau welcher Verkaufszyklus beginnt, wird erst am 24. Januar zu erfahren sein.

Yahoo hat auch schon 2002 die offizielle Site der Fußball-WM betreut und vermarktet. Damals wurde der Ticketverkauf jedoch nicht über diese Site abgewickelt. "Für uns ist der Confederations Cup in Deutschland die Feuerprobe", so der Manager. Der Ticketverkauf läuft seit vergangenen November, innerhalb von zwei Wochen wurden rund 200.000 Karten verkauft. Der Run auf die WM-Tickets dürfte jedoch um ein Vielfaches höher ausfallen.

Wie hoch das Budget ist, das das US-Internetunternehmen für die Partnerschaft mit der Fifa bereitstellt, darüber schweigt Muche. Gerne würde Yahoo auch die Fifa-Website für die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika betreuen. Der Etat ist allerdings noch nicht vergeben. "Im Prinzip stoßen wir bei unserer Bewerbung nur auf wenige Wettbewerber, die ähnlich international aufgestellt sind wie wir", meint Muche. Einer davon ist mit Sicherheit Microsofts  MSN. Über dessen Absichten ist aber bislang noch nichts bekannt.

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