Infineon "Asien wird Europa überrunden"

Ende vergangener Woche eröffnete Infineon ein neues Halbleiterwerk in China. Für den Chip-Hersteller ist das ein Baustein, sein Geschäft im Reich der Mitte zu stärken. Schon in wenigen Jahren soll der Umsatz dort höher ausfallen als in Europa.

München -"China gewinnt dramatisch an Bedeutung", sagt Peter Bauer, Vorstand für Marketing und Sales bei Infineon , im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". 2007 oder spätestens 2008 will der Halbleiter-Hersteller die Hälfte seines Umsatzes in Asien erwirtschaften.

"Asien wird Europa als wichtigsten Absatzmarkt überrunden", sagte der Vorstand. Wie hoch der Anteil derzeit ist, sagte er jedoch nicht. Er hoffe indes, dass in China der Patentschutz verbessert werde. "Das ist eine absolute Grundvoraussetzung dafür, dass sich der Markt weiter so stark entwickelt wie bisher."

Die Globalisierung habe auch die Konsequenz, dass sich Arbeitsplätze in Richtung Osten verschöben. Infineon verschiebe auch seinen Schwerpunkt der Forschung und Entwicklung nach Osten. "Die Zeiten, in denen China nur die verlängerte High-Tech-Werkbank war, sind vorbei." Auch im Verhältnis zu den Kunden sei es in China wichtig, vor Ort die gesamte Wertschöpfungskette anzubieten. Sonst werde man als Komplettanbieter nicht wahrgenommen.

"Halbwertzeit neuer Technologien äußerst begrenzt"

Bauer rechnet damit, dass in den nächsten Jahren der Chipmarkt in China jährlich um durchschnittlich 22 Prozent wachsen wird, der Weltmarkt werde nur um 12 Prozent zulegt, sagte Bauer. Der Vorstand schätzt zum Ende dieses und im ersten Quartal des kommenden Jahres jedoch mit einer Abflachung des weltweit noch immer starken Wachstums der Halbleiterbranche. 2005 werde nicht mit einem Abschwung in der Chipindustrie gerechnet, sagte Bauer. Allerdings dürften die Wachstumsraten schwächer ausfallen. Analysten hoffen Bauer zufolge auf ein Marktwachstum von acht bis zwölf Prozent.

Einen neuen Preiskampf in Fernost befürchte er indes nicht: "Wir werden die Marktanteile nicht pushen, indem wir die Preise ruinieren." Chips für die Kommunikations- und Autotechnik sowie Speichertechnik gewännen an Bedeutung. "Das sind unsere klassischen Geschäftsfelder."

Bauer verteidigte die Entscheidung, das 300-Millimeter-Know-How durch die Partnerschaft mit SMIC zu teilen, der auch Infineon-Konkurrenten beliefert. "In China muss man damit rechnen, durch regionale Kooperationen neue Konkurrenten aufzubauen."

Allerdings sei die Halbwertzeit neuer Technologien äußerst begrenzt. "Die neuesten Technologien sind in wenigen Monaten schon veraltet. Dann bringt sie auch dem, der sie kopiert, nichts mehr. Der mögliche Schaden hält sich also in Grenzen", sagte Bauer.

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