Digitale Speicher In Speicherkarten liegt die Kraft

Immer höhere Kapazitäten, immer mehr Tempo und Funktionen – die Entwicklung von Speicherkarten ist rasant und vor allem entscheidend für Digitalkameras, Handys und MP3-Player. Welche Vorteile oder Nachteile haben SD- und Compact-Flash-Cards?

Köln - Sie sind klein, austauschbar, können Unmengen von Daten aufnehmen und werden immer billiger: Speicherkarten haben maßgeblichen Anteil an der Entwicklung von tragbaren digitalen Geräten wie Kameras, Camcordern, Handheld-Computern und MP3-Playern.

Inzwischen halten sie auch Einzug bei Handys. Branchenbeobachter erwarten, dass die Preise künftig nicht mehr so stark zurückgehen wie bisher. Stattdessen treten intelligente Zusatzfunktionen und die Qualität in den Vordergrund.

Bei billigen No-Name-Produkten sei das Risiko von spürbaren Qualitätsmängeln nicht von der Hand zu weisen, sagt der Verkaufsmanager der Firma Memorysolution in Breisach, Andreas Albers. So gebe es etwa Klagen über nicht funktionierende Navigationssysteme auf SD-Karten. Auch der Deutschland-Manager des US-Herstellers Lexar, Ulrich Weigelt, erwartet, dass künftig stärker auf die Qualität von Speicherkarten geachtet wird als bisher. "Der Kauf von Speicherkarten ist Vertrauenssache", meint Weigelt.

Der Preis für eine SD-Karte (Secure Digital Card) mit einer Kapazität von einem Gigabyte sei innerhalb von vier Jahren um 80 Prozent gesunken, sagt der Sprecher des Marktführers Sandisk, Bob Goligoski. Die Preise herunterzubringen, um die Karten für alle erschwinglich zu machen, sei auch das erklärte Ziel des kalifornischen Unternehmens gewesen.

Fotos direkt auf dem Speicher

Sandisk hat jetzt die Produktlinie "Shoot & Store" vorgestellt, bei der Speicherkarten wie die herkömmliche Filmrolle in der analogen Fotografie gehandhabt werden: Die Karte wird mit Aufnahmen gefüllt und beim Fotohändler oder im Kaufhaus abgegeben. Der Kunde bekommt die Speicherkarte dann mit Papierabzügen zurück und kann sie entweder aufheben oder neu beschreiben. Die 32-MB-Karte soll rund zehn Euro, die 64-MB-Karte 15 Euro kosten - in den vier gängigen Formaten SD, Compact Flash (CF), Memory-Stick und XD.

Am meisten verkauft wird inzwischen nicht mehr die CF-, sondern die SD-Karte, die vor allem bei den preiswerteren Kompaktkameras zum Einsatz kommt. Die SD-Karte ist gewissermaßen der um Kopierschutzfunktionen ergänzte Nachfolger der Multimedia-Karte (MMC).

Auf dem dritten Platz liegt der von Sony  entwickelte Memory-Stick, gefolgt von der XD-Karte. Bei XD wird die geringe Größe damit erkauft, dass der Controller als "Gehirn" der Speicherkarte ins Gerät verlegt wird - wie bei der inzwischen fast ganz verschwundenen Smartmedia-Karte.

Auf die Schnelligkeit kommt es an

Auf die Schnelligkeit kommt es an

Immer größer wird die Kapazität der Speicherkarten. "Bislang haben wir sie jedes Jahr verdoppelt", erklärt Sandisk-Sprecher Goligoski. "In diesem Jahr aber wird die Kapazität verdreifacht." Die SD-Karte ist bei zwei Gigabyte angekommen. Die CF-Karte schafft bereits acht GB, und 16 GB sind in Entwicklung. Der Memory-Stick fass zurzeit bis zu vier GB.

"Die Compact-Flash-Card hat eigentlich mehr technische Vorteile als die SD-Card", erklärt Lexar-Manager Weigelt. So stattet Lexar seine Profi-CF-Karten mit speziellen Techniken zur Datenrettung oder zur Verschlüsselung aus. Auf die Daten der Karte kann man nur dann zugreifen, wenn man den entsprechenden Code kennt. Zu den ersten Kameras, die diese Verschlüsselung unterstützen, gehört die digitale Profi-Kamera Nikon D2X.

Neben Kapazität und Sonderfunktionen spielt auch die Geschwindigkeit eine Rolle. Einfache Speicherkarten bremsen die schnellste Digitalkamera aus, weil es lange dauert, bis der Flash-Speicher-Baustein das letzte Bit verdaut hat. Ab einer Auflösung von etwa vier Megapixel ist eine höhere Schreibgeschwindigkeit subjektiv spürbar. Die schnellsten Speicherkarten erfassen zurzeit 20 Megabyte pro Sekunde.

Kleine Karten für die Handys

Damit haben die schnellen Karten auch die Festplattentechnik Microdrive überholt, die von IBM  entwickelt und im vergangenen Jahr von Hitachi übernommen wurde. Bei Seagate gibt es ein Microdrive mit fünf GB, was Hitachi  bis Ende des Jahres übertreffen will. Hitachi-Mitarbeiter Uwe Kemmer erklärt, dass die Hauptanwendung des Microdrives nicht mehr die digitalen Kameras, sondern MP3-Player seien.

Für Mobiltelefone sind die Speicherkarten noch weiter verkleinert worden. Hier gibt es im wesentlichen vier Techniken. Die RS-MMC (Reduced Size Multimedia Card) mit einer derzeitigen Kapazität bis 128 MB wird in Nokia- und Samsung-Handys eingebaut.

Ebenso groß ist zurzeit die höchste Aufnahmefähigkeit der von Motorola verwendeten Trans-Flash-Karte. Die Mini-SD, die etwa bei Sharp zum Einsatz kommt, kann 256 MB speichern. Beim "Memory Stick Duo" in Sony-Ericsson-Handys sind es bis zu 512 MB. Welche Technik bei den Mobiltelefonen die besten Aussichten habe, sei jetzt noch völlig offen, heißt es bei Sandisk.

Die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (GfU) erwartet, dass in diesem Jahr 7,8 Millionen Speicherkarten verkauft werden - 60 Prozent mehr als 2003. Für das nächste Jahr rechnet Lexar-Manager Weigelt mit einer Verdoppelung des Absatzes von Speicherkarten in Europa.

Peter Zschunke, ap

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