Kirch-Insolvenz Axel Springer stockt bei ProSiebenSat.1 auf

Das Verlagshaus hat sich auf einen Vergleich mit dem Insolvenzverwalter der Kirch-Gruppe geeinigt. Axel Springer erhöht seinen Anteil bei der Sendergruppe ProSiebenSat.1 und verzichtet auf eine Put-Option. Auch Universal hat seinen Rechtsstreit beigelegt.

München/Berlin - Über zwei Jahre ist es her, dass Leo Kirch einen Insolvenzantrag stellte. Seitdem wurde gefeilscht, nach Rettungs- oder Verkaufsmöglichkeiten gesucht. Nun hat sich der Axel Springer Verlag  mit Insolvenzverwalter Michael Jaffé auf einen Vergleich verständigt. Damit sei der Weg frei für eine endgültige Abwicklung des Insolvenzverfahrens, erklärte Jaffé am Freitag.

Springer betätigte, dass das Verlagshaus auf die Ausübung seiner Verkaufsrechte (Put-Option) für die gehaltene ProSiebenSat.1-Beteiligung verzichtet. Stattdessen stocke der Medienkonzern seinen Anteil an der Sendergruppe von derzeit 10,2 Prozent auf zwölf Prozent auf und erhalte zusätzlich gut 60 Millionen Euro von der KirchMedia-Tochter Taurus TV.

Darüber hinaus wird für Springer den Angaben zufolge durch den Insolvenzverwalter der KirchMedia eine Forderung von 325 Millionen Euro anerkannt, die im weiteren Insolvenzverfahren berücksichtigt werde. Nach Angaben des Insolvenzverwalters beliefen sich die Gesamtforderungen von Springer aus der Put-Option, für die nun ein Vergleich gefunden wurde, auf 894 Millionen Euro.

Universal beendet Rechtsstreit

Springer-Sprecherin Edda Fels bezeichnete den Vergleich als "höchst erfreulich". Im Gegensatz zu vielen anderen Beteiligten gehe der Verlag als Gewinner aus den Verhandlungen hervor, sagte sie auf Anfrage. Mit der Wertentwicklung der ProSiebenSat.1-Beteiligung sei Springer sehr zufrieden. Zwar sei das TV-Engagement nicht Kerngeschäft des Verlages, kurz- und mittelfristig sei aber nicht an einen Verkauf der Beteiligung gedacht.

Neben Springer stimmte mit dem US-Filmstudio Universal ein weiterer Großgläubiger einem Vergleich zu, wie Jaffé bekannt gab. Gegen Zahlung eines nicht genannten Betrages beende Universal den in den USA anhängigen Rechtsstreit und verzichte auf alle weiteren Ansprüche gegenüber Taurus TV und anderen Unternehmen der ehemaligen Kirch-Gruppe. Universal forderte rund 500 Millionen Dollar aus dem Verkauf von Spielfilmrechten.

Der Insolvenzplan werde durch den Verkauf einer Beteiligung finanziert, die durchgerechnet einem Anteil von 12,9 Prozent am Grundkapital der ProSiebenSat.1 AG entspreche, erklärte der Insolvenzverwalter. Käufer sei die P7S1 Holding, die von dem Konsortium um den Medienunternehmer Haim Saban kontrolliert wird. Die Holding hatte im August bereits 36 Prozent des Grundkapitals und 72 Prozent der Stimmrechte von ProSiebenSat.1 übernommen.

Nach Angaben des Insolvenzverwalters Jaffé soll die Taurus TV nach der Aufhebung des Insolvenzverfahrens als Zwischenholding fortgeführt werden. Verbleibende Verkaufserlöse stehen gesellschaftsrechtlich der KirchMedia zu.

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