Software Manipulierte Ärzte-Programme

Ärzte sollen das jeweils preisgünstigste Medikament verschreiben, um Patienten und Kassen zu schonen. Dabei verlassen sie sich auf Computerprogramme, die ihnen die jeweils billigste Lösung vorschlagen. Die Ärztekammer wirft der Pharmaindustrie nun vor, solche Software zu manipulieren.

Berlin - Die Bundesärztekammer beklagt, dass Mediziner von Pharmafirmen manipuliert werden. Nach Angaben des Vorsitzenden der Arzneimittelkommission, Bruno Müller-Oerlinghausen, arbeiten viele Computerprogramme, die in Arztpraxen für das Ausstellen von Rezepten verwendet werden, nicht neutral.

Die Software werde von Pharmafirmen gesponsert und zum Teil kostenlos an Ärzte vergeben. "Der Arzt muss es nicht bezahlen. Und unsere Kollegenschaft ist nur zu gern bereit, etwas zu nehmen, was nichts kostet», sagte Müller-Oerlinghausen dem "NDR".

Nach seiner Darstellung sind die Computerprogramme so aufgebaut, dass sie den Arzt zum Verschreiben bestimmter Medikamente verleiten sollen. "Das ist mehr als Werbung. Das ist gezielte Manipulation." Beispielsweise die Software "Medistar" gebe dem Bericht des "NDR" zufolge vor, das billigste Produkt auszuwählen, bevorzuge jedoch auffallend oft Medikamente der Hersteller Stada und Hexal. Billigere Generika, das sind Medikamente, deren Patentlizenzen bereits abgelaufen sind, würden dagegen weniger häufig von dem Programm empfohlen.

Ähnlich verhielte es sich bei der Software "Docexpert", an dessen Erstellung Ratiopharm beteiligt sei. Der Pharmahersteller habe im Gesamtmarkt einen Anteil von knapp zwanzig Prozent, rechnete der Branchenkenner Peter Jungblut-Wischmann dem "NDR" vor. Nehme man sich den Teil der Ärzte heraus, der "Docexpert" einsetzt, stelle man fest: "In dieser Teilgruppe hat Ratiopharm fast quasi den doppelten Marktanteil."

Die Pharmaunternehmen Stada und Ratiopharm wiesen die Vorwürfe zurück. Ein Stada-Sprecher sagte dem Sender, es handele sich um hundertprozentig legale Werbung. Der Arzt habe stets die freie Wahl, welches Medikament er verschreiben wolle. Ihm seien außerdem keine Fälle bekannt, in denen Software an Ärzte verschenkt worden sei.

Vor einem halben Jahre bereits hatte die ZDF-Sendung "Wiso" über die Softwaremanipulationen berichtet. Offenbar hat sich seither noch nicht viel geändert.

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