Microsoft Mit Fortissimo in den Musikmarkt

Der Redmonder Konzern mischt nun auch in der Musikwelt mit. Microsoft greift Apples I-Tunes Musicstore an und will ihm Konkurrenz machen. Dafür startet der Konzern zunächst eine Beta-Version des MSN Music Stores mit einer halben Million Songs. Ab Mitte Oktober sollen es schon über eine Million sein.

Redmond - Spät steigt auch Microsoft  in den bereits dicht besetzten Online-Musikmarkt ein. Der weltweit größte Softwarekonzern hat am Donnerstag die Beta-Version seines Musicstores gestartet. Das Angebot ist in die MSN-Seite integriert und bietet den legalen Download von Songs für je 99 Cent an.

Unbestrittener Marktführer ist immer noch Apple  mit seinem I-Tunes Musicstore, der eng an sein kultartiges Abspielgerät I-Pod gekoppelt ist. Apple beherrscht derzeit 70 Prozent des Marktes und konnte den I-Pod-Verkauf im zweiten Quartal 2004 auf 830.000 Stück verdreifachen.

Auch Microsoft setzt auf die Kombination von Online-Shop und Abspielgerät. Das Unternehmen hatte bislang keinen eigenen Player. Der Agentur Bloomberg zufolge will Microsoft ab sofort den "Portable Media Center Zen" des Herstellers Creative über Amazon.com und Bestbuy.com vertreiben. Das Gerät mit Windowsplattform soll etwa 500 Dollar kosten.

Anders als beim I-Pod, der nur Lieder vom I-Tunes Musicstore abspielen kann, oder dem Sony Vaio Pocket, der eng an die Internetmusikladen Sony Connect gebunden ist, soll die Verknüpfung zwischen dem MSN Musicstore und dem Player aussehen. Das Microsoft-Gerät kann auch von allen Musikshops, die mit dem Microsoft-Musik-Format arbeiten, Songs abspielen. Dazu gehört beispielsweise die kommende Napster-Version.

Derweil wird der neue Musikladen von Microsoft in den USA getestet. Die Beta-Version ist dort ab sofort erreichbar, zunächst mit einer halben Million Songs ausgestattet, die mit dem Windows Media Player oder dem Microsoft Internet Explorer heruntergeladen werden können. Gleichzeitig bringt der Konzern die Version 10 seines Media Players auf den Markt. Die Tracks liegen im Windows Audio-Format vor und können auf dem PC und verschiedenen portablen Playern genutzt werden.

Microsoft greift nicht nur Apple an

Bis die Finalversion Mitte Oktober in den USA online geht, sollen noch zusätzliche Funktionen abrufbar gemacht werden: Insgesamt soll eine Million Songs erhältlich sein sowie eine Community mit Chat eingerichtet werden. "Unser Ziel mit dem MSN Musik-Service ist es, digitale Musik einem Massenpublikum zugänglich zu machen, indem wir, wie wir glauben, den größten und qualitativ besten Katalog legaler Musik im Internet anbieten", sagt MSN-Chef Yusuf Mehdi.

Doch Apple ist in diesem Feld nicht der einzige Konkurrent. Napster, Realplayer Music Store, Walmart.com und Sony Connect sind ebenfalls Gegner im Online-Musikgeschäft. Roxio, der Betreiber von Napster, testet beispielsweise gerade eine Download-Flatrate. Mit ihr können Abonnenten für 14,95 Dollar einen Monat lang unbegrenzt legal Musik herunterladen. Das Feature "Napster to go" soll in seiner endgültigen Version zu einem Preis, der noch bekannt gegeben wird, ab Herbst verfügbar sein.

Nach Schätzungen der Marktforschung Jupiter Research wird der Online-Musikmarkt von heute 270 Millionen Dollar bis zum Jahr 2009 auf insgesamt 1,7 Milliarden Dollar ansteigen. Dennoch sind das Hauptziel des MSN-Musikladens - genauso wie bei Apple - nicht die Einnahmen, die damit erzielt werden können. Vielmehr soll der Music Store als Lockmittel dienen, um neue Kunden an andere Microsoft-Dienste heranzuführen. "Uns hilft es, unsere Suchmaschine, MSN und Windows voranzutreiben", so Mehdi.

Genau diese Absicht könnte, wie auch schon in der Vergangenheit vorgefallen, zu Problemen mit der EU-Wettbewerbskommission führen. Microsoft wurde bereits wegen der engen Verknüpfung zwischen Media Player und Windows mit einer Strafe in Millionenhöhe belastet.