Preisvergleiche Aufs Ergebnis kommt's an

Mit Slogans wie "Geiz ist geil" locken Händler Kunden in ihr Geschäft und in das Internet. Wer sich aber einen Überblick verschaffen will, wo welche Produkte tatsächlich günstiger angeboten werden, kann mit Hilfe von Preisvergleichen im Internet der Wahrheit näher kommen.

Berlin/Hamburg - Einfacher als im Internet lassen sich Preise nicht vergleichen. Daher verzeichnen Preisdatenbanken regen Zulauf von Nutzern, die wissen wollen, wo sie ein bestimmtes Produkt am günstigsten bekommen können. Zwar haben Webangebote wie Guenstiger.de, Geizhals.at, Evendi.de und Froogle.de stets den Zweck, Tiefstpreise zu finden. Doch der Weg dorthin unterscheidet sich - und damit oft auch das angezeigte Ergebnis.

Schnäppchensucher sollten sich zum Beispiel nicht beeindrucken lassen, wenn der Anbieter mit Millionen von Produkten wirbt, die in seiner Datenbank verzeichnet sind. So können Bücher solche Zahlen schnell in die Höhe treiben, ohne dass beim Vergleich der Preise ein nennenswerter Nutzen für den Anwender entsteht: Buchpreise können vom Händler schließlich nicht frei bestimmt werden, sagt Martin Sinner, Geschäftsführer bei Idealo.de in Berlin. "Eine Ersparnis ist höchstens über geringere Versandkosten machbar."

Bücher spielen für die Preisvergleicher aber ohnehin eine untergeordnete Rolle: "Die meisten Anfragen beziehen sich auf technische Produkte", erklärt Torsten Schnoor, Geschäftsführer von Guenstiger.de. Die Datenbank des in Hamburg ansässigen Unternehmens enthält knapp 20.000 Artikel.

Ein bisschen Marktforschung

Das Angebot finanziert sich hauptsächlich durch Werbung. "Außerdem verdienen wir mit Marktforschung", erläutert Schnoor. Das heißt, es werden Informationen über die Beliebtheit bestimmter Produkte verkauft. Weil der Anwender sich auf der Seite nicht registrieren muss, sei das Ganze anonym. Ähnlich läuft es auch bei anderen Anbietern. Allerdings lassen diese sich teilweise am Umsatz des Händlers beteiligen. "Das ist aber nicht so viel", erklärt Martin Sinner von Idealo.

Mehr als eine Million Produkte befinden sich in der Datenbank von Froogle. Der Google-Ableger startete seinen Dienst in Deutschland erst vor wenigen Tagen. "Bei uns gibt es alles vom Gummistiefel bis zum PC", sagt Pressesprecher Stefan Keuchel bei Google Deutschland in Hamburg. Händler müssen ebenso wie Käufer für das Angebot nichts bezahlen. Nutzer klagen derzeit jedoch noch darüber, dass bei Froogle.de überwiegend Ebay-Händler repräsentiert seien.

Vorsicht vor "faulen Eiern"

Vorsicht vor "faulen Eiern"

Mit einer großen Werbekampagne versucht derzeit Kelkoo, das jüngst von Yahoo  aufgekauft wurde, auf sich aufmerksam zu machen. Das Unternehmen hebt sich durch ein breites Suchspektrum hervor: Die Palette reicht vom Gebrauchtwagen über DVDs und Kinderkleidung hin zu Parfüm. 1200 Shops sind laut Geschäftsführer Jörg Malang bisher bei Kelkoo registriert. Bis zum Ende des Jahres sollen es rund 2000 werden.

Wer bei Guenstiger.de nach einem Produkt sucht, erhält stets nur einen Treffer angezeigt. Das ist beabsichtigt: "Wir nehmen dem Verbraucher den Preisvergleich ab", erklärt Schnoor. Dabei entscheidet jedoch nicht nur der Preis allein über die Einstufung eines Produktes: Ein rund 20-köpfiges Team achtet laut Schnoor außerdem darauf, dass die Ware auch tatsächlich lieferbar ist. Die Seriosität eines Händlers überprüfe Guenstiger.de bereits im Vorfeld.

Laut Martin Sinner werden auch bei Idealo strenge Maßstäbe angelegt: "Von den Online-Händlern, die nur auf Vorkasse liefern, sind 80 Prozent "faule Eier", erklärt er. Zwar würden diese regelmäßig aussortiert. Doch vermeiden ließen sich Probleme mit Händlern, die trotz Bezahlung nicht oder sehr spät liefern, nicht.

Auf Versandkosten achten

Dem Anschein nach funktioniert die Sache mit den Preisvergleichern aber grundsätzlich: "Wir haben noch nicht eine Beschwerde zu diesen Angeboten erhalten", sagt Edda Castello von der Verbraucherzentrale Hamburg. Auch Simone Vintz von der Stiftung Warentest in Berlin hält die Preisdatenbanken für ein sinnvolles Angebot. "Da wird ein breites Spektrum angeboten. Und die Ware ist über das Internet oft günstiger zu bekommen als im Handel."

Die meisten Preisvergleicher ermöglichen es in irgendeiner Form, die Suche einzugrenzen. Mit Hilfe einer Drill-Down-Filter genannten Funktion können die Nutzer bei Kelkoo die Suchergebnisse nach verschiedenen Kriterien einschränken. Dazu gehört zum Beispiel die Preisspanne. "Beim Ranking wird ein Such-Algorithmus verwendet, der neben der eigentlichen Relevanz auch die Popularität des Angebots berücksichtigt", erklärt Jörg Malang. Je mehr Nutzer ein bestimmtes Angebot eines Händlers anklicken, desto höher erscheint es in der Ergebnisliste.

Die bloße Anzahl der Treffer allein sagt jedoch wenig über die Qualität einer Preisdatenbank aus: "Die Ware muss dann natürlich auch lieferbar sein", sagt Simone Vintz. Der Verbraucher sollte sich bei seiner Suche auch nicht von den Versprechungen der Händler täuschen lassen: Auch wenn 24 Stunden Lieferzeit angegeben würden, dauere es in der Regel doch ein paar Tage, bis die Ware beim Kunden ankommt, so Simone Vintz. Auch auf die Versandkosten sollte man achten. Denn die werden nicht bei allen Preisvergleichern berücksichtigt.

Weil sich die Preise bei den Online-Händlern schnell ändern können, sind Funktionen wie der "Preisalarm" von Evendi oder der Preiswecker bei Idealo ein komfortables Werkzeug. Die Preisvergleicher informieren dann Nutzer auf Wunsch per E-Mail, sobald ein bestimmtes Produkt zu einem vorher angegebenen Preis angeboten wird. Aus dem gleichen Grund sind auch Preis-Charts sinnvoll. Sie zeigen die Preisentwicklung eines Produktes an. Wichtig ist aber in jedem Fall, sich bei der Schnäppchensuche nicht auf einen Preisvergleicher allein zu verlassen. "Ich würde mir immer mindestens drei Preisdatenbanken ansehen", rät Simone Vintz.

Sven Appel, dpa