Web-Apotheke Ebay nimmt Kampf mit Docmorris auf

Fast acht Monate nachdem in Deutschland der Online-Handel mit Arzneimitteln frei gegeben worden ist, betritt ein neuer Player den Markt. Ebay eröffnet am Donnerstag die Kategorie Medikamente. Verkaufen dürfen allerdings nur Apotheken.

Berlin - Das Online-Auktionshaus Ebay  ist in Deutschland zu einer der beliebtesten Internetadressen aufgestiegen. Laut einer Studie der Werbeagentur Young & Rubicam ist die Marke Ebay hier zu Lande inzwischen sogar populärer als Aldi.

Nennenswerte Netz-Konkurrenten gibt es kaum. Doch nun eröffnet Ebay ein neues Geschäftsfeld und nimmt damit den Kampf mit einem anderen erfolgreichen Internetpionier auf: der Web-Apotheke Docmorris, die derzeit über einen Börsengang nachdenkt.

Am Donnerstag wird die Berliner Ebay-Zentrale den Startschuss für die Kategorie Medikamente geben. "Bisher sind Arzneimittel bei uns tabu", sagt Stephanie Gerdes, Senior Managerin bei Ebay und für den Bereich Home & Family zuständig, im Gespräch mit manager-magazin.de. "Nun wollen wir auch den Handel mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten erlauben."

Wer jetzt denkt, Ebay öffne Tür und Tor für jedermann, um alte Medikamente loszuschlagen, der irrt. Anders als sonst bei Ebay üblich darf nur eine ausgewählte Gruppe Pillen und Salben verkaufen. "Handeln werden nur deutsche Apotheken, die eine offizielle Zulassung für den Internethandel haben", sagt Gerdes. Dabei stehe ihnen offen, ob sie das Auktions- oder das Festpreis-Verfahren wählten.

Docmorris ist Marktführer

Seit Anfang des Jahres ist in der Bundesrepublik der Online-Handel mit Medikamenten erlaubt - egal ob verschreibungspflichtig oder nicht. Die Konzessionen kann jedoch nicht jeder erlangen. So dürfen nur stationäre Apotheken den Internetvertrieb nutzen. Rund 500 bis 600 Apotheken haben sich bislang bundesweit ein derartiges Zertifikat besorgt. In den Handel eingestiegen sind allerdings deutlich weniger Apotheker.

Marktführer unter den Web-Apotheken in Deutschland ist nach wie vor das niederländische Unternehmen Docmorris, das laut Gerdes bei Ebay erstmal außen vor steht. Anfang Juli meldete Chef Ralf Däinghaus einen Umsatz von 63 Millionen Euro für das erste Halbjahr 2004 - 12 Millionen Euro mehr als im Gesamtjahr 2003. 140 Millionen Euro sollen es im Gesamtjahr 2004 werden.

Neben Docmorris sind mittlerweile eine Reihe anderer Angebote im Netz entstanden - meist Zusammenschlüsse mehrerer Apotheken, die sich die Kosten für den Aufbau des Internetvertriebs teilen. Zehn Anbieter hätten die Größenordnung, um sich längerfristig mit Docmorris messen zu können, heißt es beim Verband der Versandapotheken.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Das Marktpotenzial scheint groß, auch wenn es immer wieder warnende Stimmen gibt, nicht alles sei billiger im Netz, die Wartezeit bis zum Eintreffen der Medikamente zu lang und die Beratung zu schlecht.

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) rechnet in diesem Jahr für den Online-Vertrieb von Arzneimitteln mit einem starken Anstieg. Mehr als fünf Millionen Verbraucher seien daran interessiert, gesundheitsfördernde Mittel künftig per Mausklick zu bestellen, heißt es in einer Studie. Das Marktpotenzial wird auf rund 2,5 Milliarden Euro geschätzt.

Der Medikamentenhandel per Internet lockt derweil auch die großen Einzelhändler und Versandhäuser an. KarstadtQuelle  schickte sich beispielsweise vor einigen Monaten an, Docmorris zu übernehmen. Das Geschäft kam jedoch nicht zustande. Stattdessen vereinbarte der Konzern für sein Portal Karstadt.de eine Kooperation mit dem Anbieter Mycare.de.

Sicherheitsstufen eingebaut

Auch die Drogeriemarktkette DM verschickt neuerdings rezeptpflichtige Mittel. Dafür schloss das Unternehmen eine Partnerschaft mit der niederländischen Apotheke Europa Apotheek Venlo.

Ebay hat den viel versprechenden Markt nun offensichtlich lange genug studiert, um dessen Potenzial für sich heben zu wollen. Einige Apotheker hätten bereits den Status eines Powershoppers, berichtet Gerdes. Jedoch verkauften sie bislang hauptsächlich Kosmetika.

Ob bei Ebay - trotz des grundsätzlichen Erfolges - auch Kopfschmerz-, Magen- oder Schnupfenmittel künftig gut gehen werden, sei fraglich, meint ein Kritiker. Arzneimittelkauf habe viel mit Vertrauen zu tun.

Gerdes beteuert indes, die Sicherheitsstufen seien höher als bei den herkömmlichen Versteigerungen. So müssten die Apotheken ihre Zulassung für den Online-Handel vorweisen und sich verpflichten, gesetzesgemäß zu agieren. Auch seien die Adressen der Verkäufer einsehbar. Wer Medikamente kauft, wird aus datenschutzrechtlichen Gründen allerdings nicht öffentlich angezeigt.

"Wir hoffen auf die Selbstkontrolle der Anbieter untereinander", sagt Gerdes. Die Wettbewerber sollen darauf achten, dass die Konkurrenz die Medikamente nicht abseits von eventuellen Festpreisen verkauft oder dass unrechtmäßig verschreibungspflichtige Pillen angeboten werden. Ein Team von Ebay-Mitarbeitern soll zudem jeden Missbrauch ahnden. Über erwartete Umsätze oder Zahlen schweigt sich Gerdes aus.