Mittelstand Abschied vom Hängeregister

Inzwischen holt der Mittelstand in Sachen IT auf - wenn auch nicht immer ganz freiwillig. Längst hat sich der Markt um die Mittelständler herum auf moderne Technologien umgestellt. Jetzt müssen sie sich den Gegebenheiten anpassen.
Von Eduard Stupening

Die schleppende wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre zwang mittelständische Unternehmen insbesondere bei IT-Produkten und IT-Dienstleistungen, den Gürtel enger zu schnallen. Zwischenzeitlich aber scheint man am Ende dieser Durststrecke angekommen zu sein.

Denn laut einer Meta-Group-Untersuchung ist für das Jahr 2004 ein Wachstum von circa 6 Prozent zu erwarten. Im Jahr zuvor waren es 16 Milliarden Euro, die für Produkte und Dienstleistungen einschließlich interner Arbeitsleistung von deutschen Mittelständlern ausgegeben wurden.

Das soll allerdings nicht heißen, dass damit wieder alles wie in "alten" Zeiten läuft. Aber Mittelständler im Größensegment 10 bis 500 Beschäftigte kommen eben ohne IT für ihre Infrastruktur und ihre Geschäftsprozesse nicht mehr aus. Leider ist dies weniger gewollt als vielmehr erzwungen, weil große Unternehmen - zum Beispiel in der Automobilindustrie - ihre Prozesse schlanker und durchgängiger gemacht haben mit dem Ziel, Kosten und Prozesszeiten zu verkürzen.

Die Einbindung in solche Zuliefernetzwerke definiert gleichzeitig auch Standards, Systeme und Lösungen. Wenn also ein Zulieferbetrieb seine Kunden- oder Partnerbeziehung behalten will, muss er sich diesen Herausforderungen stellen.

Dazu kommt die spezifisch für den mittelständischen Betrieb benötigte IT, die neben horizontalen Anwendungen in der jeweiligen Branche auch besondere vertikale Lösungen erfordert. Mit erhöhter Komplexität der Technologie sind Mittelstandsunternehmen zunehmend überfordert, in diesen Strukturen Effizienz und Kosten zu optimieren. IT ist nun mal - soweit es sich nicht um mittelständische Software-/Systemhäuser handelt - nicht das Kerngeschäft, sondern ein notwendiges Mittel zum Zweck der eigenen Geschäftstätigkeit.

Outsourcing kommt in Mode

Outsourcing kommt in Mode

Den erhöhten Anforderungen in der schnelllebigen Dynamik heutiger IT-Märkte nachzukommen, ist bei kleinen IT-Budgets im Mittelstand sehr schwer. Dadurch erklärt sich auch ein in den Untersuchungen sichtbarer Trend, dass Mittelständler sich verstärkt IT-Dienstleistern zuwenden und mittlerweile wesentlich offener sind, Teile ihrer IT-Prozesse an Outsourcing-Anbieter zu vergeben.

Zu diesem Paket an Problemen kommen Anforderungen, die nicht unmittelbar von der Kundenseite formuliert werden, sondern über Zertifizierungsverfahren und Rating-Kriterien den Mittelständlern Zugangsbarrieren setzen, die mit IT gelöst werden können beziehungsweise müssen. Hierzu gesellen sich auch Erscheinungen, die durch den Einsatz der Technologie produziert wurden und gleichzeitig wieder mit ihr auszutreiben sind. Erwähnt sei hier die Sicherheitsproblematik, die seit mehreren Jahren Hochkonjunktur hat.

IT-Sicherheit avanciert zu Thema Nummer eins

Wenn die IT-Sicherheit eines Unternehmens Kriterium seiner Risiko-Bewertung wird, dann müsste dieses Thema eigentlich zur Chefsache avancieren. Nach Erkenntnissen der Meta Group ist der größte Teil des kleineren Mittelstands jedoch noch weit davon entfernt.

Die Mehrheit behilft sich immer noch mit Ad-hoc-Lösungen, anstatt dieses Thema strategisch anzugehen oder Lösungsansätze zu entwickeln, die sie aus der reaktiven Ecke des Handelns herausbringen. Doch ob man die Sicherheitsproblematik mit Eigenmitteln oder über Dienstleister in den Griff bekommt, eines wird bestimmt strapaziert - das Budget.

Die Herausforderungen, denen sich ein Mittelständler heute gegenübersieht sind zahlreicher und schwieriger denn je. Doch auch wenn nicht alle Probleme die gleiche Priorität haben, adressiert werden müssen sie allemal wenn man im Markt bestehen will.

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