Tui Briten wollen keine Pauschalreisen mehr

Offenbar wollen britische Urlauber keine All-Inclusiv-Reisen mehr. Touristikkonzern Tui reagiert darauf und vergrößert nun seine Billigflugsparte Thomsonfly.com. Erst im September hatte Tui UK massiv Stellen bei seinen Reiseunternehmen abgebaut.

Hannover/Coventry - Der größte europäische Touristikkonzern Tui  will seine britische Billigflugtochter Thomsonfly.com vergrößern. Das sei das Resultat aus dem veränderten Reiseverhalten der Kunden, wie die britische Zeitung "Financial Times" berichtet.

Dem Blatt zufolge werde die individuelle Reiseplanung immer mehr den üblichen All-Inclusive-Paketen vorgezogen. Pauschalanbieter hätten gerade an die Billigfluganbieter wie Ryanair  oder Easyjet große Marktanteile verloren. Auch Online-Reisebüros machten den herkömmlichen Reiseunternehmen schwer zu schaffen.

Als Antwort auf diese Entwicklung hatte der deutsche Mutterkonzern zwei Lowcost-Airlines eingerichtet: Hapag-Lloyd mit den Standorten Köln/Bonn, Hannover und Stuttgart und Thomsonfly.com mit der Basis im britischen Coventry. Letztere soll nun im kommenden Frühjahr um zwei weitere Standorte, Bournemouth und Doncaster Sheffield, erweitert werden.

Tui's Engagement in Großbritannien umfasst des Weiteren die Reisebürokette Lunn Poly, den Reiseveranstalter Thomson sowie die Fluggesellschaft Britannia. Lunn Poly und Thomson sind von der Ende September angekündigten Entlassungswelle am stärksten betroffen. Tui hatte vergangenen Monat den Abbau von 800 der 10.000 Stellen im Unternehmen bis Ende des Jahres bekannt gegeben. Auch hier der Grund: Stärker als in Deutschland gehe in Großbritannien die Buchung über Reisebüros zu Gunsten von Direktbuchungen zurück.

In Großbritannien machte Tui UK 2003 mit gut 3,4 Milliarden Euro knapp 80 Prozent des Umsatzes des Tui-Bereichs Europa Nord. Bereits im vergangenen Jahr hatten sich dort Probleme durch einen wachsenden Trend zum späten, kurzfristigen Buchen und zu möglichst günstigen Preisen abgezeichnet.