Übernahmeschlacht Peoplesoft vertraut auf "Poison Pill"

Mehr als 60 Prozent der Peoplesoft-Aktionäre wollen ihre Aktien für 24 Dollar pro Stück an Oracle verkaufen. Doch die seit anderthalb Jahren geplante Übernahme ist damit immer noch nicht gelungen. Das Peoplesoft-Management wehrt sich weiter und vertraut auf die Wirkung einer speziellen "Giftpille".

Pleasanton/Redwood Shores - Der Verwaltungsrat des Unternehmenssoftware-Konzerns Peoplesoft  hat die feindliche Oracle- Übernahmeofferte in Höhe von 9,2 Milliarden Dollar (7,1 Milliarden Euro) erneut abgelehnt, obwohl rund 61 Prozent der eigenen Aktionäre ihre Aktien zum Verkauf angeboten haben. Das Aufsichtsgremium bezeichnete das jüngste Oracle-Angebot von 24 Dollar je Aktie am Samstag als "unzureichend".

Damit geht die seit 17 Monaten andauernde erbitterte Schlacht zwischen den beiden Softwareriesen aus Kalifornien am Mittwoch in einem Gerichtssaal in Delaware weiter. Peoplesoft ist die zweitgrößte Unternehmenssoftware-Firma der Welt. Oracle  liegt auf Platz drei. Globaler Branchenführer ist SAP .

Oracle hatte 228,7 Millionen PeopleSoft-Aktien angeboten bekommen. Das Verkaufsangebot ist nicht bindend und bedeutet noch keinen defacto-Verkauf der Aktien an Oracle. "Die Peoplesoft-Aktionäre haben gesprochen und haben sich überwältigend entschieden, ihre Aktien zu 24 Dollar je Anteil zu verkaufen", erklärte Oracle-Chef Larry Ellison. Oracle hatte nach mehreren Preisänderungen 24 Dollar je PeopleSoft-Aktie geboten und dies als "beste und letzte Offerte" deklariert. Oracle hat jetzt sein Angebot bis zum Jahresende verlängert.

Richter Strines Millionen-Dollar-Entscheidung

Oracle verlangte auch die Beseitigung der so genannten "Giftpille" (Poison Pill), also Peoplesoft-Maßnahmen zur enormen Verteuerung einer feindlichen Übernahme. Mit Hilfe der Giftpille kommen Millionen Aktien zusätzlich auf den Markt, falls ein Käufer mehr als 20 Prozent der Peoplesoft-Aktien übernimmt.

Entscheidet sich Richter Leo Strine in Delaware für eine Aufhebung dieser Peoplesoft-Abwehrmaßnahmen, steht einem Aufkauf durch Oracle kaum noch etwas im Weg. Lehnt er dies ab, was viele Rechtsexperten für möglich halten, könnte sich die Schlacht bis zur nächsten Peoplesoft-Hauptversammlung im Frühjahr 2005 hinziehen. Dort könnte Oracle versuchen, den Peoplesoft- Verwaltungsrat mehrheitlich durch eigene Vertreter besetzen zu lassen, die dann einem Kauf zustimmen würden. Es stehen auf der kommenden HV vier von sieben Peoplesoft-Verwaltungsratssitze zur Wahl.

Peoplesoft: Gebot ist immer noch zu niedrig

Peoplesoft: Gebot ist immer noch zu niedrig

Es sei an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen, erklärte Jeff Henley, der Leiter des Oracle-Veraltungsrates. Oracle sei bereit, den Kauf aller ausstehenden Peoplesoft-Aktien zu vollziehen, sobald die restlichen Konditionen erfüllt seien.

"Die Gesellschaft ist erheblich mehr wert als 24 Dollar je Aktie", insistierte der PeopleSoft-Verwaltungsrat hingegen. Man werde die Gesellschaft nicht unter Wert verkaufen. Basierend auf zahlreichen Gesprächen mit den größten Aktionären glaube Peoplesoft, dass die Mehrheit der Aktionäre 24 Dollar je Aktie für unzureichend halte, erklärte A. George "Skip" Battle, der Leiter des zuständigen Ausschusses im PeopleSoft-Verwaltungsrat.

Diese Mehrheit bestehe aus Aktionären, die ihre Aktien nicht offeriert hätten und solchen, die sie zwar angeboten, aber auch erklärt hätten, Peoplesoft sei mehr als 24 Dollar je Aktie wert.

Battle gab sich optimistisch, dass Peoplesoft den eigenen Aktionären den hohen Wert des Unternehmens demonstrieren könne. Offensichtlich will Peoplesoft mit seinen ehrgeizigen Gewinn- und Umsatzzielen die eigenen Aktionäre bis zur HV davon überzeugen, dass sie mit einem PeopleSoft-Alleingang besser bedient sind als mit einem Verkauf an Oracle.

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