Mobilfunk Billighandys nur noch für Vieltelefonierer

Wie teuer ist ein Handy? Bisher waren die aktuellen Geräte zum Teil für einen Euro zu haben. Das soll anders werden. T-Mobile, E-Plus, O2 und Vodafone haben ihre Preisstrukturen verändert. Sonderangebote wird es zwar noch geben, die Geräte werden jedoch insgesamt teurer. Dafür soll das Telefonieren günstiger werden.

Hamburg - Schnäppchenjäger sollten sich noch schnell auf den Weg machen und sich ein neues Handy zulegen. Besonders zur Weihnachtszeit übertreffen sich die Mobilfunkhersteller meist mit Angeboten. Im kommenden Jahr könnte alles teurer werden. So oder ähnlich lautet der Rat in den Medien.

Die Schlagzeilen, die der Mobilfunkmarkt derzeit macht, sind eine Reaktion auf die Tarifänderungen, die die Mobilfunkbetreiber seit (mehr oder weniger) mehreren Monaten eingeführt haben. Realtiv neu ist dabei, dass künftig die Tarife die Preise für neue Handys bestimmen werden.

Seit T-Mobile-Chef René Obermann ankündigte, mit den Subventionen für Handys aufhören zu wollen, ist die Diskussion im vollen Gange. Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke bekräftigte am Donnerstag noch einmal, dass Thema "Subventionitis intensivst" angehen zu wollen. Allerdings werde die Deutsche Telekom  nicht völlig aus der Subvention der Endgeräte aussteigen. "Das geht nicht", betonte er. Doch werde man die Zuschüsse künftig erheblich stärker nach den zu erwartenden Umsätzen der Kunden staffeln.

Blockade im Kopf

Damit ist die Telekom nicht allein. Auch bei den anderen Anbietern hat sich nach und nach die Erkenntnis durchgesetzt, dass es von Vorteil sei, Handypreise an gewählte Tarife zu koppeln. Das heißt: Je nachdem, welchen Tarif man wählt, muss unterschiedlich tief in die Tasche gegriffen werden, um ein neues Handy zu erwerben.

Samsung SGH-E800: Ein Slider-Handy mit VGA-Cam, über 20 MB Speicherplatz. Bei O2 gibt es das Gerät zusammen mit dem Tarif "Active 100 Online" für rund 80 Euro, auch bei E-Plus kostet das gerät zusammen mit dem Tarif "Time & More 100 Web" 80 Euro

Samsung SGH-E800: Ein Slider-Handy mit VGA-Cam, über 20 MB Speicherplatz. Bei O2 gibt es das Gerät zusammen mit dem Tarif "Active 100 Online" für rund 80 Euro, auch bei E-Plus kostet das gerät zusammen mit dem Tarif "Time & More 100 Web" 80 Euro

Motorola E 1000: Klingeltöne im Stereosound, Klappmechanismus, Kamera und Videotelefonie bietet dieses Handy. Das UMTS-Handy offeriert Vodafone derzeit für etwa 180 Euro zusammen mit dem Tarif "Vodafone UMTS-Spezialpaket" an

Motorola E 1000: Klingeltöne im Stereosound, Klappmechanismus, Kamera und Videotelefonie bietet dieses Handy. Das UMTS-Handy offeriert Vodafone derzeit für etwa 180 Euro zusammen mit dem Tarif "Vodafone UMTS-Spezialpaket" an

Siemens S65: Das richtige Gerät für diejenigen, die eine umfangreiche Kontakt- und Terminverwaltung mögen. Bei O2 gibt es das Handy für 50 Euro inklusive eines " Active 100 Online"-Vertrags, bei E-Plus ist das Handy hingegen kostenlos, wenn man einen "Time & More 200 Web"-Vertrag abschließt und T-Mobile bietet das Gerät für etwa 80 Euro zusammen mit dem Tarif "Relax100" an. Bei Vodafone erhält man das Siemens S65V für 80 Euro einschließlich eines "Vodafone100"-Tarifs

Siemens S65: Das richtige Gerät für diejenigen, die eine umfangreiche Kontakt- und Terminverwaltung mögen. Bei O2 gibt es das Handy für 50 Euro inklusive eines " Active 100 Online"-Vertrags, bei E-Plus ist das Handy hingegen kostenlos, wenn man einen "Time & More 200 Web"-Vertrag abschließt und T-Mobile bietet das Gerät für etwa 80 Euro zusammen mit dem Tarif "Relax100" an. Bei Vodafone erhält man das Siemens S65V für 80 Euro einschließlich eines "Vodafone100"-Tarifs

