E-Commerce Über 100 Milliarden Euro Umsatz

Deutschland ist einer der bedeutendsten E-Commerce-Märkte Europas. Dennoch ist das Wachstumspotenzial weiter groß. Die Zuwachsraten gehen in die Richtung 30 bis 40 Prozent im Jahr. Vom elektronischen Geschäftsverkehr profitieren vor allem Unternehmen.

Berlin - Im elektronischen Geschäftsverkehr liegen in Deutschland nach Einschätzung von Thomas Schildhauer vom Institute of Electronic Business in Berlin riesige Wachstumschancen.

"Wir können feststellen, dass ein deutlicher Zuwachs der Initiativen und der Investitionen stattfindet", sagte Schildhauer in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. "Man muss sehen, dass Deutschland inzwischen der mit Abstand der bedeutendste E-Commerce-Markt in Europa ist."

Die Umsatz-Zuwachsraten in diesem Bereich lägen in Deutschland bei jährlich 30 bis 40 Prozent. Der Umsatz sei von rund 84 Milliarden im Jahr 2002 auf inzwischen deutlich über 100 Milliarden Euro gestiegen. "Das ist wirklich ein gewaltiges Potenzial", sagte der Chef der von der Wirtschaft finanzierten Forschungs- und Weiterbildungseinrichtung.

Deutschland liegt ganz vorne

Der elektronische Geschäftsverkehr habe seinen Neuigkeitswert verloren und sei stark ins Tagesgeschäft integriert. Inzwischen würden in der Wirtschaft alle Geschäftsprozesse intensiv mit dieser Blickrichtigung unter die Lupe genommen, was die Bedeutung des E-Commerce auf ein neues Niveau hebe, sagte Schildhauer.

"Wir sehen, dass die Zuwachsraten in die Richtung von jeweils 30 bis 40 Prozent im Jahr gehen", sagte Schildhauer. Auch über Deutschland hinaus boome der Bereich. Zahlen für Westeuropa belegten, dass sich der Umsatz innerhalb von zwei Jahren mehr als verdoppelt habe. Seien in Westeuropa im elektronischen Geschäftsverkehr 2002 noch knapp 300 Milliarden Euro umgesetzt worden, so lägen Schätzungen für 2004 bei rund 780 Milliarden Euro.

"Deutschland ist da vorne dran, das kann man ganz deutlich sagen", sagte der Experte mit Blick auf große europäische Konkurrenten wie Großbritannien und Frankreich. 97 Prozent des deutschen Mittelstands sei online. "In keinem anderen europäischen Land nutzen die Unternehmen die verschiedenen elektronischen Anwendungen so intensiv wie in Deutschland", das zeigten Studien.

Schwerpunkt im B2B-Bereich

Der weit überwiegende Teil des E-Commerce werde in Deutschland wie weltweit im Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen abgewickelt. "Das Geschäft mit Endkunden macht weltweit nur fünf Prozent aus", sagte Schildhauer. In beiden Bereichen gebe es aber noch viele Wachstumsmöglichkeiten. Die könnten besser ausgeschöpft werden, wenn noch einige Verbesserungen, etwa bei den Rahmenbedingungen, gelängen.

So sollte der Gefahr der Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsgruppen aus der Internetnutzung entschiedener begegnet werden, etwa mit mehr öffentlichen Internet-Zugangsmöglichkeiten und -Lernorten. Auch bei der Sicherheit sei noch einiges nötig, um mehr Vertrauen ins Internet zu schaffen, etwa über die elektronische Signatur.

Um den Mittelstand noch stärker für E-Commerce zu gewinnen, müssten integrierte Lösungen bei Anwendungen vorangetrieben werden, sagte Schildhauer. Gerade für den reinen Geschäftsverkehr komme der Schaffung gemeinsamer Standards für elektronische Geschäftsplattformen eine große Bedeutung zu, "damit sich der Mittelständler nicht an sieben oder acht Marktplätze von Kunden anbinden muss".

Gernot Heller, Reuters

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