IT-Berater Konsolidierung in der Warteschleife

Das Geschäft rund um IT-Dienstleistungen ist hart umkämpft. US-Unternehmen planen den Einstieg in Deutschland und suchen geeignete Übernahmekandidaten. Gerade hat Ciber den IT-Berater Novasoft übernommen. Dennoch ist die viel beschworene große Konsolidierungswelle bisher ausgeblieben.

Hamburg - Die Erwartungen waren hoch. Noch vor wenigen Monaten sagte das Marktforschungsinstitut Gartner voraus, dass rund 15 IT-Töchter hier zu Lande im laufenden Jahr verkauft werden könnten. Doch die Bilanz sieht eher mager aus. Zwar wechselten einige IT-Systemhäuser großer Konzerne die Besitzer, doch die Luft wird dünn. KarstadtQuelle  ist zum Beispiel die Teilveräußerung nicht gelungen, stattdessen soll nun das Rechenzentrum outgesourct werden. Bei der RAG steht der Verkauf der IT-Abteilung ebenfalls noch aus.

Die prognostizierten zahlreichen Zusammenschlüsse sind jedoch ausgeblieben. "Es ist fast so, als ob sich die Branche in Wartestellung befindet", sagt Alfons Niebuer, Vorstand des Beratungshauses SMP AG, im Gespräch mit manager-magazin.de. Natürlich werden Unternehmen gekauft, doch die Zahl ist geringer als erwartet.

Gerade hat der US-Berater Ciber die Mehrheit an der deutschen Novasoft übernommen. "Die Amerikaner haben damit den Einstieg in Deutschland und Europa geschafft", sagt der Manager.

Für einige Branchenkenner ist das ein Zeichen, dass der Druck im SAP-Beratungsumfeld weiter steigt. Doch geeignete Übernahmekandidaten wie Novasoft zu finden, dürfte schwer sein, heißt es. Novasoft setzte im vergangenen Jahr 61,4 Millionen Euro um, rund 54,49 Millionen Euro hoch ist das Angebot für das SAP-Beratungshaus. Gegründet wurde es von Laszlo Gotthard und Georg Konrad, die es bis zuletzt auch kontrollierten. Bayer , BASF , Volkswagen , BMW , Allianz  und Nokia  gehören zu den Großkunden. 450 Beschäftigte zählt Novasoft.

Der Markt der IT-Dienstleister ist gespalten

Zurzeit kauften einige IT-Service-Unternehmen verschiedene IT-Abteilungen ein, aber das seien zum Teil Investitionen, um sich Aufträge zu sichern, sagt Peter O'Neill, Analyst bei dem Marktforschungsinstitut Meta Group. Als Beispiel nennt er Hewlett-Packard , das sich beispielsweise unlängst die ThyssenKrupp-Tochter Triaton und den britischen IT-Dienstleister Synstar einverleibte.

Auf Beutezug machen könnten sich ebenfalls kaufkräftige Konzerne wie IBM  und CSC. Zukaufen will auch der deutsche IT-Service-Experte PC-Ware. Das Leipziger Unternehmen plant bis zum Jahresende, die britische Firma Softcat zu übernehmen, beide Unternehmen haben gerade eine Absichtserklärung unterzeichnet.

Dennoch glaubt O'Neill, dass der Markt für IT-Service-Unternehmen sich nicht auf eine starke Konsolidierungswelle zubewegt. "Der Markt der IT-Dienstleister ist gespalten." Die zehn größten Anbieter weltweit hielten gerade mal 26 Prozent am Marktvolumen. "Die Branche bietet einfach zu viele Nischen und unterschiedliche Leistungsportfolios", so O'Neill. Da komme auch das Argument der kritischen Größe nicht zum Tragen.

Ein Klotz am Bein

Ein Klotz am Bein

Anders sehe das in der Softwarebranche aus. Die Konsolidierung sei dort im vollen Gange. Unternehmen kauften sich Wissen und Produkte ein. Bei den IT-Dienstleistern ginge es dagegen vor allem auch um Menschen und deren Zukunft. Das könne sich sogar als ein Hinderungsgrund für Übernahmen entpuppen, insbesondere dann, wenn der Markt von Überkapazitäten und einem harten Preiskampf bestimmt ist.

Wesentliche Probleme auf der Verwaltungs- und Vertriebsseite machten vor allem die Übernahme von IT-Dienstleistern - insbesondere von konzerneigenen - nicht attraktiv, sagt SMP-Vorstand Niebuer. "Gerade bei den IT-Töchtern von Konzernen stimmt häufig die Kostenstruktur nicht." Oft seien sie personell üppig dimensioniert, zudem fehle es an ausreichenden Aufträgen, um für eine Auslastung zu sorgen. Viele IT-Dienstleister hätten gerade in den vergangenen drei Jahren erfahren müssen, dass sich der Drittmarkt nicht so leicht erschließen ließe, um wegfallende interne Aufträge kompensieren zu können.

Ob eine Übernahme attraktiv sei, hänge auch von den teils komplizierten Regularien hinsichtlich der Betriebsübergänge, Kündigungsfristen und eventuell vorhandenen Arbeitsplatzsicherungszusagen ab. "Das sind keine leichten Verhandlungen, und wer möchte sich in einem schwierigen Markt schon einen Klotz ans Bein binden", so Niebuer.

Viele IT-Töchter von Konzernen böten zudem ein Sammelsurium an Dienstleistungen an, es fehle schließlich an einer klaren Fokussierung und Positionierung. Sprich, Unternehmen, die keinen USP (Alleinstellungsmerkmal) aufwiesen, hätten es schwer, einen Käufer zu finden. Eine Aufgabe für die IT-Systemhäuser müsse deshalb in der Zukunft sein, sich vom Bauchladen zu einem Unternehmen mit einem differenzierenden und kundenorientierten Leistungsportfolio zu wandeln.

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