Freitag, 18. Oktober 2019

T-Online Die Telekom schluckt ihre Tochter

Nach nur vier Jahren will die Telekom ihre Internet-Tochter wieder von der Börse nehmen. Künftig sollen die Geschäftsbereiche Internet und Festnetz unter einem Dach gebündelt werden. Aktionärsschützer kritisieren das Angebot an die Anteilseigner als inakzeptabel.

Bonn - Die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen will ihre profitable Internet-Tochter T-Online Börsen-Chart zeigen von der Börse nehmen und wieder in den Mutterkonzern integrieren. Die Tochter soll durch Aktientausch auf die Deutsche Telekom AG verschmolzen werden, alternativ dazu bietet die Telekom eine Barzahlung von 8,99 Euro je T-Online-Aktie an - beim Börsengang vor vier Jahren hatte das Papier drei mal so viel gekostet. Aktionärsschützer kritisierten die Bedingungen der in der Branche seit langem erwarteten Verschmelzung.

 T-Online: soll unter dem Dach des Mutterkonzerns stehen
T-Online: soll unter dem Dach des Mutterkonzerns stehen
Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke sagte am Samstag in Bonn, eine Verschmelzung beider Unternehmen sei für eine nachhaltige Wertsteigerung zwingend erforderlich. Ein kombiniertes Angebot von Sprach-, Internet- und TV-Angeboten sei eine wesentliche Voraussetzung für künftiges Wachstum. Reibungsverluste zwischen der Festnetzsparte T-Com und T-Online sollen damit abgestellt werden.

Der Zeitung "Welt am Sonntag" sagte Ricke, T-Online bleibe innerhalb des Konzerns eine eigenständige Einheit unter ihrem bisherigen Chef Rainer Beaujean. Ob die Auslandstöchtern von T-Online nun verkauft würden, sei noch offen.

Der Abschluss der Verschmelzung, die rund drei Milliarden Euro kosten soll, wird für die zweite Jahreshälfte 2005 erwartet. Die Synergieeffekte beliefen sich etwa durch ein gemeinsames Marketing und den Wegfall der Kosten für die Börsennotierung von T-Online sich auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Im kommenden Jahr wird die Telekom zudem genausoviele eigene Aktien zurückkaufen, wie sie durch das Barangebot erhalten und im Wege der Verschmelzung ausgegeben hat. Dadurch soll die Zahl ihrer ausstehenden Aktien konstant gehalten werden.

Telekom will T-Online vollständig reintegrieren

"Die Verschmelzung ist der einzige Weg, der mit 100-prozentiger Sicherheit zu einem Telekom-Anteil an T-Online von 100 Prozent führt", sagte Finanzchef Karl-Gerhard Eick. Die Telekom hält derzeit knapp 74 Prozent der 1,22 Milliarden T-Online-Aktien, der französische Mischkonzern Lagardere knapp sechs Prozent. Der Rest ist im Streubesitz.Am Freitag waren die T-Online-Aktien mit 8,99 Euro aus dem Handel gegangen, beim Börsengang im Jahr 2000 hatte das Papier 27 Euro gekostet. Die T-Online-Aktionäre, die zu diesem Preis gekauft hätten, könnten künftig am Wachstum der Telekom teilhaben, sagte Telekm-Chef Ricke.

Die Telekom folgt mit der Reintegration von T-Online dem Vorbild von France Telecom und Telefonica, die beide Übernahmeangebote für ihre Internet-Töchter vorgelegt hatten. Telefonica kontrolliert nun seine Tochter TerraLycos mehrheitlich, France Telecom hat Wanadoo voll integriert. Wie die Konkurrenten will die Telekom auch die Markenbekanntheit der Tochter T-Online weiter für alle Internet-Aktivitäten nutzen.

Schlechtes Investment für Aktionäre

Die Telekom deutete an, bei dem Aktientausch im kommenden Jahr hätten die T-Online-Aktionäre schlechtere Bedingungen zu erwarten als beim jetzt vorgelegten Barangebot: Ein vorläufiges Gutachten zeige, dass das Umtauschverhältnis aus der Sicht der Internet-Tochter "unter der derzeitigen Marktpreisrelation liegen wird", teilte die Telekom mit. Grund sei, dass die Telekom stärker unterbewertet sei als T-Online.

Das genaue Umtauschverhältnis soll im Januar vorliegen und muss von einem gerichtlich bestellten Verschmelzungsprüfer auf seine Angemessenheit geprüft werden. Der Aufsichtsrat der von der Telekom dominierten T-Online teilte am Sonntag erwartungsgemäß mit, er habe den angebotenen Verhandlungen zugestimmt.

T-Online war in seinen vier Börsenjahren kein lohnendes Investment für die Aktionäre. Eine Dividende hatte das Unternehmen wegen der hohen Anlaufverluste nie gezahlt. Der langjährige Vorstandschef Thomas Holtrop hatte Ende September seinen Hut genommen, da er nicht Chef der neuen Konzerneinheit Festnetz/Breitband wurde, in der T-Online nun aufgehen soll.

Deutliche Kritik an den Plänen der Telekom kam von der Aktionärsvereinigung Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Das Barangebot der Telekom sei "absolut inakzeptabel", die Aktionäre sollten es nicht annehmen. "Für die T-Online-Aktionäre kann die Devise nur lauten: Abwarten! Die Erfahrung zeigt, dass Anleger, die zu früh agieren, Geld verschenken." Die Chancen seien sehr gut, dass die Telekom mehr zahlen müsse als 8,99 Euro je Aktie, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker.

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