Kinomarkt Cinemaxx bereit zur Expansion

Deutschlands zweitgrößtes Kino-Unternehmen wagt, nach einer tiefen Krise wieder an Expansion zu denken. Mit dem Münchener Investor Herbert Kloiber im Rücken fühlt sich Cinemaxx gestärkt. Die Börse honoriert es.

Hamburg - Geringere Mietkosten, gestiegene Besucherzahlen und die Aussicht auf "eine schwarze Null" am Jahresende ließen den Cinemaxx-Aktienkurs am Mittwoch rasch um etwa 10 Prozentpunkte ansteigen. Vorstandschef Hans-Joachim Flebbe äußerte sich der Presse gegenüber zuversichtlich, dass Cinemaxx  in nächster Zukunft expandieren könne.

"Mit unserem neuen Investor im Rücken denken wir nun sogar wieder über Übernahmen nach", sagte Flebbe zum "Hamburger Abendblatt". "Derzeit laufen Gespräche mit Immobilienbesitzern, die mit den bisherigen Filmtheaterbetreibern in ihren Häusern unzufrieden sind." Mit welchen Kinos er redet, behält er jedoch für sich.

Schon im Juli hat der Münchener Medien- und Fernsehunternehmer Herbert Kloiber einen 20-Millionen-Euro-Kredit bei der Dresdner Bank übernommen. Nun will er seine Cinemaxx-Investition in Gesellschaftsanteile umwandeln, wodurch er die Hälfte der knapp 35 Prozent Anteile Flebbes erhielte. Ob Kloiber dann größter Aktionär wird, entscheidet sich jedoch erst auf der Hauptversammlung am 26. Oktober.

2003 hatte das Hamburger Unternehmen noch einen Konzernverlust von rund 16,1 Millionen Euro verbucht, nach einem Fehlbetrag von 25,1 Millionen Euro 2002. Die Entwicklung des ersten Halbjahres 2004 zeigt nun endlich einen leichten Aufschwung. Für die ersten sechs Monate wies Cinemaxx ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 0,6 Millionen Euro aus, ein Jahr zuvor waren es noch ein Minus von 1,7 Millionen Euro.

Das Betriebsergebnis weist jedoch noch einen Fehlbetrag von 2,1 Millionen Euro aus. Dennoch äußerte sich Flebbe gegenüber der "Financial Times Deutschland" (FTD) nach der schweren Krise des Unternehmens optimistisch über das Gesamtjahresergebnis 2004: Er erwarte "leichte Verluste, vielleicht eine schwarze Null".

Deutscher Kinomarkt erholt sich

Der Aufschwung erfasst indes die gesamte Branche, die zwar weiterhin wegen der zu großen Kinodichte und zunehmender Konkurrenz durch Heimkino mit DVDs unter Druck steht. Doch nach Angaben der Filmförderungsanstalt gingen im Vergleich zum Vorjahr in den ersten sechs Monaten 2004 allein in Deutschland eine Million mehr Besucher ins Kino, was insgesamt 72,3 Millionen Zuschauer ausmacht. Der Branchenumsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um sechs Millionen Euro auf 420 Millionen Euro.

Die zweitgrößte Kinokette in Deutschland mit 35 Kinokomplexen rechnet jedoch nicht nur aufgrund steigender Besucherzahlen mit einer Ergebnisverbesserung, sondern auch wegen geringerer Mietkosten. Vorstand Flebbe sagte der "FTD": "Wir konnten die Mietbelastung von 52 Millionen Euro pro Jahr auf 36 Millionen Euro senken." In den meisten Cinemaxx-Kinos orientiere sich die Miete jetzt am Umsatz.

Branchen-Konsolidierung in Europa

Auch der Fimtheater-Konzern UCI hat einen neuen Eigentümer gefunden. Die Beteiligungsgesellschaft Terra Firma übernimmt von Viacom  und Vivendi Universal  den Großteil der Kinokette. UCI betreibt 86 Kinos in Deutschland, Großbritannien, Irland, Spanien, Portugal, Italien und Österreich. Nicht übernommen werden UCI-Kinos in Japan, Brasilien und Taiwan. Diese werden nach Angeben separat verkauft oder bleiben im Besitz der bisherigen Eigentümer.

Zudem kauft Terra Firma die Kette Odeon Film , die 97 Kinos vor allem in Großbritannien unterhält. Odeon gehört zu 43 Prozent der WestLB und zu 22 Prozent der Entertainment Film Group. Der Immobilieninvestor Robert Tchenguiz hält die restlichen 35 Prozent. Als Preis wurden in der britischen Presse bereits Anfang der Woche 182 Millionen britische Pfund für UCI, beziehungsweise 400 Millionen britische Pfund für Odeon genannt.

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