Samstag, 19. Oktober 2019

Telegate Verräterische Rufnummer

Das neue Telekommunikationsgesetz machte den Weg frei, nun hat der Telefonauskunftsdienst Telegate seine Rückwärtssuche gestartet. Anhand der Rufnummer können Name und Anschrift des Anschlussinhabers erfragt werden. Datenschützer raten zum Widerspruch.

Martinsried - Seit Montag ist es soweit. Die Telegate AG Börsen-Chart zeigen, die gerade ihre britische Tochtergesellschaft 118866 an das Unternehmen Croftacre Holdings verkauft hat, bietet hier zu Lande die so genannte Inverssuche an. Das bedeutet, dass Kunden zu einer Telefon- oder Mobilfunknummer den Namen und die Anschrift des Inhabers der Nummer erfragen können.

 Rückwärtssuche: Widerspruch ist möglich
DPA
Rückwärtssuche: Widerspruch ist möglich
Das sei praktisch, meinen die Befürworter dieser Rückwärtssuche. Hinterlässt jemand beispielsweise seine Telefonnummer auf dem Anrufbeantworter ohne den Namen zu nennen, könne man auf diese Weise herausfinden, wer der Anrufer war. Auch unerwünschte Lockrufe per 0190- oder 0900-Nummer könnten aufgespürt werden.

Grundlage für die Inverssuche ist das neue Telekommunikationsgesetz, das seit Ende Juni in Kraft ist. Es erlaubt erstmals diese Art der Suche in Deutschland. Verbraucherschützer schlugen in der Vergangenheit bereits Alarm. Versandhäuser, Versicherungen oder andere Werbungtreibende hätten nun weitere Möglichkeiten an mehr Kundendaten zu erlangen. Datenschützer sprechen von einem weiteren Schritt zum gläsernen Kunden und raten deshalb, der Inverssuche zu widersprechen.

Telegate greift für die Auskunftsdienste auf die Daten der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen zurück. Bei ihr können Verbraucher auch den Widerspruch einlegen. Allein ein Anruf bei dem Bonner Konzern unter der kostenpflichtigen Nummer 01375/103300 (12 Cent je Verbindung) oder ein Fax an die Nummer 0800/3305544 reicht, um den Anschluss für die Rückwärtssuche sperren zu lassen.

"Eine Frist, bis wann Verbraucher angerufen haben müssen, gibt es nicht", sagt eine Sprecherin der Telekom. Man könne jederzeit widersprechen. Kunden, die mit ihrem Telefonanschluss jedoch komplett zu Anbietern wie Hansenet oder Netcologne gewechselt sind, müssen bei diesen Firmen direkt widersprechen, Preselection-Kunden melden sich dagegen bei der Telekom.

Der Bonner Konzern hatte seine Kunden in den vergangenen Wochen über die Telefonrechnungen über die Möglichkeit des Widerspruchs informiert. Telekom-Konkurrent Arcor will seine Kundendaten von vornherein nicht preisgeben. "Nur wer es ausdrücklich wünscht, dessen Daten entsperren wir", teilte ein Arcor-Sprecher mit. Auch die Mobilfunkanbieter T-Mobile und Vodafone Börsen-Chart zeigen geben die Daten ihrer Kunden nicht ohne weiteres preis. Sie haben vorsorglich für alle ihre Kunden widersprochen.

Die Telekom sammelt derweil die Widersprüche. Über die Zahl, wie viele Kunden bereits widersprochen haben, schweigt das Unternehmen. Der Konzern rechnet aber damit, dass rund 15 Prozent der Kunden der Rückwärtssuche widerspricht.

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