Blackberrys Angriff der Brombeeren

In den USA sind sie längst der Renner, in Deutschland gelten Blackberrys noch als Luxusobjekt innovationsfreudiger Manager. Die Technologieausstellung Systems 2004 in München präsentiert unter anderem neue Blackberry-Trends. manager-magazin.de zeigt vorab, wie die Technik auf den Massenmarkt drängt.

Hamburg - KarstadtQuelle-Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff wird nachgesagt, er tippe permanent auf seinem Blackberry-Handheld herum. Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann verkündet in der Presse, für ihn sei das Gerät "die aufregendste Erfindung der vergangenen Jahre". Während sich in den Vorstandsetagen immer mehr Nutzer für die Mischung aus Handy und PC begeistern, warnen Psychologen in den USA bereits vor dem Suchtpotenzial des Geräts - und bezeichnen es in Anlehnung an das Rauschgift als "Crackberry".

Was macht den Reiz des Blackberrys aus? Neben den üblichen Organizer-Funktionen wie Adress- oder Terminverwaltung bietet er die Möglichkeiten, unterwegs im Internet zu surfen, zu telefonieren und SMS zu verschicken. Doch der eigentliche Clou ist die so genannte Push-Funktion. Der Nutzer kann jederzeit E-Mails abrufen, ohne sich ins Internet einwählen zu müssen. Das funktioniert folgendermaßen: An den jeweiligen Firmenserver wird ein so genannter Blackberry Enterprise Server angeschlossen. Eine spezielle Software sorgt dafür, dass eingehende E-Mails ständig an den Blackberry weiter geleitet werden. Zudem kann das System Termine mit dem Firmenserver abgleichen - und eventuelle Änderungen sofort weitergeben.

Für Handyfreunde: Der Blackberry 7100v gleicht eher einem Mobiltelefon als seinen Vorgängermodellen. Neben der E-Mail-Push-Funktion bietet er unter anderem Bluetooth-Übertragungstechnik und polyphone Klingeltöne.

Für Handyfreunde: Der Blackberry 7100v gleicht eher einem Mobiltelefon als seinen Vorgängermodellen. Neben der E-Mail-Push-Funktion bietet er unter anderem Bluetooth-Übertragungstechnik und polyphone Klingeltöne.

Neues Modell der "Brombeere": Von November an ist der neue Blackberry 7290 in Deutschland erhältlich. Das Gerät verfügt über ein Quadband-fähiges Telefon, funktioniert also innerhalb von vier Netzstandards. Das erleichtert insbesondere Telefonieren im Ausland.

Neues Modell der "Brombeere": Von November an ist der neue Blackberry 7290 in Deutschland erhältlich. Das Gerät verfügt über ein Quadband-fähiges Telefon, funktioniert also innerhalb von vier Netzstandards. Das erleichtert insbesondere Telefonieren im Ausland.

BU:E-Mail-Maschine ohne Blackberry-Technik Der Danger Hiptop ähnelt auf den ersten Blick eher einem Gameboy als einem Handcomputer. Doch er bietet einen mobilen E-Mail-Client mit Push-Funktion und einen integrierten AOL Instant Messanger, um unterwegs zu chatten. Den Vertrieb in Deutschland nimmt E-Plus vor.

BU:E-Mail-Maschine ohne Blackberry-Technik Der Danger Hiptop ähnelt auf den ersten Blick eher einem Gameboy als einem Handcomputer. Doch er bietet einen mobilen E-Mail-Client mit Push-Funktion und einen integrierten AOL Instant Messanger, um unterwegs zu chatten. Den Vertrieb in Deutschland nimmt E-Plus vor.

Schlanker Handy-Klon: Der Blackberry 7100t erinnert, wie auch das Modell 7100v, stark an ein Smartphone. Bislang ist das Gerät nur für den US-Markt vorgesehen. Für den Vertrieb zeigt sich dort die US-Tochter der deutschen T-Mobile verantwortlich - gibt es das Modell 7100t also auch bald in Deutschland?

