Ebay LKA ermittelt wegen Domainklau

Wer die Domain www.ebay.de am vergangenen Wochenende für ein paar Stunden entführt hat, ermittelt derzeit das LKA Niedersachsen. Der Provider, der die gekaperte Domain einige Stunden gehosted hatte, räumt ein seine Prüfungspflicht vernachlässigt zu haben.
Von Susanne Schulz

Hannover - Seit dem Wochenende ermittelt das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen in der Sache Ebay-Domainklau. "Wir gehen verschiedenen Spuren innerhalb Niedersachsens nach", erklärt LKA-Sprecher Frank Federau im Gespräch mit manager-magazin.de.

Ebay  war noch am Wochenende an das Bundeskriminalamt herangetreten, es solle den Schuldigen finden. Das Amt leitete das Anliegen an das LKA Niedersachsen weiter. "Wir ermitteln wegen Computersabotage, worauf per Gesetz bis zu fünf Jahre Haft oder Geldstrafe drohen", sagt Federau.

Von Freitagabend bis Samstagmittag war unter www.ebay.de die Seite des Internetauktionators nicht mehr erreichbar. Stattdessen tat sich die Seite eines Webclans für Spiele auf. Gleichzeitig liefen jedoch die Versteigerungen bei Ebay im Hintergrund weiter, ohne dass geboten werden konnte. Ebay-Verkäufer haben dadurch möglicherweise hohe Verluste erlitten. "Hier könnte es, je nach Vertragsverhältnis zwischen Ebay und den Verkäufern, zu Schadensersatzforderungen kommen", sagt Rechtsanwältin Petra Marwitz aus Frankfurt.

Fehler im System

Ebay hingegen könne gegen seinen Provider Tucows in Toronto möglicherweise Regress fordern, so die Internetrechtlerin. Tucows hatte durch sein fehlendes Nein zum Domainumzug die Malaise erst herbeigeführt. "Nachdem die unautorisierte Anfrage bei uns einging, hatte unser System eine Fehlfunktion", berichtet Jacqueline Cook, Director Marketing bei Tucows, gegenüber manager-magazin.de. "Der Antrag wurde nicht entsprechend erkannt und deshalb nicht abgelehnt." Das System sei inzwischen modifiziert und der Fehler behoben worden.

Der Provider hatte vom Deutschen Network Information Center (Denic), das für die Registratur der ".de"-Top-Level-Domains zuständig ist, den Antrag auf Providerwechsel zum deutschen Provider Intergenia erhalten und fünf Tage lang nicht darauf reagiert. "Keine Reaktion nach fünf Tagen wird von uns automatisch als Zustimmung gewertet", konstatiert Denic. Anwältin Marwitz entgegnet, dass dies nicht üblicher Rechtspraxis entspräche: "Normalerweise wird Schweigen nicht als Zustimmung, sondern als Ablehnung gewertet." Doch in diesem Falle könne es von Seiten des Denic Bestimmungen geben, die das Gegenteil besagen.

Denic sieht die Schuld bei den Providern. Diese hätten prüfen müssen, ob der Antragsteller auch wirklich der Inhaber der Domain ist. Intergenia gibt derweil zu, dass sie die Prüfungspflicht vernachlässigt hat: "Diesen Schuh müssen wir uns anziehen", sagte Intergenia-Vorstand Thomas Strohe der Online-News-Seite "heise.de".

Als Mitglied bei Denic sei aber auch Intergenia laut Denic-Statut dazu verpflichtet, die Identität der Domaininhaber zu checken, bevor dieser mit einer Domain auf ihren Provider umzieht. Weitere Auskünfte darüber, wer den Antrag auf die Ebay-Domain bei Intergenia gestellt hat dürfe das Unternehmen nicht geben, da das LKA diese Spur derzeit weiterverfolge.