Oracle Verdacht auf Insiderhandel

Nicht nur Peoplesoft zwingt Oracle derzeit vor Gericht, nun wurde auch eine Klage gegen das Softwareunternehmen wegen Insiderhandel und zu optimistischer Prognosen zugelassen. Die Sammelklage richtet sich besonders gegen Chef Larry Ellison und Chairman Jeff Henley.

Redmond - Oracle  kämpft vor Gericht. Am Donnerstag ließ ein Berufungsgericht in San Fransico eine Klage wegen möglichen Insidergeschäften sowie zu optimistischer Prognosen zu. Die Sammelklage von Aktionären richtet sich insbesondere gegen Konzernchef Larry Ellison und Chairman Jeff Henley. Das Gericht setzte damit eine Entscheidung in niedrigerer Instanz außer Kraft.

Wie US-Medien berichten, werfen die Aktionäre Ellison und Henley vor, kurz vor einer Umsatzwarnung, Aktien verkauft zu haben. Dabei soll der Konzernchef Anfang 2001 Papiere im Wert von 850 bis 900 Millionen Dollar, Henley soll dagegen eine Million Aktien verkauft haben.

Der Richter des Berufungsgerichts befand dieses Vorgehen als verdächtig, die Umsatzprognosen im Jahr 2000 seien zudem übertrieben positiv ausgefallen. Oracle selber wehrt sich. Die Vorwürfe entbehrten jeglicher Grundlage. Das Unternehmen sei sich sicher, dass sich der Konzern im Prozess durchsetzen könne.

Noch Ende 2000 hatten Ellison mit guten Geschäftszahlen und Prognosen aufgewartet und erklärt, der Einbruch des Marktes kratze kaum an Oracle. Für das zweite Quartal 2000 (Ende 30. November) legte er mit 623 Millionen Dollar ein Gewinnplus von 62 Prozent vor. Auch der Umsatz war damals um 15 Prozent gestiegen. Henley prognostizierte für das dritte Quartal einen Gewinn je Aktie von zwölf Cent und für das vierte Quartal sogar von 20 Cent.

Nur wenige Monate später zeigte sich der Konzernchef ernüchtert. Anfang März gab das Unternehmen eine Gewinnwarnung aus. Einige Tage später wies Oracle einen Gewinn pro Aktie von zehn Cent aus. In Fernsehinterviews erklärte Ellison, dass die Monate Dezember und Januar besser als erwartet verlaufen seien.

Noch bis kurz vor Quartalsabschluss Ende Februar hätte niemand mit einem Einbruch gerechnet. In den letzten beiden Februarwochen seien dann Aufträge verschoben worden, mit denen Ellison offenbar fest gerechnet hatte. Dass Ellison Aktien im Wert von rund 850 Millionen Dollar verkauft hatte, war Ende Januar bekannt geworden.