Rückblick 2004 Das Jahr des Breitbands

Das vergangene Jahr stand ganz im Zeichen des Breitbands. Ob über Wireless Lan, UMTS oder Voice over IP: Dem schnellen Internetzugang begegnete man überall. Aber auch neue Begriffe wie iPods, Blogs, Wikis und Phishing eroberten 2004 das Internet.

Hamburg - Zwei Trends haben 2004 zum Jahr des Breitbands gemacht: Das Internet erfasst immer mehr Bereiche des Alltags und die Kosten für den schnellen Zugang sind dank neuer Anbieter kräftig ins Rutschen gekommen. Beim Mobilfunk erlebte das Breitbandnetz UMTS eine Premiere, die vier Jahre nach der kostspieligen Versteigerung der Lizenzen zwar nicht so glanzvoll ausfiel wie erhofft, aber nun auch auf dem Handy die komfortable Internetnutzung ermöglicht.

Von den rund 38 Millionen Telefonanschlüssen in Deutschland erfüllen bislang 34 Millionen die technischen Voraussetzungen für Breitband. Zur Jahresmitte 2004 gab es mehr als 4,7 Millionen Breitbandanschlüsse, bis Ende 2007 rechnet die Telekom-Tochter T-Com mit rund zehn Millionen Anschlüssen.

Angesichts eines verstärkten Wettbewerbs kommen immer mehr Breitbandanbieter ihren Kunden mit Preisabschlägen entgegen oder packen zusätzliche Leistungen drauf. Besonders aktuell ist "Voice over IP" (VoIP), das Telefonieren übers Internet.

Bei den Tarifen ist die Flatrate für unbegrenzte Internetnutzung für viele noch zu kostspielig. Die meisten Breitbandnutzer entscheiden sich für Volumentarife, bei denen man ebenfalls die ganze Zeit online bleiben kann und pauschal für eine Datenmenge von einem oder drei Gigabyte im Monat bezahlt. Neben dem Standardzugang werden verstärkt auch die schnelleren Anschlüsse mit einer Downloadgeschwindigkeit von zwei oder drei Megabit pro Sekunde genutzt.

Internet per UMTS

Auch UMTS erlebte seinen Start im Frühjahr 2004 zunächst beim Datenverkehr: Eine Einsteckkarte fürs Notebook ermöglicht die Funkanbindung ans Internet. Schneller ist da aber weiter das Wireless-Lan (W-Lan).

Beim Handy kommt UMTS erst in diesen Monaten in Gang. Die Anbieter der neuen Geräte werben dabei vor allem mit der mobilen Videotelefonie und mit integrierten Kameras, die immer bessere Fotos aufnehmen können.

Während die Übertragungskanäle breiter werden, tun sich die Anbieter der dafür geeigneten Inhalte immer noch schwer mit attraktiven Angeboten. Die auf der Cebit von der Deutschen Telekom  gestartete Plattform Phonoline musste schon nach wenigen Monaten ihr Scheitern erklären - die strengen Nutzungsbeschränkungen für die herunter geladenen Musikdateien hielten die Nachfrage in engen Grenzen.

Umso beliebter ist iTunes, die digitale Musiktankstelle von Apple, das mit seinem iPod auch gleich das passende Kultgerät dazu mitliefert. In Deutschland ist iTunes seit Juni 2004 aktiv und erreicht einen Marktanteil von fast der Hälfte der eine Million verkauften Downloads pro Monat.

PCs als universelle Medienzentrale

PCs als universelle Medienzentrale

Der Trend zum Breitband stellt die Filmbranche vor ähnliche Probleme wie die Musikindustrie. Hinzu kommt hier die Ablösung des Videorecorders durch den DVD-Brenner, mit dem sich spielend leicht digitale Aufnahmen von Filmen erstellen lassen. Aufnehmen, Schneiden, Brennen - nach diesem Dreiklang funktionieren die neuen Fernsehgeräte mit integrierter Digitalaufzeichnung, wie sie unter anderem von Fujitsu Siemens angeboten werden.

Neben dem Konsumieren von Musik und Filmen haben aber auch zwei Formen der aktiven Internetnutzung das Jahr 2004 geprägt: Blogs und Wikis. Für das amerikanische Wörterbuch Merriam-Webster war das Blog das Wort des Jahres. Die großen Internetportale wie Google , Yahoo  und MSN  liefern sich nicht nur einen heftigen Konkurrenzkampf um die beste Suchmaschine und das attraktivste Freemail-Angebot, sondern führen auch Angebote für die Einrichtung eines solchen Webtagebuchs, um möglichst viele Nutzer an sich zu binden.

Mit Blogs und Wikis soziale Beziehungen pflegen

Während es bei den Blogs die persönlichen Ansichten und Erfahrungen ihrer Betreiber sind, die den Reiz dieser Websites ausmachen, nutzen Wikis die im Computernetz anzutreffende Fachkompetenz für frei verfügbare und immer umfangreichere Nachschlagewerke. Blogs und Wikis sind Teil eines allgemeinen Trends zum "social networking" - das Internet wird für soziale Beziehungen ebenso wichtig wie der Freundeskreis, der Arbeitsplatz oder die Nachbarschaft.

Wer sich im Internet kreativ betätigen will, findet die Werkzeuge dafür in einem Meer von freier Software. Höhepunkte für die Entwickler waren 2004 unter anderem die Fertigstellung von PHP 5 - die einstigen "Personal Home Page Tools" sind ein wichtiger Standard für die Gestaltung "dynamischer" Webseiten - und der Siegeszug der bei IBM entstandenen Plattform Eclipse mit immer neuen Erweiterungen.

Internetkriminalität steigt durch Phishing

Mit der zunehmenden Verbreitung von Breitband-Anschlüssen steigt allerdings auch die Notwendigkeit, sich um die Sicherheit der eigenen Internetaktivitäten zu kümmern. Als ob die Zahl der Viren-, Würmer- und Spam-Plagen noch nicht groß genug gewesen wäre, kam in diesem Jahr noch das "Phishing" hinzu: Mit diesem Kunstwort, gebildet aus "Password fishing", wird der Trick bezeichnet, mit Hilfe von gefälschten E-Mails an vertrauliche Kundendaten zu gelangen.

Die Flut von Sicherheitsupdates für das Betriebssystem Windows packte Microsoft im August in seinem "Service Pack 2" für Windows XP zusammen - gemeinsam mit zusätzlichen sinnvollen Funktionen für eine bessere Überwachung des Datenverkehrs mit der Außenwelt. Mehr Vielfalt statt der Dominanz eines einzigen Anbieters könnte ebenfalls zu mehr Sicherheit beitragen - einen Beitrag dazu leistet der neue Mozilla-Browser Firefox, der in den letzten Monaten des Jahres in kurzer Zeit eine erstaunlich weite Verbreitung erreichte.

Mit mehr als acht Millionen Internetadressen ist der deutsche .de-Bereich prall gefüllt, auch wenn seit März Domainnamen mit Umlauten möglich sind - als erste deutsche Umlaut-Adresse wurde öko.de registriert. Im neuen Jahr gibt es mit einem Schlag viel Platz für neue Webauftritte, wenn die Europaendung .eu an den Start geht.

Peter Zschunke, AP