Nokia 6230 Keine Multimediagröße, aber mit einer Kamera, Radio und MP3-Player ist es ein solides GPRS-Gerät. Bei T-Mobile kostet es circa 80 Euro zusammen mit dem Tarif "Relax100", bei O2 ist es für rund 50 Euro inklusive eines "Active 100 Online"-Tarifes zu haben, bei E-Plus kostet es mit einem "Time & More 100 Web"-Tarif rund 130 Euro, Vodafone bietet es für 80 Euro zusammen mit einem "Vodafone100"-Tarif an

Nokia 6230 Keine Multimediagröße, aber mit einer Kamera, Radio und MP3-Player ist es ein solides GPRS-Gerät. Bei T-Mobile kostet es circa 80 Euro zusammen mit dem Tarif "Relax100", bei O2 ist es für rund 50 Euro inklusive eines "Active 100 Online"-Tarifes zu haben, bei E-Plus kostet es mit einem "Time & More 100 Web"-Tarif rund 130 Euro, Vodafone bietet es für 80 Euro zusammen mit einem "Vodafone100"-Tarif an

Sony Ericsson K700i: Mit einem kontrastreichen Display, einem MP3-Player und zehn Tage Stand-by-Betrieb überzeugt das Gerät. Bei O2 ist es für rund 30 Euro plus einem "Active 100 Online"-Tarif zu haben, bei E-Plus kostet das Gerät ebenfalls 30 Euro in Zusammenhang mit einem "Time & More 100 Web"-Tarif

Sony Ericsson K700i: Mit einem kontrastreichen Display, einem MP3-Player und zehn Tage Stand-by-Betrieb überzeugt das Gerät. Bei O2 ist es für rund 30 Euro plus einem "Active 100 Online"-Tarif zu haben, bei E-Plus kostet das Gerät ebenfalls 30 Euro in Zusammenhang mit einem "Time & More 100 Web"-Tarif

T-Mobile SDA: Das Gerät wird von der Smartphone-Software von Microsoft gesteuert, mobiles Surfen ist kein Problem, auch bietet es eine große Kontakt- und Terminverwaltung. Bei T-Mobile ist das Gerät für 80 Euro plus eines "Relax100"-Tarifes zu haben

T-Mobile SDA: Das Gerät wird von der Smartphone-Software von Microsoft gesteuert, mobiles Surfen ist kein Problem, auch bietet es eine große Kontakt- und Terminverwaltung. Bei T-Mobile ist das Gerät für 80 Euro plus eines "Relax100"-Tarifes zu haben


Handypreise im Vergleich
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Ziel der Anbieter ist es, die Verbindungspreise zu senken und damit die Nutzung zu erhöhen. "Wir müssen die 'Blockade im Kopf' beseitigen, dass Handytelefonieren teuer ist", sagt T-Mobile-Sprecherin Marion Kessing im Gespräch mit manager-magazin.de. Mit anderen Worten: T-Mobile geht es darum, die Nutzung des mobilen Telefons zu steigern. Von einem Abbau der Subventionen kann deshalb auch keine Rede sein, nur die Richtung soll sich ändern.

Keine Kürzung der Subventionen

Keine Kürzung der Subventionen

Was die Telekom proklamiert, ist dem Markt indes nicht fremd. Der kleine T-Mobile-Konkurrent E-Plus führte die Kopplung der Preise als erster Anbieter hierzulande ein. Inzwischen sind ihm O2, T-Mobile und seit November auch Vodafone  gefolgt. Jens Kürten, Pressesprecher von Vodafone, kann das Gerede vom Subventionsabbau dabei auch nicht verstehen. Das Volumen der Subventionen werde nicht gekürzt. "Wir subventionieren künftig einfach differenzierter", so Kürten.

Die Mobilfunkanbieter ändern also nur ihren Ansatz. "Das Ansinnen, die Subventionen für Geräte herunterzuschrauben, ist gut", sagt Stefan Zuber, Pressesprecher von O2. Das sei eine Fehlentwicklung des hiesigen Marktes gewesen und habe letztendlich dazugeführt, dass die Tarife pro Minute in Deutschland im Vergleich zum Ausland höher sind.

