Philips Heimlicher Wiedereinstieg in den PC-Markt

Anfang der 90er verabschiedete sich Philips aus dem PC-Markt. Der Preiskrieg hatte dem Unternehmen stark zugesetzt. Obwohl die Margen immer noch klein sind, wagt Philips dennoch den Wiedereinstieg - mit edel gestylten Entertainment-PCs.

Hamburg - Die PC-Welt hat sich verändert, seit Philips  die Notbremse zog und - geschlagen und gebeutelt - aus dem Computermarkt ausstieg. Zwar ist Geiz noch immer geil, und eine Marke bedeutet nichts auf einem PC-Markt, auf dem die Gewinnmargen beim Handel mit Rechnern noch immer minimal und abhängig vom Handelspreis der Komponenten sind.

Weil deren Preis aber ständig flukturiert, lassen sich PC-Preise eigentlich nur als Wochen- oder Monatspreise kalkulieren - schlecht für einen Markenhersteller, dessen Produktionszyklen und Gewinnkalkulationen einfach anders laufen als beim Schrauber an der Ecke.

Doch es gibt auch neue Nischen, die Markenartiklern Raum für hochpreisigere Produkte bieten. Die viel versprechendsten liegen im Bereich des Home Entertainment - und da ist Philips zu Hause.

Es ist also die Hochzeit von IT-Technik und Unterhaltungselektronik, die den niederländischen Konzern ins PC-Geschäft zurückführt. An die große Glocke hängten das die Holländer nicht: Erst nach mehreren Tagen bemerkten Branche und Presse, dass es plötzlich wieder Philips-PCs gibt in den Auslagen der britischen Dixon-Kette. In Kooperation mit den Engländern testen die Niederländer derzeit das Marktpotenzial ihrer neuen Produktlinie, die auf den schönen Namen "Freeline" getauft wurde.

Ein schicker Mehrzweck-PC

Dahinter verbergen sich kraftvolle Media-PCs nebst drahtloser Anbindung ans Home-Entertainment, eng abgestimmt auf die Philips-Produkte der "Streamium"-Serie. Der haben die Holländer nun offenbar die passenden Medienserver in PC-Form verpasst - als schick designte Mehrzweck-PCs mit deutlicher Betonung auf den medialen Kapazitäten.

So protzt das Topmodell LS2000 mit einem 3,4 Ghz-Prozessor, 1 GB Ram, einer 250 GB-Festplatte, einem DVD-Multibrenner mit 16-facher Geschwindigkeit (Double Layer), mit einer 128 MB ATI Radeon X300SE-Grafikkarte und natürlich TV/FM-Tuner und W-Lan. Das Ganze inklusive TFT-Bildschirm soll dann in Großbritannien knapp 1200 Pfund kosten (1700 Euro), was in Anbetracht des notorisch überteuerten britischen Preisniveaus für Elektronikartikel noch nicht einmal teuer wäre.

Die erste Produktserie umfasst vier PCs und zwei Laptops, dazu diverse kleinere Produkte. Für Philips ist das Ganze offenbar ein Versuchsballon. Man habe keinen Wirbel machen wollen um diesen "sanften Launch" einer Produktreihe, heißt es aus der Firmenzentrale. Schließlich seien die Produkte doch nur "in einer begrenzten Anzahl von Läden in nur sechs europäischen Ländern" zu haben.

Das Know-how im PC-Bereich hat Philips nie verloren. Auch nach dem Ausstieg aus dem Computermarkt blieb Philips ein wichtiger Entwickler und Hersteller von PC-Komponenten, namentlich im Bereich der Monitore und der CD- und DVD-Laufwerke. Hier ist Philips Zulieferer unter anderem für Dell  und Hewlett-Packard .