Telekom Aus Vier mach Drei

Die Telekom baut zum IT-Dienstleister um. Aus den klassischen vier T-Säulen T-Com, T-Mobile, T-Online und T-Systems werden drei Geschäftsbereiche geschaffen: Mobilfunk, Breitband und Geschäftskunden. Damit tritt der Bonner Konzern in Konkurrenz mit Dienstleistern wie IBM und Hewlett-Packard.

Cannes - Die Deutsche Telekom  tritt durch ihren laufenden Konzernumbau zunehmend in Konkurrenz zu angestammten Anbietern von IT-Dienstleistungen wie IBM  und Hewlett-Packard (HP) . Der Bonner Konzern will zum Jahresende seine Vier-Säulen-Struktur auflösen und sich auf die Geschäftsfelder Mobilfunk, Breitband und Geschäftskunden fokussieren.

"Das sind die drei Wachstumsfelder für die Branche und damit auch für die Deutsche Telekom", sagte Vorstandschef Kai-Uwe Ricke auf einer Veranstaltung des Marktforschungsinstituts Gartner  in Cannes.

Mit der von Experten seit langem geforderten Umstrukturierung will Ricke den Überschneidungen im Konzern ein Ende setzen und den Umsatzrückgang im traditionellen Festnetzgeschäft ausgleichen. Als Teil des Umbaus wird die Telekom ihre Internet-Tochter T-Online von der Börse nehmen und in dem Geschäftsbereich T-Com verschmelzen. Das Geschäft mit Festkunden, das zum Großteil bislang bei der Festnetzsparte T-Com angesiedelt war, wird T-Systems übernehmen. Mit der neuen Struktur orientiere sich die Telekom an den Bedürfnissen der Kunden und nicht mehr an der Technik. "Das wird das 'T' ändern", sagte Ricke.

Neuorganisation der wichtigen Geschäftskundensparte

Die Telekom sei nicht mehr nur ein Anbieter von Telekommunikationsleistungen , sondern auch von IT-Diensten. "Wir sind ein ITC-Anbieter." Die Kunden wollten IT- und Telekomdienste aus einer Hand, sagte der Vorstandsvorsitzende. Der Geschäftsbereich T-Systems bietet mit der neuen Struktur den rund 160.000 Geschäftskunden IT- und Telekomleistungen an.

Mit der Neuausrichtung folgt die Telekom dem allgemeinen Branchentrend. So beschreiten etwa France Telecom  und die britische BT Group  den gleichen Weg, wobei BT nicht als Komplettanbieter auftritt, sondern einzelne Dienste an Subvertragsnehmer weiter reicht. "BT hat die IT-Sparte in die Mitte der Konzernstruktur gestellt", sagte BT-Chef Ben Verwaayen in Cannes. Die deutlichen Umsatzrückgänge im Festnetzgeschäft konnte das Unternehmen zum Teil durch Erlöse im Geschäftsbereich "New Wave" (IT-Dienste, Breitband) kompensieren.

Gute Chancen auf dem IT-Dienstleistungsmarkt

Gute Chancen auf dem IT-Dienstleistungsmarkt

Analysten begrüßten die Neuausrichtung der Telekomkonzerne. Dadurch könnten die Umsatzrückgänge im Festnetzgeschäft ausgeglichen werden, sagte Gartner-Analyst Jean-Claude Delcroix. Mit ihren bislang gesammelten Erfahrungen könnten die Unternehmen in Konkurrenz zu den angestammten IT-Dienstleitern treten. Marktforschern zufolge wird die Branche in den kommenden Jahren in Europa einen Boom erleben, da immer mehr Konzerne IT-Aktivitäten auslagern.

"80 Prozent der Verträge, die zwischen 2001 und 2004 geschlossen wurden, werden in den kommenden drei Jahren neu verhandelt", sagte Gartner-Expertin Nicole France. Die Analystin äußerte aber auch Zweifel an den Plänen. Man müsse sehen, wie die Bündelung von Telekom- und IT-Dienstleistungen von den Kunden aufgenommen werde.

Keine Trennung von T-Mobile

Anders als bei BT ist bei der Deutschen Telekom das Mobilfunkgeschäft der Hauptumsatztreiber. "Wenn ich manchmal morgens aufwache, dann fühle ich mich vom Glück verwöhnt, dass wir alle unsere Sparten behalten haben", sagte Ricke. Zwischenzeitlich hatten die Bonner einen Börsengang für T-Mobile erwogen, dies aber wegen des schwachen Börsenumfeldes wieder verworfen. Laut Ricke steht keine Trennung von T-Mobile mehr an.

Dank der Erlöse der Mobilfunksparte verbuchten die Bonner in den vergangenen Quartalen deutliche Zuwächse. Die monatlichen Umsätze je Kunde (Average Revenue per Unit; Arpu) des deutschen Marktführers gingen allerdings zurück. Ricke zeigte sich aber überzeugt, dass ungeachtet sinkender Mobilfunkpreise der Umsatz je Kunde wachsen wird. "Die Preise werden fallen. Das heißt aber nicht, dass der Arpu auch fallen wird", sagte Ricke. Der Arpu werde sicher wachsen, da die Kunden von Festnetz-Telefonie auf Mobilfunk umsteigen würden.

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