Viva Steht der Sender vor dem Aus?

Der Musiksender Viva steht womöglich vor dem Ende. Der Betriebsrat des Senders wirft dem neuen Besitzer Viacom vor, den Sender auszubluten. Zudem werde das Programm derart beschnitten, dass nur noch wenig Personal notwendig sei.

Köln - Die Spekulationen um die mögliche Schließung des Musiksenders Viva  in Köln verdichten sich zunehmend. "Viva in Köln steht vor dem Aus", sagte der Betriebsratsvorsitzende Thomas Diekmann am Freitag.

Indizien und Bewegungen im Unternehmen deuteten darauf hin, dass Viva geschlossen werde. Von der Entscheidung seien 290 Beschäftigte am Standort Köln betroffen. Der Medienkonzern Viacom  mit dem Viva-Konkurrenzsender MTV hält knapp 98 Prozent an der Viva Media AG. Ein Viacom-Sprecher wollte die Spekulationen nicht kommentieren.

Nach Angaben von Diekmann lasse die Berliner Viacom-Zentrale Viva in Köln "ausbluten". Dies sei an einem neuen Programmschema sichtbar, in dem "Filetstücke" des ursprünglichen Viva-Programms fehlten. Gerade die gestrichenen Formate seien redaktionell betreute Sendungen, an denen ein Großteil der Arbeitsplätze hänge.

"Man hält bei Viacom mit den Plänen hinter dem Berg, um den geplanten Beherrschungsvertrag und das Squeeze-Out der Kleinaktionäre nicht zu gefährden", sagte Diekmann. Ende August hatte Viacom den Großteil der Aktien an Viva übernommen. Derzeit befinden sich laut Diekmann noch zwei Prozent der Aktien im Streubesitz.

Erst die Kontrolle, dann geht es ans Kürzen

Die restlichen Kleinaktionäre sollen laut Viva vom neuen Eigner Viacom eine Zwangsabfindung bekommen. Dazu sei in der zweiten Januarhälfte 2005 eine außerordentliche Hauptversammlung geplant, in der auch über einen Beherrschungsvertrag abgestimmt werden soll. Dieser Vertrag muss nach Angaben einer Viva-Sprecherin anschließend ins Handelsregister eingetragen werden. Danach erst plant Viacom, seine Zukunftspläne offen zu legen.

Diekmann sieht in diesem Prozedere den Grund, warum Viacom nicht öffentlich zu seinen Plänen steht. "Wenn sie gegen die rechtlich vorgeschriebene Vorgehensweise verstoßen, könnten die Minderheitsaktionäre juristisch dagegen vorgehen."

Weniger Beschäftigte nötig

Ein Viacom-Sprecher sagte auf Anfrage, der nächste Schritt sei der angestrebte Beherrschungsvertrag. Erst dann sei Viacom mit MTV überhaupt in der Lage, etwas zu weiteren Plänen zu sagen. "Es wäre für alle Beteiligten sicherlich erfreulicher, wenn man ihnen einen konkreten Plan an die Hand geben könnte. Nur ist das im Augenblick nicht möglich", sagte der Viacom-Sprecher. Die derzeitige rechtliche Situation sei für die Mitarbeiter aber "nicht befriedigend".

Nach Angaben Diekmanns sind derzeit am Standort Köln rund 290 Mitarbeiter in der AG und in der Fernsehproduktion beschäftigt. Die zur AG gehörende Fernsehproduktionsfirma Brainpool mit rund 280 Beschäftigten sei nicht von einem möglichen Wegzug betroffen.

Laut Diekmann sei unklar, ob Beschäftigte aus Köln bei einem möglichen Wechsel des Viva-Standortes nach Berlin mitkommen könnten. Allerdings seien für das eingeleitete neue Programmschema mit Musikclips sowie vorproduzierten US-amerikanischen Serien und wenig redaktionell betreuten Formaten wesentlich weniger Beschäftigte nötig.

Schon seit Wochen wird spekuliert, dass Viva von Köln nach Berlin zieht. Zwischenzeitlich hatte die nordrhein-westfälische Landesregierung im Fall eine Wegzugs des Musik-TV-Senders nach Berlin indirekt mit Lizenzentzug gedroht.