AOL Eigener MP3-Player in Planung

Der Deutschland-Chef Stan Laurent plant einige Neuerungen für AOL. Während das Unternehmen im DSL-Markt seinen Platz als drittgrößter Anbieter hält, plant der Manager den Einstieg ins Hardwaregeschäft. Auch Internet-Telefonie soll demnächst zum Portfolio gehören.

Hamburg - Der Internetanbieter AOL Deutschland sucht nach neuen Geschäftsfeldern. "AOL wird im nächsten Jahr zu einem anderen Unternehmen werden", sagte Deutschland-Chef Chef Stan Laurent der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Der Manager hat in der Vergangenheit für einige gravierende Änderungen gesorgt, indem er den Dienst AOL auch für nicht AOL-Kunden öffnete. "Wir arbeiten daran, unsere Dienstleistungen unabhängig von der Hardware und vom Netz zu erbringen", so Laurent.

Nun kündigt er an, dass AOL sich im Markt für Internet-Telefonie aufstellen, sowie in den Hardwaremarkt einsteigen will. Mit einem eigenen MP3-Player will der deutsche Ableger des US-Unternehmens AOL Time Warner  vom Boom im Musikmarkt profitieren. Ähnlich wie Apple , Sony  und Microsoft  soll es ein Musikabspielgerät zum eigenen Musikladen geben. Zwischen 150.000 bis 200.000 Musikstücke verkaufe AOL per Internet im Monat, heißt es in dem Bericht.

Bis zum Jahresende werde AOL auch in Deutschland ins Telefongeschäft einsteigen, kündigte Laurent an. In den USA testet AOL derzeit ein Angebot für Telefongespräche über das Internet (Voice over IP).

"Internet-Telefonie ist ein Bespiel, wie das Internet in ein anderes Geschäftsfeld einsteigt", sagte Laurent. "Das wird sich ausbreiten, da das Internet das effizienteste Netz für interaktive Anwendungen ist." Bis das Telefonieren über das Internet-Protokoll (IP) einen Massenmarkt erreicht, werde es jedoch noch einige Zeit dauern. Eine Voraussetzung dafür wäre auch, dass das Internet nicht als zweite Leitung neben dem Festnetzanschluss bestehe. "Die Herausforderung heißt, DSL zum Haupttelefonanschluss zu machen und die Sprachqualität auf ISDN-Niveau zu bringen."

Derzeit liefert sich AOL mit der Konkurrenz einen harten Preiskampf bei den Breitbandanschlüssen. "Wir haben inzwischen rund 600.000 DSL-Kunden und erleben weiterhin ein schnelles Wachstum", sagte Laurent. Im April hatte das Unternehmen rund 500.000 Nutzer unter Vertrag.

AOL rangiert damit unter den Internet-Zugangsanbietern in Deutschland nach Marktführer T-Online  und United Internet  auf Platz drei. Erst vor einigen Wochen kündigte AOL an, mit QSC zusammenzuarbeiten. QSC betreibt in einigen Regionen ein eigenes Netz und bietet bereits IP-Telefonie an. Der Fokus liegt dabei auf Geschäftskunden.

Obwohl der Markt hart umkämpft ist und die Sonderangebote deutlich auf den Gewinn drücken, soll auch in diesem Jahr die Bilanz für AOL Deutschland profitabel ausfallen. Für das vergangene Jahr hatte das Unternehmen erstmals seit der Unternehmensgründung 1995 schwarze Zahlen ausgewiesen. Zuletzt wies der Mutterkonzern Time Warner im zweiten Quartal für AOL konzernweit einen gestiegenen Umsatz aus. Die Kundenzahl war jedoch um 668.000 auf 23,4 Millionen zurückgegangen. In Europa ging die Zahl um 88.000 auf 6,3 Millionen Nutzer zurück.

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