Schlanker Handy-Klon: Der Blackberry 7100t erinnert, wie auch das Modell 7100v, stark an ein Smartphone. Bislang ist das Gerät nur für den US-Markt vorgesehen. Für den Vertrieb zeigt sich dort die US-Tochter der deutschen T-Mobile verantwortlich - gibt es das Modell 7100t also auch bald in Deutschland?


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Weltweit rund 1,7 Millionen Konsumenten nutzen bereits Blackberrys. Innerhalb der ersten fünf Jahre ist die Nutzerzahl auf eine Million gestiegen. "Für die zweite Million werden wir nur zehn Monate brauchen", sagt Mike Lazaridis, Chef des kanadischen Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM) . Das Unternehmen hat eine Marktnische entdeckt, die ihm jetzt gewaltige Zuwächse beschert. Für das laufende Geschäftsjahr prognostiziert RIM einen Umsatz von 1,45 Milliarden Dollar, im vergangenen Jahr waren es noch 595 Millionen Dollar.

Blackberrys für das Volk

Blackberrys für das Volk

Blackberry heißt übersetzt Brombeere. Ein Kriterium, das angeblich zur Namensgebung führte: Wenn der Buchstabe "B" besonders oft im Markennamen vorkommt, assoziiert der Kunde dies mit Entspannung - so die Expertenmeinung. Doch plausibler klingt, dass die runde Ur-Version mit ihren eng angeordneten Mini-Tasten an die schwarze Frucht erinnerte. Bis heute ist die Blackberry-Klaviatur für Manager mit etwas kräftigeren Händen eine Herausforderung.

Andererseits verfügen Blackberry-Handhelds über eine QWERTZ-Tastatur, die der User mit zwei Fingern bedienen kann. Nicht nur beim Tipp-Komfort, sondern auch in der Kategorie Displaygröße ist der Taschencomputer dem Handy deutlich überlegen. Beim Telefonieren hingegen ist das Handy praktischer - der breite Blackberry wirkt dabei eher unhandlich. Doch die Brombeere soll künftig auch Privatnutzern schmecken. Nutzer können sich via Push-Funktion und mit Hilfe spezieller Software auch E-Mails von Anbietern wie Web.de , AOL oder GMX auf das Endgerät weiter leiten lassen. Gleichzeitig bastelt die Mobilfunkindustrie eifrig an Lösungen, um Blackberry-Dienste attraktiver für den Massenmarkt zu machen.

Neues Modell ist "mehr Handy als bisher"

Aus dem PDA soll eine E-Mail-Maschine werden: Ende des Jahres will T-Mobile seinen Taschencomputers MDA III auch mit Blackberry-Funktion verkaufen, sodass User unterwegs per Push-Dienst E-Mails empfangen können. Das Gerät besitzt in seiner derzeitigen Version zudem eine Digitalkamera und ermöglicht Internetsurfen via W-Lan.

Aus dem PDA soll eine E-Mail-Maschine werden: Ende des Jahres will T-Mobile seinen Taschencomputers MDA III auch mit Blackberry-Funktion verkaufen, sodass User unterwegs per Push-Dienst E-Mails empfangen können. Das Gerät besitzt in seiner derzeitigen Version zudem eine Digitalkamera und ermöglicht Internetsurfen via W-Lan.

Das Smartphone mit dem Drehkreuz: Zwar hat es keine Digitalkamera, dafür ist das Siemens SK65 mit Blackberry-Funktionen wie E-Mail-Push-Dienst oder Adressenverwaltung ausgestattet. Im November soll das Smartphone auf den Markt kommen

Das Smartphone mit dem Drehkreuz: Zwar hat es keine Digitalkamera, dafür ist das Siemens SK65 mit Blackberry-Funktionen wie E-Mail-Push-Dienst oder Adressenverwaltung ausgestattet. Im November soll das Smartphone auf den Markt kommen

