T-Mobile-Konkurrenten Fusion zwischen Sprint und Nextel perfekt

Nach tagelangen Spekulationen bestätigten die beiden US-Mobilfunkanbieter Sprint und Nextel am Mittwoch den Zusammenschluss ihrer beiden Unternehmen. Dadurch gerät vor allem die US-Tochter der Deutschen Telekom, T-Mobile USA, unter Druck.

New York - In der US-Mobilfunkbranche steht die zweite milliardenschwere Fusion in diesem Jahr an. Der drittgrößte Anbieter Sprint  und die Nummer fünf, Nextel Communications , schließen sich für rund 38 Milliarden Dollar zusammen. Damit entsteht kurz nach der Übernahme von AT&T Wireless  durch Cingular Wireless der nächste Mobilfunkgigant in den USA.

Wie die beiden Gesellschaften mitteilten, sollen die Aktionäre von Sprint und Nextel nach der vereinbarten "Fusion unter Gleichen" jeweils 50 Prozent des neuen Unternehmens halten. Die Nextel-Aktionäre erhalten für jedes Papier 1,3 Sprint-Nextel-Aktien sowie 50 Cent.

Beide Gesellschaften versprechen sich Kostenersparnisse von rund zwölf Milliarden Dollar. Wie erwartet, wird Sprint seine Aktivitäten im lokalen Festnetz abtrennen. Der Abschluss der Transaktion ist für die zweite Hälfte nächsten Jahres vorgesehen. Branchenkenner sehen bei der Fusion keine kartellrechtlichen Probleme.

Das neue Unternehmen wird unter dem Namen Sprint Nextel firmieren und über 35 Millionen direkte Mobilfunkkunden unter Vertrag haben - deutlich mehr als die Deutsche Telekom  in den USA. T-Mobile USA ist zwar einer der am schnellsten wachsenden Anbieter in den Vereinigten Staaten, allerdings ist die Kundenzahl mit 16,3 Millionen nur halb so hoch wie die von Sprint Nextel.

Auswirkungen auf T-Mobile

Analysten erwarteten im Vorfeld der Fusionsankündigung Nachteile für T-Mobile. "Mittelfristig wird sich durch die Existenz von mehreren gleichstarken Anbietern in der Mobilfunkbranche die Wettbewerbsintensität erhöhen", meint Frank Rothauge von Sal. Oppenheim im Gespräch mit Gespräch mit manager-magazin.de. Nur kurzfristig könne T-Mobile USA von dem Zusammenschluss profitieren, da die Unternehmen während der Fusionsphase stark mit sich selbst beschäftigt seien und kaum Ressourcen für Marketing oder ähnliches frei hätten.

Die Deutsche Telekom selbst erwartet jedoch keine Nachteile für ihre US-Tochter durch die Fusion: "Wir rechnen grundsätzlich mit keiner Beeinträchtigung unseres Geschäfts", sagte ein Sprecher von T-Mobile. Nach seinen Worten bietet ein solcher Zusammenschluss Chancen für die Wettbewerber. Den Erwerb von frei werdenden Mobilfunk-Spektren schloss der Sprecher nicht aus.

Greift Verizon noch ein?

Greift Verizon noch ein?

Über eine Fusion der beiden Firmen war in den vergangenen Tagen bereits heftig spekuliert worden. Am Dienstag hatte zudem ein Bericht des "Wall Street Journal" für Aufregung gesorgt, wonach der britische Mobilfunkriese Vodafone gemeinsam mit seinem US-Partner Verizon Wireless ein Übernahmeangebot für Sprint erwäge, um den Konkurrenten an einem Nextel-Kauf zu hindern. Dies wurde von Vodafone jedoch dementiert.

Analyst Rothauge hält es trotz des Beschlusses der beiden Mobilfunkunternehmen dagegen immer noch für möglich, dass sich Verizon  in die Fusion einschaltet. "Ein Zusammenschluss mit Sprint würde Verizon enorme Synergieeffekte bringen."

Experten rechnen im boomenden US-Mobilfunkmarkt bereits seit längerem mit einer weiteren Konsolidierung. Erst vor wenigen Wochen hatte Cingular Wireless für rund 41 Milliarden Dollar AT&T Wireless übernommen und damit den bisherigen Marktführer Verizon Wireless auf den zweiten Platz bei der Kundenzahl verwiesen. Dadurch hatte sich die Zahl der landesweiten Anbieter auf fünf reduziert.

Nextel war bislang der kleinste Anbieter in den USA hinter T-Mobile USA. Nextel betreibt ein Mobilfunknetz, das mit keinem der übrigen Anbieter kompatibel ist. Allerdings verfügt das Unternehmen über einen lukrativen und treuen Kundenstamm.

In den USA ist die Verbreitung von Mobilfunktelefonen noch nicht so weit fortgeschritten wie in Europa oder Asien, so dass noch deutliche Kundenzuwächse zu erwarten sind. Die großen drei der Branche, Cingular, Verizon Wireless und Sprint Nextel, würden zusammen auf rund 75 Prozent Marktanteil kommen.

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