E-Plus mit mehr Neukunden als T-Mobile

Auch E-Plus-Sprecherin Catrin Glücksmann befürwortet gegenüber manager-magazin.de den Abbau der Handysubventionen. In Italien und Belgien gebe es beispielsweise keine Gerätesubventionen und dennoch seien es erfolgreiche Mobilfunkmärkte. "Wir wollen weg von der Subventionierung nach dem Gießkannen-Prinzip", so Glücksmann. Stattdessen müsste mehr auf die einzelnen Bedürfnisse der Kunden eingegangen werden. Mit der Kopplung von Handypreisen an Minutenpakete habe das Unternehmen in den vergangenen Monaten gute Erfahrungen gemacht. So habe E-Plus beispielsweise im dritten Quartal mit 350.000 Neukunden mehr Kunden gewonnen als Marktführer T-Mobile. 69 Prozent der Neukunden seien Vertragskunden.

T-Mobile-Sprecherin Kessing weist darauf hin, dass es dem Unternehmen nicht mehr darum ginge, möglichst viele Neukunden zu gewinnen. "Der Markt ist gesättigt", so Kessing. "Unsere Bemühungen drehen sich nun darum, wertvolle Bestandskunden zu halten und sie zu animieren, mehr zu telefonieren." So setzten Kunden des "Relax"-Pakettarifes im Monat auch zwischen drei bis fünf Euro mehr um als der Durchschnittskunde. Der Umsatz pro Kunde liegt bei T-Mobile im dritten Quartal bei 24 Euro im Monat.

Sonderangebote wird es auch künftig geben

Sonderangebote wird es auch künftig geben

Befürchtungen, dass künftig nun keine Ein-Euro-Handys mehr angeboten werden, lassen sich jedoch zerstreuen. Vodafone bietet beispielsweise derzeit UMTS-Handys für einen Euro an. Doch auch bei den anderen Anbietern lassen sich derartige Billigangebote finden - wenn auch nicht für UMTS-Geräte. Mit der Offensive für diese Geräte steht Vodafone derzeit alleine da. Weder bei E-Plus, O2 noch bei T-Mobile ist derzeit geplant, die Geräte ähnlich billig anzubieten. Auf Sonderangebote will jedoch auch künftig niemand verzichten - nur dürften diese nicht mehr die aktuellen Modelle betreffen.

Für den Verbraucher heißt der Strategieschwenk der Mobilfunkanbieter, dass er sich künftig entscheiden muss, ob er entweder mehr Geld für das Handys ausgeben oder mehr für das Telefonieren zahlen will. Das Prinzip: Je teurer das Minutenpaket ist, desto niedriger wird der Handypreis.

Nicht vertelefonierte "Freiminuten" verfallen

Dabei können die Handynutzer verschiedene Minutenpakete erstehen. Bei O2 heißen diese Tarife beispielsweise "O2 Active", bei E-Plus "Time & More". Kunden zahlen zum Beispiel monatlich 25 Euro, dafür können sie 100 Minuten im Monat frei telefonieren. So sichern sich die Mobilfunkanbieter einen festen monatlichen Festpreis, der sich bei Überschreitung der "Freiminuten" erhöht. Minuten, die nicht vertelefoniert wurden, verfallen dagegen.

Die Zeitschrift "Connect" ermittelte derweil, dass bei dem neuen Vodafone-Standardtarif mit 100 Freiminuten, ein Neukunde mit einem Volumenpaket 50 künftig 20 Euro mehr für sein Handy zahlt, Vieltelefonierer mit einem Paket 200 oder 500 zahlen dagegen 40 Euro weniger für das gleiche Gerät. Ähnlich sehe das Verfahren beim Konkurrenten T-Mobile aus. Das Nachsehen haben, so das Blatt, dabei Kunden mit einem Vertrag mit einer Grundgebühr oder einem Mindestumsatz. So zahlten "Telly"-Kunden (T-Mobile) für das gleiche Handy bis zu 100 Euro mehr als "Relax"-Kunden. Bei Vodafone müssten Sun-Kunden teilweise bis zu 90 Euro mehr zahlen.

"Mit günstigeren Verbindungspreisen kann die Anfangsinvestition ins Gerät wieder wettgemacht werden", meint T-Mobile-Sprecherin Kessing. Ob jedoch die Kunden ihr quasi "gelerntes Recht", Handys billig zu erhalten, ohne weiteres ablegen werden, muss sich erst noch zeigen.

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