Kabel Deutschland Großfusion abgeblasen

Der größte TV-Kabelnetzbetreiber in Deutschland lässt seine Fusionspläne mit Ish, Iesy und Kabel BW fallen. Das Unternehmen hat seinen Antrag zurückgezogen – eine herbe Niederlage für KDG-Chef Roland Steindorf. Wie geht es nun weiter?

Bonn - Die Übernahme der Kabelgesellschaften Ish (Nordrhein-Westfalen), Iesy (Hessen) und Kabel BW (Baden-Württemberg) durch den Marktführer Kabel Deutschland (KDG) ist vom Tisch. Kabel Deutschland wolle das Fusionsvorhaben nicht weiterverfolgen und habe daher seinen Antrag beim Bundeskartellamt zurückgezogen, teilte die Behörde am Mittwoch mit. "Das liegt uns von KDG schriftlich vor", sagte ein Kartellamts-Sprecher.

Durch den Zusammenschluss der vier Gesellschaften KDG, Ish, Iesy und Kabel BW sollte der größte TV-Kabelanbieter Deutschlands entstehen. KDG, das bisher zehn Millionen Haushalte mit Kabelfernsehen versorgt, wollte 2,7 Millionen Euro für die drei Netzbetreiber der Ebene drei zahlen. Wie KDG betreiben sie die regionalen TV-Netze. Kabelnetzbetreiber der Ebene vier sorgen wiederum für die Verbindung zu den einzelnen Haushalten.

Wie ein Sprecher des Kartellamtes weiter sagte, werde KDG keinen Antrag auf eine Ministererlaubnis stellen können, um die Fusion bei einer Ablehnung doch noch zu retten. Eine solche Erlaubnis könne nur beantragt werden, wenn das Kartellamt ein Fusionsvorhaben untersagt habe. Wird der Antrag schon vor der endgültigen Entscheidung zurückgezogen, ist nach Angaben des Kartellamts auch kein Antrag auf Ministererlaubnis mehr möglich.

Wiederholt negative Signale

Die Bonner Kartellwächter hatten bereits vor einigen Wochen Bedenken wegen der Marktdominanz angemeldet. Zuletzt berichteten Medien, das Amt wolle der Fusion nicht zustimmen. Bis zum 7. Oktober hätte die Kartellbehörde noch Zeit gehabt, sich zu entscheiden.

Bei der KDG war man zunächst von den Aussagen des Kartellamtes überrascht. Die KDG habe ihren Antrag auf Übernahme von drei Konkurrenten beim Kartellamt nicht offiziell zurückgezogen, hieß es am Mittwochvormittag, einige Stunden später bestätigte das Unternehmen, den Antrag zurückgezogen zu haben.

Das Unternehmen reagiere damit auf die wiederholt negativen Signale vom Bundeskartellamt, das trotz der weit reichenden Zugeständnisse keine positive Bewertung der Zusammenschlüsse abgegeben habe, hieß es in einer Pressemitteilung. Die Entscheidung sei im Einvernehmen mit den Verkäufern der drei Gesellschaften erfolgt.

In Übereinstimmung mit den Konditionen der im Sommer begebenen Anleihe über 250 Millionen Euro und der Anleihe über 610 Millionen Euro (beide mit einer Laufzeit bis 2014) werde das Unternehmen innerhalb von zehn Werktagen ein Angebot zum Rückkauf der Anteile zum Kurs von 100 Prozent plus anteilige, noch nicht ausbezahlte Zinsen vorlegen.

Operatives Geschäft läuft wie bisher

Für KDG-Chef Roland Steindorf ist damit sein Großprojekt gescheitert. Derweil wird bereits spekuliert, Ish, Iesy und Kabel BW könnten sich zusammenschließen, um sich unter anderem eine bessere Position bei den Verhandlungen mit den Kabelnetzbetreibern der Ebene vier und den Inhalteanbietern zu verschaffen.

"Alles ist möglich", heißt es bei Ish. Doch zunächst bedauert das Unternehmen die geplatzte Fusion. Das Unternehmen habe sich von einem Zusammenschluss viele Vorteile erhofft, sagte eine Sprecherin. Eine weitere Selbständigkeit sei ebenso möglich wie die Fusion zweier oder mehrerer Kabelunternehmen oder ein einfacher Verkauf.

"Bei uns geht das operative Geschäft normal weiter", heißt es bei Kabel BW. Wie Sprecher Axel Dürr im Gespräch mit manager-magazin.de sagte, wolle Kabel BW seine Modernisierungsstrategie fortsetzen. Man habe ein Drittel der bisherigen Haushalte, die zu den Kunden des Betreibers gehören, inzwischen mit einem modernen Kabel ausgestattet, das Internet- und Rückkanalfähig sei sowie Telefonie anböte. Für die Gesellschafter sei jedoch der Verkauf an die KDG wichtig gewesen. Nun müsse ganz von vorne überlegt werden.

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