Mittwoch, 18. September 2019

Bertelsmann 17-Milliarden-Dollar-Klage zugelassen

Universal Music und EMI haben sich vor Gericht durchgesetzt. Bertelsmann wird wegen seines Engagements bei der Internet-Musikbörse Napster verklagt. Ein US-Gericht in San Francisco hat die Klage am Mittwoch erlaubt.

Los Angeles - Eine US-Bundesrichterin in San Francisco hat am Mittwoch Anträge auf Abweisung von Klagen gegen ehemalige Investoren der früheren Musiktauschbörse Napster, darunter Bertelsmann, abgewiesen.

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Die Richterin Marilyn Patel entschied, die Kläger hätten das Recht, zu versuchen, ihre Vorwürfe zu beweisen. In den Klagen wird Bertelsmann und der Investmentfirma Hummer Winblad vorgeworfen, durch ihre Investitionen in Napster dessen Existenz verlängert zu haben.

Wegen des entgangenen Umsatzes sei der Musikbranche ein Schaden von rund 17 Milliarden Dollar entstanden. Unter den Klägern sind die Bertelsmann-Konkurrenten Universal Music und EMI. Sie werfen dem deutschen Unternehmen vor, mit seinem Engagement bei Napster den illegalen Vertrieb von urherberrechtlich geschützten Musiktiteln gefördert zu haben.

Ein Anwalt von Bertelsmann zeigte sich in Reaktion auf den Richterbeschluss zuversichtlich, dass sich die Vorwürfe als falsch herausstellen würden. Hintergrund der Klage ist ein Darlehen über 90 Millionen Dollar, das Bertelsmann der Musiktauschbörse im Jahr 2000 an die gewährte. Dadurch habe Napster acht Monate länger fortbestehen können als ohne Finanzspritze, so der Vorwurf.

Bertelsmann wollte damals - unter Führung von Thomas Middelhoff - Napster in einen legalen Abonnenten-Service umwandeln. Das Vorhaben misslang allerdings. Nachdem per Gerichtsbeschluss der Dienst eingestellt werden musste, schlidderte Napster in die Insolvenz. Inzwischen gehört die Marke dem US-Softwareunternehmen Roxio, der derzeit unter Napster ein legales Musikangebot aufbaut.

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