Business-Handys Die mobilen Alleskönner

Das Warten am Flughafen oder Bahnhof ist nervig und verschlingt kostbare Zeit. Neue Business-Handys verheißen eine bessere Nutzung dieser Zwangspausen. manager-magazin.de hat getestet, ob der MDA compact von T-Mobile und das Siemens SK 65 halten, was sie versprechen.

Hamburg - Mobiltelefone sind aus der Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Mit ihnen können Geschäftsleute schon von unterwegs aus die nächsten Termine abstimmen oder dringende Fragen klären. Inzwischen können die mobilen Begleiter aber viel mehr als nur Telefonverbindungen herstellen oder Notizen aufnehmen.

Der MDA Compact von T-Mobile kommt als Alleskönner daher und verknüpft die Funktionen eines Mobiltelefons mit denen eines Personal Digital Assistant (PDA). Der Nutzer kann telefonieren, E-Mails bearbeiten, im Internet surfen, fotografieren, Musik hören, Videos sehen und auch auf Kalender- und Adressbuchfunktionen zurückgreifen. Ein Teil der Arbeit, wie zum Beispiel die Bearbeitung des Postfachs, kann somit von unterwegs aus erledigt werden.

Die E-Mails ruft der MDA Compact per GPRS ab. Das Einrichten des E-Mail-Kontos erfolgt ähnlich wie bei Microsofts Outlook und ist vielen Nutzern somit bekannt. Die abgerufenen Daten können später mit denen auf dem PC über Bluetooth, USB oder Infrarot abgeglichen werden.

Schwieriger Datenabgleich mit dem Mac

Die Synchronisation funktioniert allerdings nur mit einem Windows-PC und Microsofts Mail-Software und Terminplaner Outlook. Apple-Macintosh-User und Anwender anderer Mail-Programme haben beim Datentransfer oft Probleme und benötigen Zusatzsoftware.

Informationen aus dem Internet können ebenfalls von unterwegs aus abgerufen werden. Das Surfen gelingt dabei benutzerfreundlich: Wer Webseiten betrachten will, die nicht PDA-optimiert sind, kann die Anzeige der Seite auf eine Spalte verringern, so dass nur noch abwärts gescrollt werden muss und nicht auch noch seitwärts.

Mit der integrierten Kamera, die Fotos mit einer Auflösung von 1,3 Megapixel schießt und über einen digitalen achtfachen Zoom verfügt, können auch kurze Videos aufgenommen werden. Der Wechsel des Displays in den Querformat-Zustand gibt dem Nutzer das Gefühl, eine Digitalkamera und kein Handy zu bedienen. Ob Geschäftsleute allerdings wirklich eine Kamera benötigen, ist fraglich.

Navigationssoftware kostet extra

Navigationssoftware kostet extra

Vorteilhaft für Berufstätige, die viel unterwegs sind, ist die Möglichkeit mit dem MDA Compact in fremden Städten zu navigieren. Die Navigationssoftware muss allerdings extra bezahlt werden. Die Menüführung ist für Windows-Nutzer altbekannt, da der MDA Compact auf das Microsoft-Betriebssystem setzt.

Durch das Multi-Tasking-Betriebssystem von Windows können auf dem MDA Compact verschiedene Dateianhänge in Word, Excel, Powerpoint und als PDF betrachtet und mehrere Programme gleichzeitig geöffnet werden. Allerdings führte dies im Test oft zu einem Absturz des Systems.

Weiterer Nachteil: Der Anwender kann nicht wie am PC zwischen verschiedenen Programmen wechseln, sondern muss die zuletzt geöffneten Programme schließen, um zu einem dahinter liegenden Programm zurückzukehren.

Angelehnt an den PC ist auch die "rechte Maustaste"-Funktion des MDA: Wenn ein Text mit dem Bedienstift angetippt und dieser dort gehalten wird, öffnet sich ein kleines Fenster, in dem verschiedene Optionen ausgewählt werden können. Für den PC-Nutzer ist dies sehr komfortabel.

"Rechte Maustaste" und MDA-Joystick

Problematisch bei der Bedienung ist jedoch der Joystick des MDA: Wer über ihn in den einzelnen Programmen auf- und abscrollt, muss aufpassen, dass der Joystick nicht nach unten gedrückt und somit die Eingabe bestätigt wird.

Wie die meisten dieser Geräte ist auch der MDA Compact immer noch größer (108,2 mal 58 mal 18,2 Pixel) und schwerer (150 Gramm) als normale Handys. Auch das Touchscreen-Display erinnert eher an einen PDA als an ein Smartphone. Das Telefonieren mit dem MDA Compact ist somit sehr ungewohnt.

