Microsoft Der lange Weg ins Wohnzimmer

Die dritte Version des Windows Media Center soll endlich den Durchbruch im Massenmarkt schaffen. Bill Gates hat dafür einige schlagkräftige Partner wie den Aldi-Lieferanten Medion gefunden. Ob sein Traum, den Fernseher durch den PC zu ersetzen, allerdings wahr wird, ist damit noch nicht entschieden.

Hamburg - Der Softwareriese Microsoft  lässt bei seinen Bemühungen, ins Wohnzimmer einzuziehen, nicht nach. Schaffen will das Bill Gates mit dem Programm Windows Media Center. Fast zeitgleich stellte der Konzern die neueste Version, die Edition 2005, weltweit vor.

Während der Microsoft-Mitgründer Bill Gates in Los Angeles die neue Entwicklung lobte, trafen sich in Hamburg einige Dutzend Journalisten, denen das Programm präsentiert wurde. "Wir haben zehn Partner gefunden, die spezielle Produktlinien für das Programm haben", sagte Produktmarketingmanagerin Nicole Radewic.

Bei dem Windows Media Center 2005 handelt sich um eine schlicht gehaltene Oberfläche, die im Gegensatz zu ihren Vorgängerversionen um einige wenige - vielleicht aber wesentliche - Funktionen erweitert wurde. Zentrale Aufgabe der Software ist es, zu gewährleisten, dass zwischen den einzelnen Diensten wie TV oder Videos sehen, Musik hören oder Fotos anschauen unkompliziert per Fernbedienung gewechselt werden kann. "Eigentlich müsste ich jetzt auf dem Sofa sitzen", sagte Radewics Kollege Andreas Schönberger. Und tatsächlich wirkt die Navigation übersichtlich. Das Ziel: Der Computer soll den Fernseher ersetzen, dabei aber die gewohnte Bequemlichkeit bieten.

Toshiba: Qosmio G10

Toshiba: Qosmio G10

Medion:PC Pentium 4 540

Medion:PC Pentium 4 540

Nvidia:Windows Media Center

Nvidia:Windows Media Center

Hush: MCE E1

Hush: MCE E1

Wortmann:Terra Filia MC 3000

Wortmann:Terra Filia MC 3000

Gericom: Frontmann

Gericom: Frontmann


Die neuen Media-Stationen
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Microsoft will mit der neuen Version 2005 den Durchbruch im Massenmarkt schaffen, betont Gates derweil in den USA. Schon jetzt sei das Unternehmen mit dem Absatz zufrieden. "Wir haben in den vergangenen drei Jahren eine Million Windows Media Center verkauft und liegen damit über unseren Erwartungen", sagte Gates der Nachrichtenagentur DPA.

Die Software wird dabei nur als Vorinstallation über den Verkauf von PCs vertrieben. Einzeln ist das Programm nicht zu haben - weder in den USA noch in Europa. So sehen Marktforschungsinstitute die Verbreitung des Media Center auch weniger euphorisch als Gates. Nur 3 Prozent der verkauften PCs haben das Programm vorinstalliert.

Neu an der dritten Version des Windows Media Center ist unter anderem, dass gleichzeitig ein TV-Programm aufgenommen werden kann, während ein anderes geschaut wird. Auch können DVDs und CDs gebrannt werden. Dabei verzichtet Microsoft allerdings auf gängige Formate und bleibt seiner eigenen Linie treu.

Ist kein Zusatzprogramm vorhanden, können Videos oder Filme nicht als MPEG-Format gespeichert werden. Die Folge: Die DVD kann nicht in einem DVD-Player abgespielt werden. Radewic wehrt sich gegen Kritik. Den Computerherstellern bleibe es überlassen, eine zusätzliche Software anzubieten, die das Abspeichern im MPEG-Format ermöglicht.

Zu den Herstellerpartnern gehören für Deutschland der Aldi-Lieferant Medion , Wortmann, L&S Electronic, Nvidia , Gericom , Toshiba  und Hush. Stolz verkündet Radewic, dass auch kleineren Herstellern die Möglichkeit gegeben werde, das Programm zu installieren. In den USA vertreiben zudem Dell  und Sony  Computer mit der vorinstallierten Software. Den europäischen Markt wollen die beiden Elektronikspezialisten bislang allerdings nicht bedienen.

Partner hat Microsoft aber nicht nur bei den Herstellern gefunden, erste Verträge mit Lieferanten für Inhalte sind ebenfalls geschlossen. Musik kann dabei direkt bei dem just gestarteten MSN-Musik-Angebot, bei Tiscali  und demnächst bei T-Online  eingekauft werden. Letzterer bietet wie auch Arcor Filme für Video on Demand an.

"Der PC kommt tatsächlich immer stärker ins Wohnzimmer", jubelt Gates. "In der Studentenbude oder im Schlafzimmer wollen immer mehr Leute Musik am PC hören oder Fotos anschauen." Ob dafür allerdings das Windows Media Center notwendig ist, bleibt dahingestellt. Denn klar ist auch, dass ein normaler PC viele der Features ohne weiteres bieten kann. Der Platz im Wohnzimmer ist damit noch lange nicht frei.