Musiksoftware Bausteine für Soundbastler

Der Traum von der eigenen Komposition rückt näher. Wie aus Legobausteinen lassen sich mit der neuen Software von Apple und Magix Lieder zusammensetzen. Sogar persönliche Handy-Klingeltöne können mit dem Programm kreiert werden.

München/Berlin - Ein verführerisches Intro mit eingängigen Melodien, dazu ein stampfender Beat - und fertig ist der Disco-Hit. Ob der Weg in die Charts tatsächlich so kurz ist, können Soundbastler mit neuer Musiksoftware von Magix und Apple  ausprobieren. Und falls es mit der Goldenen Schallplatte doch nichts werden sollte, ein Trost vorweg: Interessante Soundkollagen können selbst musikalische Laien mit den Programmen ihrem Rechner entlocken.

"Music Maker richtet sich an Einsteiger. Eine musikalische Vorbildung - insbesondere Notenkenntnisse - ist nicht erforderlich", sagt Ulrich Hepp vom Softwarehersteller Magix in Berlin. "Man baut einfach Soundsamples zusammen wie Legosteine." Anlässlich des zehnten Jahrestages der Erstveröffentlichung von Music Maker hat die Softwareschmiede Ende September gleich mehrere Programme in die Läden gebracht: neben zwei Varianten des "Music Maker 2005" - einfach und als Deluxe-Version - auch die 2005er Version des Music Studio.

Die Klangschnipsel für die Soundbastelei liefert Magix beim Music Maker gleich mit: zwei beziehungsweise drei CDs (Deluxe-Version) bieten insgesamt eine Bibliothek von rund 5000 Soundloops, Samples und Effektvorlagen. Wer mit dieser Datenbank, die von Techno und HipHop bis zu Funk und Rock reicht, nicht auskommt, kann mit virtuellen Instrumenten auch die eine oder andere der insgesamt 96 Tonspuren mit eigenen Klängen anreichern. Eigener Gesang kann ebenfalls eingespielt und notfalls mit Effekten verfremdet werden.

Evergreens durch den musikalischen Wolf drehen

Evergreens durch den musikalischen Wolf drehen

Hilfe beim Erzeugen eigener Musik bietet der neue Schlagzeug-Synthesizer Robota, der laut Magix den analogen Drum-Sound der siebziger und achtziger Jahre wieder aufleben lässt. Einen Schlagzeuger aus Bits und Bytes haben die Programmierer in der Deluxe-Variante des Music Maker versteckt: "Livid", Little Virtual Drummer, heißt das Programm, mit dessen Hilfe die Anwender laut Magix mit wenigen Mausklicks das Schlagzeugfundament für einen ganzen Song legen können. Damit die Lieder auch unterwegs das Ohr erfreuen, können sie mit dem neuen Klingeltongenerator in die Handy-tauglichen Formate WAV, ADPCM, MP3 oder MIDI umgewandelt werden.

Verbessert wurde nach Angaben von Ulrich Hepp auch der Remix Maker. Mit Hilfe des Programms lassen sich zum Beispiel Evergreens durch den musikalischen Wolf drehen und zeitgeistgerecht aufpeppen: Automatisch liest die Software Musikstücke einer CDs aus, analysiert den Rhythmus, zerschneidet den Titel und setzt die Teile dann zu einem neuen Mix zusammen. Der Nutzer muss lediglich eine von vier Stilrichtungen vorgeben.

Ein komplettes Tonstudio halten Nutzer der neuen Version des Music Studio in den Händen: Aufnehmen, Arrangieren, Bearbeiten und Brennen heißen die Stichworte, die den Leistungsumfang der Software beschreiben. Zum ersten Mal ist das alles komplett im 24-Bit-Standard möglich, bei dem die Audiodateien im Vergleich zum 16-Bit-CD-Standard eine größere Dynamik aufweisen.

Auch für Profi-Musiker

Auch für Profi-Musiker

Neben dem bereits beim Music Maker genannten virtuellen Schlagzeuger bietet die Studiosoftware zum Beispiel ein Werkzeug namens Elastic Audio Easy: Damit können Gesangsaufnahmen oder die aufgezeichneten Sequenzen der Instrumente nachträglich in die richtige Tonhöhe gezogen werden. "Music Studio 2005 Deluxe" ist für 69,99 Euro zu haben. Die einfache Variante des "Music Maker 2005" kostet 49,99 Euro, die Deluxe-Version 99,99 Euro.

Das dem Music Maker entsprechende Apple-Programm "GarageBand" vertreibt der Computerhersteller seit Anfang des Jahres bereits mit jedem verkauften Mac. Soundbastler, denen das nicht reicht, serviert Apple von Mitte Oktober an Zusatz-CDs mit mehr als 2000 Audio-Loops und rund 100 spielbaren Softwareinstrumenten: Das "Jam Pack 2: Remix Tools" richtet sich an Freunde von Hiphop, House oder Dancefloor. Rocker und Country-Lebhaber dürften eher mit "Jam Pack 3: Rhythm Section" glücklich werden. Die Soundpakete sollen 99 Euro kosten.

Ambitionierte Klangkünstler hat Apple mit dem für Ende Oktober angekündigten Programm "Logic Pro 7" im Visier: "Damit kann der Profi-Musiker dynamische und ausdrucksstarke Sounds erzeugen", erklärt Pressesprecher Georg Albrecht in München. Allein der Preis dürfte allerdings reichen, Anfänger fernzuhalten: "Logic Pro 7" soll 1039 Euro kosten.

Unerschöpfliche Leistungskraft

Profis bekommen laut Apple für ihr Geld dafür aber ein Werkzeug, dessen Leistungskraft unerschöpflich scheint: Erstmals können mit einer Distributed Audio Processing genannten Technik unbegrenzt viele vernetzte Macs zur Berechnung von Soundeffekten benutzt werden. Zudem wurde im Vergleich zur Vorgängerversion die Zahl der integrierten Synthesizer und Klangeffekte erhöht: Hervorzuheben sind die Drum-Machine Ultrabeat oder der virtuelle Gitarrenverstärker Guitar Amp Pro, der elf Verstärker simuliert.

Um den musikalischen Nachwuchs an den Funktionsumfang von Logic Pro heranzuführen - und später als Kunden zu gewinnen, kommt Mitte November eine abgespeckte Variante von Logic Pro auf den Markt: Das Programm heißt "Logic Express 7". Es kostet 319 Euro.

Arnd Petry, dpa