Ohne Vertrag soll das Gerät 489,95 Euro kosten. Der Hersteller ist das taiwanesische Unternehmen High Tech Computer. T-Mobile verkauft den MDA Compact exklusiv und folgt damit dem Trend, fremde Geräte unter der eigenen Marke anzubieten.

Blackberry-Funktion spart Zeit

Mehr Komfort beim Tippen

Das SK 65 von Siemens  ist ebenfalls ein Business-Handy, das den Arbeitsalltag erleichtern soll. Allerdings verzichtet der Hersteller hier auf zusätzliche Funktionen wie Digitalkamera, Radio oder MP3-Player. Diese gelten für Siemens nicht als klassische "Business-Features", die Geschäftsmänner oder -frauen benötigten. Keiner, so das Kalkül der SK-65-Entwickler, möchte für etwas zahlen, das er nicht wirklich haben will.

Dafür will Siemens den Komfort beim Tippen durch ein Drehkreuz erhöhen: Dreht man die Unterseite des Geräts um 90 Grad, kommt links und rechts des Displays eine Tastatur zum Vorschein.

Die Tasten sind zwar im Vergleich zur PC-Tastatur immer noch recht klein, aber größer als auf dem Handy selbst. Außerdem hat hier jeder Buchstabe seine eigene Taste. Nach kurzer Eingewöhnungszeit verringert sich dadurch auch die Eingabedauer von Texten.

Blackberry-Funktion spart Zeit

E-Mails oder Kalenderdaten werden über den Push-Dienst Blackberry via GPRS ständig automatisch abgerufen und auf das Handy übertragen. Im Gegensatz zum MDA Compact entfällt hier also das eigenständige Abholen der E-Mails. Problematisch ist allerdings das Einrichten der E-Mail-Konten. Laut Siemens braucht der Nutzer nur seine E-Mail-Adresse und das Passwort einzugeben und schon können die Nachrichten abgerufen werden.

Im Praxistest stößt man jedoch auf viele leere Felder, die gefüllt werden müssen. Selbst im Handbuch finden sich nur wenige Hinweise dazu. Nutzer müssen sich entweder im Internet selbst oder bei ihrem Provider um eine taugliche Anleitung bemühen, welche Informationen wo eingetragen werden müssen.

Wer sein Konto schließlich erfolgreich eingerichtet hat, kann sich tatsächlich über besser genutzte Zeit freuen. Eine Studie des Markforschungsinstituts Ipsos zeigt, dass Mitarbeiter durchschnittlich 27 Minuten effektive Arbeitszeit pro Tag durch den Einsatz von Geräten mit einer Blackberry-Funktion gewinnen, da E-Mails beispielsweise schon vom Flughafen aus bearbeitet werden können.

Lotus-Notes-Abgleich möglich

Lotus-Notes-Synchronisation möglich

Zur besseren Nutzung der Reisezeiten trägt auch die Möglichkeit bei, auf interne Unternehmensdaten wie Intranetseiten, spezielle Programme oder Datenbanken zurückgreifen zu können.

Wichtige Schnittstellen zur Übertragung der Daten auf den PC wie Infrarot und Bluetooth sind im SK 65 integriert. Ein USB-Kabel für den Datenabgleich mit dem Computer muss jedoch zusätzlich bezahlt werden.

Lotus-Notes-Nutzer haben bei dem SK 65 den Vorteil, dass der Abgleich der E-Mails auch mit diesem Programm funktioniert und nicht nur mit Microsoft Outlook.

Wie beim MDA Compact können auch beim SK 65 verschiedene Dateianhänge von E-Mails gelesen werden. Die Aufrüstung als Navigationsgerät ist ebenfalls möglich.

Für die Vielzahl der Anwendungen ist das Display mit 132 mal 176 Pixel allerdings etwas zu klein. Die längliche Form erinnert wiederum eher an ein Handy als der recht quadratische MDA Compact. Mit 144 Gramm ist das SK 65 in etwa gleich schwer wie das Gerät von T-Mobile.

Wer profitieren will, muss lesen

Ohne Vertrag kostet das SK 65 von Siemens 519 Euro. Im Gegensatz zum MDA Compact wird das Gerät von allen vier großen Netzbetreibern angeboten.

Bei beiden Geräten sollte der Nutzer allerdings darauf achten, sich intensiv mit ihnen und ihrer Gebrauchsanweisung auseinanderzusetzen, so dass er auch wirklich von den Vorteilen profitieren kann.

Denn die meisten Handynutzer erschließen nach einer vom Siemens-Konzern in Auftrag gegebenen Studie ihr Gerät intuitiv und schlagen nur sporadisch in der Bedienungsanleitung nach. Wer aber die Funktionen seines mobilen Alleskönners nicht genau kennt, der kann sich den Aufpreis und die Gewichtsnachteile gegenüber einem schlichteren Gerät sparen.

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