Mittwoch, 18. September 2019

ERP-Systeme Der aufgeklärte Mittelstand

Basel-II-Rating, computerisierte Abläufe bei Partnerfirmen oder Umstrukturierungen machen eine einheitliche Unternehmens-IT auch für den Mittelstand unumgänglich. Dennoch scheuen viele Unternehmen vor dem Schritt zurück.

Hamburg - "Für Firmen zwischen 10 und 500 Mitarbeitern sind IT-Lösungen für unternehmenskritische Bereiche inzwischen unverzichtbar geworden", sagt Eduard Stupening, Senior Director Consulting des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Meta Group gegenüber manager-magazin.de. Wer zum Beispiel als mittelständischer Zulieferbetrieb seine Kunden- oder Partnerbeziehung behalten wolle, müsse sich anpassen.

ERP hilf: Rating nach Basel-II-Kriterien findet faktisch schon heute statt
Zulieferer der Automobilbranche seien davon beispielsweise stark betroffen. In der Branche seien die Prozesse weitgehend mit IT-gebundenen Systemen und Lösungen verschlankt worden. Die mittelständischen Lieferanten müssten sich dieser Entwicklung nun beugen und mitziehen.

Aber auch in anderen Bereichen macht sich die Verquickung mit Firmen, die in ihren Computeranwendungen schon viel weiter sind, bemerkbar. Sie stellen dann höhere Ansprüche an ihre Partner und zwingen sie immer mehr, sich mit ihrer IT anzupassen.

Ein Beispiel: "Ein Verlag, der bei uns Kunde ist, wollte mit uns nur dann einen Vertrag abschließen, wenn wir eine bestimmte Unternehmenssoftware einführen", erzählt Michael Torn, geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger Marketingagentur AWU im Gespräch mit manager-magazin.de. "Aus Sicherheitsgründen und damit es keine Medienbrüche beim Datenaustausch gibt, hat der Verlag dann mit uns zusammen ein Produkt von dem Softwarehersteller Sage installiert", sagt Torn.

Vorher habe jedoch keine Notwendigkeit bestanden, ein solches System zu installieren. "Wir haben 22 Mitarbeiter und vier PC-Arbeitsplätze", berichtet Torn. Buchhaltung und Kundenerfassung seien über "selbstgestrickte Lösungen" gelaufen. Erst jetzt werde alles umstrukturiert und auf das ERP-System umgestellt.

ERP-Software (Enterprise Resource Planning) durchdringt sämtliche Arbeitsabläufe eines Unternehmens - vom Vertrieb über Produktion bis zur Buchhaltung. Üblicherweise setzen große Unternehmen schon seit langem ERP-Systeme zur Regulierung ihrer Betriebsabläufe ein. Kleine und mittelständische Firmen sind dagegen noch stark im Hintertreffen.

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