Open Source Linux im Kommen

Das Interesse an Alternativen zu Microsoft-Programmen wächst. Paris will auf Linux wechseln, München ist bereits dabei, im Bundestag wurde die Umstellung jedoch unterbrochen. Dennoch auf der Linux World haben die zahlreichen Experten der Open-Source-Bewegung Gelegenheit, ihre Neuentwicklungen zu präsentieren.

Frankfurt/Main - "Wir stellen ein wachsendes Interesse an Linux fest", sagte Tom Schwaller, Linux-Experte bei IBM , im Gespäch mit manager-magazin.de. Dabei ginge es den Unternehmen nicht nur um Server, sondern zunehmend auch um Desktops. "Maßgeschneiderte Computer mit Linux sind kein Problem", so Schwaller und deutet auf das mitgebrachte Linux-Laptop. Die Oberfläche erinnert fast an die gewohnte Windows-Schau. Erstmals habe IBM in diesem Jahr ein Budget für Linux-Desktops bereitgestellt, sagt der Software-Spezialist.

Nachdem Microsoft  den PC-Markt weltweit dominiert, wächst das Interesse an einer Alternative. In Asien beschlossen mehrere Länder, Linux zu unterstützen anstatt auf Microsoft-Software zu bauen. Auf großes Interesse stößt die Open-Source-Welt auch in Schwellenländern, ebenso erringt Linux auch in den Industrieländern immer mehr Aufmerksamkeit.

Vorreiter sind dabei besonders die Verwaltungen und Behörden. Gerade hat sich die Pariser Stadtverwaltung entschlossen, ihre 14.000 Computer auf Linux umzurüsten. In Deutschland gehört die Entscheidung der Münchener Stadtverwaltung, auf Open Source zu wechseln, zu den Prestigeobjekten. Ebenso entschieden sich die Stadt Schwäbisch Hall und der Deutsche Bundestag. Letzterer berichtet jedoch gerade von Schwierigkeiten. Aufgrund von technischen Problemen sei die Umstellung gestoppt worden, hieß es am Mittwoch.

Linux-Unstellung im Bundestag unterbrochen

Nachdem am Wochenende die letzte Phase der Umstellung abgeschlossen worden war, gab es am Montag an den rund 5000 Rechnern der Bundestagsabgeordneten und der Verwaltung erhebliche Schwierigkeiten beim Zugriff auf E-Mails und das Internet. An jedem dritten Rechner sei ein Arbeiten im Web für etwa zwei Stunden überhaupt nicht möglich gewesen. Nun wurden die Rechner wieder auf ihr altes Betriebssystem Windows umgestellt. Linux soll erst nach einer "Fehleranalyse" wieder eingesetzt werden.

Keine gute Werbung für Linux, zumindest Anfangsprobleme scheinen dazuzugehören. Das Interesse wächst auf jeden Fall ungebrochen - und auf den beiden Messen Systems in München und Linux World in Frankfurt sind etliche Neuerungen und Produktvorstellungen zu erwarten.

Die Linux World findet in diesem Jahr zum fünften Mal statt. Und wieder ist die Ausstellerzahl gestiegen, heißt es. 15.000 Fachbesucher werden insgesamt erwartet. Neu bei ist in diesem Jahr das Forum Open Source im Gesundheitswesen, dass angesichts der aktuellen Diskussionen rund um das Gesundheitswesen, sei es zu den Kosten oder zur digitalen Patientenakte, auf Interesse stoßen dürfte, hoffen die Veranstalter. Auf einem Gemeinschaftstand sollen Programme und Lösungen mit freier Software für Krankenhäuser und Arztpraxen vorgestellt werden. Dazu gibt es Vorträge über den IT-Umbau in Kliniken und Praxen.

Neues Linux-Handy aus China

Neben den bekannten Herstellern im Bereich Linux und Open Source wie IBM, Hewlett-Packard , Sun Microsystems , Veritas Software , Novell , Red Hat  treten auch SAP  und Siemens  auf. Aber auch Microsoft wird erstmals ebenfalls mit einem Stand und Vorträgen auf der Messe vertreten sein. Der Konzern hatte das schon auf dem Linux-Tag in Karlsruhe getestet.

Ein Smartphone auf Linuxbasis

Insgesamt werden rund 150 Aussteller in Frankfurt erwartet. Dabei haben auch rund 30 internationale Open-Source-Projekte wie Debian, Open Office, Gentoo, Samba, KDE und Gnome ihre Teilnahme zugesagt. Auf der Linux World soll auch Gnome Deutschland als Verein ins Leben gerufen werden.

Zu den technischen Neuigkeiten gehören unter ein Smartphones mit Linux als Betriebssystem von der chinesischen Firma E28. Der inzwischen zu Novell gehörende Linux-Spezialist Suse präsentiert das neue Suse Linux 9.2 Professional, das Anfang November in den Handel kommt, und den Suse Linux Enterprise Server 9. Novell zeigt die Betaversionen des neuen Novell Linux Desktop für den Unternehmenseinsatz und eine frühe Betaversion des kürzlich angekündigten Open Enterprise Servers.

Bei Red Hat wird es unter anderem den Aufbau einer Speicher-Infrastruktur mit Open Source-Technologien zu sehen geben sowie einen Blick auf Red Hat Enterprise Linux 4, die mit neuen Sicherheitsfunktionen ausgestattete Unternehmensplattform von Red Hat, die Anfang 2005 fertig sein soll. Dazu gehört auch der Red Hat Desktop.

Auf einem Gemeinschaftsstand mit Sun Microsystems  wird die auf Anti-Viren-Programme spezialisierte Firma H+BEDV Datentechnik die neueste Antivir-Generation vorstellen. H+BEDV bietet für Sun Sparc Solaris Version 9 weltweit den ersten Virenwächter an.