SAP "Kein allzu enges Korsett"

Bei SAP-Chef Henning Kagermann stehen Wachstum und Investitionen im Vordergrund. SAP wolle sich kein Korsett anlegen, um das Geschäft allein der operativen Profitabilität unterzuordnen. Voran getrieben werden soll vor allem die Plattform Netweaver.

Frankfurt - SAP-Chef Henning Kagermann will im kommenden Jahr bei Europas größtem Softwarekonzern den Fokus stärker auf Investitionen und Umsatzwachstum als auf steigende Margen ausrichten. Der Konzern wolle sich "kein allzu enges Korsett" anlegen und alles der Steigerung der operativen Profitabilität unterordnen, sagte Kagermann der "Börsen-Zeitung".

Dagegen sei es entscheiden, früh am Markt zu sein. Dafür werde er auch Kompromisse bei der Steigerung der Profitabilität in Kauf nehmen. Normalerweise sei auch 2005 mit einem weiteren Ausbau der operativen Marge zu rechnen, jedoch könne sie gegebenenfalls auch stagnieren, erklärte Kagermann. Mittelfristig hält SAP aber an einer operativen Marge von 30 Prozent fest. In diesem Jahr soll die Marge um einen Prozentpunkt auf 28 Prozent klettern.

Kurzfristig soll verstärkt in die Fertigstellung der Netweaver-Integrationsplattform investiert werden, auf der ab 2005 alle SAP-Softwarelösungen laufen sollen. "Ob wir das mit der derzeitigen Mannschaft stemmen können oder doch noch deutlich mehr Leute einstellen müssen", könne er noch nicht sagen. Mit 2500 Neueinstellungen im Jahr 2004 sei noch nicht das letzte Wort gesprochen. Doch hingen Neueinstellungen auch von den Enwicklungen bei den Wettbewerbern ab.

Der "dicke Brocken" kommt erst noch

Es gehe darum, dass sich das Walldorfer Unternehmen nicht nur als Software Company, sondern auch als Player im Bereich Webservices positioniere, erklärte der SAP-Vorstandschef. Er verwies auf eine aktuelle Gartner-Studie, wonach SAP auf diesem Gebiet hinter Microsoft und IBM bereits an dritter Stelle rangiert.

Bisher erhebt SAP Lizenzgebühren nach Nutzern, künftig sollen auch auf Netweaver beruhende Automatisierungsprozesse oder die Nutzung der Plattform für die Entwicklung anderer Applikationen tarifiert werden, schreibt die Zeitung. Daraus ergeben sich laut Kagermann erhebliche Wachstumschancen.

Ab 2005 sollen Netweaver-Verkäufe als Einzellösung (ohne Softwareapplikationen von SAP) im Umsatz gesondert ausgewiesen werden. Allerdings werde dies wahrscheinlich noch nicht "der dicke Brocken" sein. Mittelbar erwartet der SAP-Manager jedoch weitere bedeutende Umsatzströme durch die Verbreitung von Netweaver. Zunächst Netweaver solle vor allem bei den bereits bestehenden Kunden etabliert werden.

Bezüglich möglicher Firmenkäufe unterstrich der SAP-Chef seine Strategie der kleinen Zukäufe. Er sehe derzeit keine so bedeutenden Lücken im Portfolio. Dennoch wolle er größere Akquisitionen nicht mehr vollkommen ausschließen, weil die Konsolidierung der Branche (Oracle/PeopleSoft) "im nächsten Jahr eine ganz neue Situation entstehen lassen kann".

Alternativ werde im Vorstand dem Bericht zufolge auch ein möglicher Aktienrückkauf erwogen. Dies sei immer auch ein Signal, dass der Vorstand ein Investment in das eigene Unternehmen für die erste Wahl halte, sagte Kagermann.

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