Foto: obs/Siemens mobile
BU: Mobiltelefon Blackberry 6230

BU: Mobiltelefon Blackberry 6230

BU:MDA Compact T-Mobile

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Die aus ihrer Sicht ideale Kreuzung zwischen Handy-Bedienkomfort und PC-Funktionen hat RIM mit dem neuen Modell 7100v geschaffen, das Vodafone  seit einigen Wochen exklusiv vertreibt. Es ist handlicher als seine Vorgänger und erinnert an ein etwas zu breit geratenes Mobiltelefon. Der Blackberry 7100v sei "mehr Handy als die bisherigen Geräte", erklärt Vodafone-Sprecher Heiko Witzke. Im Gegensatz zum klassischen Blackberry, bei dem Anrufe über ein Rädchen am Rand gesteuert werden, verfügt der 7100v über eine "Annehmen"- und eine "Auflegen"-Taste. Zudem hat der Hersteller RIM die Tastatur vereinfacht: Statt bisher 33 kommt sie mit nur 20 Tasten aus, die darüber hinaus größer sind. Die Tasten sind mit jeweils zwei Buchstaben belegt, dafür erkennt die Tastatur-Technologie "Suretype", ähnlich der T9-Funktion bei Handys, eingetippte Wörter.

Momentan bietet Vodafone Blackberry-Dienste innerhalb Deutschlands für 25 Euro pro Monat zuzüglich Handy-Grundgebühr und Mehrwertsteuer an. Nächste Woche will das Unternehmen auf der Technologieausstellung Systems 2004 in München einen Tarif vorstellen, der sich speziell an Privatkunden richtet. Ähnliche Tarifstrukturen wie Vodafone hat auch T-Mobile im Angebot.

Handys als Mail-Maschinen

Das Handy wird zur Mail-Maschine

Für die Analysten des Marktforschungsinstituts Gartner steht fest, dass Mobilfunk-Unternehmen den Blackberry-Trend lange unterschätzt hätten. Nun seien sie gezwungen, mit RIM Lizenzverträge abzuschließen, um die Technologie gegen Bezahlung auch selbst anbieten zu können. So will T-Mobile bis Ende des Jahres den Taschencomputer MDA III mit Blackberry-Funktionen ausstatten. Mobilfunkexperten vermuten, dass Personal Digital Assistants (PDA) künftig verstärkt mit der Push-Funktion arbeiten und sich so den Blackberrys stark angleichen werden.

Und auch Handys sollen von der Technik profitieren: Unternehmen wie Nokia  oder Motorola  nutzen sie zum Teil für den E-Mail-Empfang ihrer Mobiltelefone. Siemens  bringt im November mit dem SK65 sogar ein Business-Handy auf den Markt, das sämtliche Blackberry-Funktionen unterstützt.

Mobilfunk-Anbieter, die den Blackberry-Boom bislang eher vorsichtig betrachtet haben, wenden sich dem Trend jetzt ebenfalls zu. Der Netzbetreiber E-Plus beispielsweise hat Blackberry-Dienste nur für Geschäftskunden im Angebot - bislang jedenfalls. "Das ist für uns erst mal der Einstieg", sagt Unternehmenssprecherin Christiane Kohlmann. Blackberry für den Privatmann? "Mit Sicherheit denken wir auch in diese Richtung".

Spielereien auf dem Blackberry sind tabu

Dass E-Plus damit spät dran sei und vielleicht sogar den Trend verschlafen habe, will Kohlmann so nicht bestätigen: "Wir haben den Markt beobachtet", nun sei man zu der Auffassung gelangt, dass Blackberry "jetzt in diese Zeit passt". Zunächst probiert es E-Plus mit einer eigenen mobilen E-Mail-Maschine für Privatnutzer, dem Danger Hiptop. Das Gerät verfügt außerdem über Spiele und eine ansteckbare Kamera.

Auch wenn die Technik den Massenmarkt angreift: Der klassische Blackberry soll ein Business-Gerät bleiben - die Hauptnutzergruppe sind nach wie vor Geschäftsleute. Spielereien auf dem Handheld aus dem Hause RIM gelten als tabu: Es werde in naher Zukunft kein Blackberry mit Kamera geben, heißt es aus RIM-Kreisen. Der größte Kunde des Blackberry-Herstellers ist die amerikanische Regierung mit rund 150.000 Nutzern, und Regierungsmitglieder dürfen ihre Zeit nicht mit Fotoknipsen verplempern.

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