Telekommunikation Telekom verliert Martkanteile

Während der Mobilfunkmarkt boomt, kommt der DSL-Markt nur schleppend in Gang. Bei den Breitbandanschlüssen dominiert die Telekom, im Ortsnetz machen dem Bonner Konzern jedoch die Konkurrenten immer mehr Probleme.

Bonn - "Mit einem umsatzbezogenen Marktwachstum von über 3 Prozent liegen wir deutlich über dem durchschnittlich prognostizierten allgemeinen Wirtschaftswachstum von 1,5 bis 2 Prozent in Deutschland", sagte Harald Stöber, Vizepräsident des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM).

Dies ist das Ergebnis einer Marktanalyse, die im Auftrag des VATM von Dialog Consult erstellt wurde. Nach Berechnungen der alternativen Anbieter wächst der Umsatz von der Telekom  und Konkurrenten 2004 um 3,3 Prozent auf 62,9 Milliarden Euro.

Gerade im Festnetzbereich hat die Telekom nach der Freigabe des Wettbewerbs im Ortsnetz jedoch Marktanteile an ihre Konkurrenten verloren. Die alternativen Wettbewerber erwarten in dem Bereich ein Umsatzplus von 8 Prozent. Der Anteil des Bonner Konzerns am Gesamtumsatz werde gegenüber dem Vorjahr um 2 Prozentpunkte auf 72,2 Prozent sinken, wie der Verband mitteilte. Die Branche rechne mit einem Festnetzumsatz von 35,3 Milliarden Euro, wovon 25,5 (Vorjahr: 26,2) Milliarden Euro auf die Telekom entfielen.

Telekom dominiert DSL-Markt

Insgesamt konnten aber die Telekom-Konkurrenten ihren Marktanteil 2004 um 2,6 Prozentpunkte auf 45,6 Prozent und einen Umsatz von 28,7 Milliarden Euro steigern. Allerdings stammen mit 18,9 Milliarden Euro (plus 10,5 Prozent) fast zwei Drittel der Erlöse aus dem Mobilfunk und damit aus einem Teilmarkt, in dem die Telekom nie ein Monopol hatte.

Im Markt für schnelle DSL-Internet-Zugänge kommt der Wettbewerb nach Einschätzung des VATM dagegen nur langsam in Fahrt. Die Zahl der DSL-Anschlüsse werde dieses Jahr in Deutschland um 2,2 Millionen auf 6,6 Millionen steigen. Die Wettbewerber der Telekom dürften einen Zuwachs um mehr als 50 Prozent auf 900.000 direkt geschaltete Anschlüsse verzeichnen.

Mit mehr als 86 Prozent Marktanteil sei die Telekom aber weiter die dominierende Kraft. Rechne man die voraussichtlich rund 200.000 Anschlüsse hinzu, die bis Jahresende von Wiederverkäufern auf eigene Rechnung vermarktet würden, dürfte der Anteil des Ex-Monopolisten bis Ende 2004 auf gut 83 Prozent zurückgehen.

VoIP kommt bei Privatnutzern kaum an

Die schmalbandige Einwahl ins Internet verliere dagegen Boden, hieß es weiter. Die Einwahlminuten ins Internet seien sowohl bei der Telekom als auch bei den Wettbewerbern rückläufig zugunsten von DSL. Die Telekom kommt dem VATM zufolge auf einen Marktanteil von gut 45 Prozent. Der Anteil der Wettbewerber belaufe sich auf 55 Prozent.

Zur Internet-Telefonie Voice over IP (VoIP) als Einzelprodukt äußerte sich der VATM eher zurückhaltend. In Deutschland sei VoIP kein Thema für den Privatkundenmarkt. Sie sei nur sinnvoll als Ergänzung zu DSL-Angeboten, sagte Stöber.

Anders als etwa in den USA spiele beim Telefonieren via Internet der Preis hier zu Lande keine große Rolle, sagte er zur Begründung. Denn das Tarifniveau für Festnetzgespräche ist nach Stöbers Worten bereits wegen der Möglichkeit der Auswahl des Verbindungsnetzbetreibers (Call-by-Call und Preselection) sehr niedrig. Der Anteil der Verbindungsminuten, die über VoIP getätigt wurden, dürfte in diesem Jahr mit unter 0,01 Prozent verschwindend gering sein. Auch 2005 erwarte der VATM keine nennenswerte Zunahme.

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