UMTS Ohne Dienste keine Zukunft

Noch ist es nicht weit her mit den UMTS-Angeboten. Zwar bieten mittlerweile alle Mobilfunkbetreiber einen Zugang zum schnellen Handynetz an, doch mit der Auslastung sieht es bisher dürftig aus. Worauf die Anbieter achten sollten.
Von Bernd Janke

Hamburg - Gut ein halbes Jahr nach dem Start von UMTS in Deutschland macht sich Ernüchterung breit. E-Plus hat eine Netzauslastung von weniger als einem Prozent, und auch bei den anderen Anbietern sieht es kaum besser aus. Es fehlt die Akzeptanz bei den Kunden, denn eine so genannte Killerapplikation, die viele Mobilfunkkunden begeistern könnte, gibt es derzeit nicht.

Auch die Telekommunikationsunternehmen haben mittlerweile den Glauben an schnelles Geld mit dem breitbandigen Mobilfunk verloren. Im Ranking der mobilen Übertragungstechnologien belegt UMTS nur Rang drei. Wichtigste Technik wird nach Ansicht von Fach- und Führungskräften der Telekommunikationsbranche in den nächsten zwölf Monaten W-Lan sein. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Telco Trend, eine Studie von Mummert Consulting und dem Spezialisten für Umfrage- und Beschwerdemanagement-Software Inworks.

Auf einer Schulnotenskala von eins (sehr hohe Bedeutung) bis sechs (sehr geringe Bedeutung) erreicht das kabellose Netzwerk eine 2,5, UMTS nur eine 2,9. Selbst das betagte GSM-Netz steht mit einer Durchschnittsnote von 2,6 höher in der Gunst der Entscheider - beliebt ist, wo die Kasse klingelt.

Doch nicht nur bei der Übertragungstechnik herrscht unter den Befragten ein gesunder Realismus: Wichtigster mobiler Dienst der nächsten zwölf Monate ist nach Ansicht der Experten die ganz normale Sprachübertragung. Mit einer Durchschnittsnote von 1,5 rangiert sie vor der SMS (1,9) und dem mobilen E-Mail-Empfang (2,7).

Der MMS als multimedialer Nachfolgerin der SMS räumen die Entscheider mit einer 2,9 weniger Chancen ein als dem mobilen Internet (2,8). Die MMS war lange zu teuer im Vergleich zum eher geringen Mehrwert für die Nutzer. Das mobile Internet könnte jedoch dank UMTS an Fahrt gewinnen. Der Grund: Mit der bisherigen GPRS-Technik auf Basis des bestehenden GSM-Mobilfunknetzes war mobiles Internet nur im Schneckentempo möglich. Dank UMTS erreicht der Internetzugang von unterwegs bei idealen Bedingungen hingegen eine bis zu sechsfache ISDN-Geschwindigkeit.

Wenn Jugendliche kaufen ...

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Die Folge: Mehr als die Hälfte aller Telekommunikationsunternehmen wollen langfristig in das mobile Web investieren. Die Zielgruppe für mobile Datenlösungen sind dabei vor allem Geschäftskunden. Die steigende Mobilität der Mitarbeiter soll hier die Nachfrage und den durchschnittlichen Umsatz pro Kunde ankurbeln. Denn Unternehmen wollen ihren Mitarbeitern jederzeit und überall Zugriff auf wichtige Daten gewähren - zur Freude der Mobilfunkanbieter.

Diese müssen jedoch für ihre Geschäftskunden Dienste mit Mehrwert wie beispielsweise virtuelle, mobile Firmennetzwerke oder kombinierte Datenangebote aus UMTS, W-Lan und GPRS bereithalten. Mit einem einfachen Datenübertragungsdienst lassen sich die wenigsten Kunden überzeugen. Neben neuen und innovativen Diensten für Geschäftskunden feilen die Telekommunikationsanbieter aber auch an attraktiveren Angeboten für die private Kundschaft.

Im Fokus: Jugendliche Privatkunden, die ihr Geld für Spiele, Klingeltöne und andere Unterhaltungsdienste wie Videotelefonie ausgeben. Auch hier bietet das UMTS-Netz eine gute Plattform. Damit sich die hohen Ausgaben für UMTS in der Vergangenheit langfristig rechnen, ist der richtige Dreh zu begehrten und damit erfolgreichen Diensten notwendig - sowohl für die Geschäftskundschaft als auch für die private Klientel.

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