Werbe-E-Mails 17 Milliarden Spam-Mails in Europa

Der Ärger kommt per E-Mail. Mit immer perfideren Methoden verschicken Spammer unerwünschte Werbe-E-Mails. Dabei nutzen die Absender von Spam immer häufiger "entführte" PCs von ahnungslosen Nutzern, um ihre Inhalte im Netz zu verbreiten. Mit schwarzen und weißen Listen wollen nun die Spam-Gegner der Plage Herr werden.

Frankfurt am Main - "Viagra" oder "Nigeria-Connection", unerwünschte Werbe-E-Mail (Spam) stören und nerven, und ein Ende der Plage ist immer noch nicht in Sicht. Auch wenn das US-Unternehmen Message Labs für August erstmals einen leichten Rückgang von Spams meldete. So seien "nur" 84,2 Prozent der E-Mails vom Softwarefilter des Unternehmens als Spam klassifiziert worden, hieß es. Im Juli 2004 waren es noch 94,5 Prozent.

Den Rückgang begründen die Experten damit, dass immer mehr Firmen Anti-Spam-Software einsetzten. Die Filter suchen nach bestimmten Kennzeichen, leiten E-Mails in Spam-Ordner oder lassen sie gar nicht erst zu den Empfängern durch. Dass dabei so manch eine wichtige Benachrichtigung verloren gehen kann, ist das eingegangene Risiko. Kein Wunder also, wenn sich immer mehr Unternehmen oder Personen wieder für das Fax entscheiden.

Die Filter suchen indes nach bestimmten Wörtern oder Wortkombinationen, ob Wörter in Großbuchstaben geschrieben sind, oder sie fahnden nach dem Absender. Steht dieser möglicherweise auf einer "Black List", einer Liste, die die vermeintlich "bösen" Server benennt, von denen bekannt ist, dass sie Spam-Mails verschicken, wird die E-Mail aussortiert.

"Entführte" Computer

Gerade Letzteres erweist sich allerdings zunehmend als schwierig, denn auch die Methoden der Spammer werden diffiziler. So nutzen die Absender von unerwünschten Werbe-E-Mails immer häufiger "entführte" PCs von ahnungslosen Nutzern, um ihre Inhalte im Netz zu verbreiten. "Rund ein Drittel des Spam stammt inzwischen von "unschuldigen" Systemen, die durch Computerviren oder Würmer gekidnappt wurden", sagte Gernot Hacker, Technologiechef des Sicherheitssoftware-Unternehmens Sophos.

"Die Verschleierung der Quelle und des Ziels von Spam war schon immer teuer", sagte Hacker. "Kidnapping von Systemen ist die neueste Methode." Die meisten unerwünschten Werbemails stammen laut Hacker aus den USA (42,5 Prozent). Danach folgen Südkorea (15,4 Prozent), China und Hongkong (11,6), Brasilien (6,2), Kanada (2,9), Japan (2,9) und Deutschland (1,3). Vor diesem Hintergrund seien internationale Abkommen notwendig, da Spam von überall aus der Welt gesendet werden könne.

Schon bald 23 Milliarden Spam-Mails

Schon bald 23 Milliarden Spam-Mails

In Europa stammt nach Berechnungen von IDC bereits jede dritte E-Mail von einem Spam-Versender. "In 2004 werden in Europa 17 Milliarden Spam-Mails verschickt. Diese Zahl wird bis 2007 auf 23 Milliarden anwachsen", sagte Thomas Raschke, Analyst von IDC.

Steigen werde auch die Zahl von Computerviren und Würmern, da inzwischen schon Kinder mit Hilfe von so genannten Construction Kits aus dem Internet die Schadensprogramme mit einigen Mausklicks neu zusammenstellen und ins Netz senden könnten.

Bisher sieht es jedoch mit einem einheitlichen Vorgehen gegen Spams düster aus. So mag die Rechtsprechung sich hier zu Lande zwar weiterentwickeln, doch was nutzt es gegen die Versender in Russland und Co.? Ein deutsches Gericht hat dort nichts zu sagen.

Microsoft blitzt mit ID-Sender ab

So sind Unternehmen, E-Mail-Service-Anbieter, Softwareexperten und Provider dabei, die Anti-Spam-Mauern immer höher zu ziehen. Dafür holte sich AOL beispielsweise kürzlich mit dem Kauf des Spam-Schutzexperten Mailblocks Unterstützung. Auch die Softwarefirma Symantec übernahm einen weiteren Anti-Spam-Experten, das Unternehmen Turntide. Yahoo rief derweil im vergangenen Sommer zum zweiten Anti-Spam-Tag auf, um über das Thema zu informieren. Microsoft verklagt indes Spammer. Mit seinem Vorhaben, das Projekt "Sender-ID" als Standard zu verbreiten, hatte der Konzern jedoch kein Glück.

Bei diesem Verfahren sollen in einer Datenbank Adressen von Computern festgehalten werden, die berechtigt sind, E-Mails zu verschicken. Das soll die Konstruktion von Filtersoftware erleichtern. Der weltweit größte Softwarekonzern blitzte allerdings beim maßgeblichen Gremium, Internet Engineering Task Force, ab, da das System nicht frei verfügbar, sondern nur gegen Zahlung von Lizenzgebühren nutzbar gemacht werden sollte.

"White List" für die Guten

Der deutsche Verband für Internetwirtschaft Eco setzt sich derweil zusammen mit dem Deutschen Direktmarkting Verband für die Erstellung einer so genannten White List ein. Auf seinem Anti-Spam-Kongress an diesem Mittwoch soll das Register für die "guten" Namen ins Leben gerufen werden. Es soll diejenigen Adressen auflisten, die ganz offiziell werben dürfen. Ob das allerdings hilft, ist fraglich.

Denn zum einen dürften die E-Mails der "Guten" zunächst auch in den Filtern hängen bleiben, zum anderen ist mit einer derartigen Liste der Flut der "Bösen" noch längst nicht Einhalt geboten. So bleibt letztendlich einfach nur das Ziel, die Hürden für Spammer immer höher zu setzten, so dass es immer schwieriger und aufwändiger wird, die Werbebotschaften an die Zieladresse zu bringen. Das Ergebnis könnte sein, dass der Aufwand dann irgendwann nicht mehr im Verhältnis zu den Kosten steht.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.