Siemens Sind ICN und ICM nur der Anfang?

Konzernchef Heinrich von Pierer geht, Klaus Kleinfeld kommt. Wie geht es nun mit Siemens weiter? Analysten gehen davon aus, dass der Zusammenschluss von ICN und ICM nicht die einzige Änderung sein wird. Ein Fusionskandidat könnte der IT-Dienstleister SBS sein.

München - Der Kronprinz ist nominiert. Klaus Kleinfeld wird den Chefposten bei Siemens  2005 übernehmen. Nun kann sich der (Noch)-Vorstandsvorsitzende Heinrich von Pierer getrost auf den Auftsichtsratsvorsitz vorbereiten.

Mit der Ankündigung, wer Siemens in den nächsten Jahren steuern soll, schickte der Münchener Konzern jedoch auch eine weitere Nachricht ins Feld: Die Festnetzsparte ICN und die Handysparte ICM sollen im Oktober fusionieren. Die beiden Bereiche umfassen das Geschäft rund um Festnetz-, Mobilfunk- und Kabelnetztechniken.

Mit dem Zusammenschluss der Festnetz- und der Mobilfunksparte folge Siemens dem Trend der Telekommunikationsunternehmen, sagte Siemens-Sprecher Peter Gottal gegenüber manager-magazin.de. Zu sehen sei das beispielsweise bei Konzernen wie der France Telecom  oder der British Telecom , die ihre Geschäftsbereiche umstrukturierten. "Wir folgen dem Markt", so Gottal.

Deklarierte Problemzonen

Allgemein trifft der Zusammenschluss von ICN und ICM bei Experten auf Zustimmung. Die Telekommunikationsbranche steht vor einem Umbruch, neue Technologien wie DSL, UMTS und IP-Telefonie verändern die Branche gravierend.

Lösungen, die die verschiedenen Techniken kombinieren, sind gefragt, nicht nur im Telco-Bereich, sondern auch in der Industrie. "Es ist jetzt der richtige Zeitpunkt für die Fusion", sagte von Pierer dem Nachrichten-Sender n-tv. Von der größeren Telekommunikationseinheit erhoffe er sich erhebliche Synergieeffekte.

Die Kommunikationssparte galt lange als Sorgenkind von Siemens. Beide Sparten setzten im ersten Quartal dieses Jahres zusammen 4,3 Milliarden Euro um. Davon erlöste ICM knapp drei Milliarden Euro bei einem Betriebsgewinn von 123 Millionen Euro. Zwar hatte auch ICN nach durchgreifenden Restrukturierungen schwarze Zahlen erreicht, allerdings erzielten weder ICN noch ICM die von von Pierer gesetzten Margen. ICN hatte unter anderem die Mitarbeiterzahl um 20.000 auf 33.000 Angestellte gesenkt.

Chef der fusionierten Sparte soll Lothar Pauly werden. Der bisherige ICN-Chef Thomas Ganswindt und sein ICM-Kollege Rudi Lamprecht rücken in den Zentralvorstand auf. Dass der Zusammenschluss eine größere Entlassungswelle auslöst, glauben Experten nicht.

Ist SBS der nächste Kandidat?

Ist SBS der nächste Kandidat?

Frank Rothauge, Analyst bei Sal. Oppenheim, hält den Zusammenschluss der beiden Sparten für sinnvoll. "Die Fusion wirft jedoch die Frage auf, was passiert nun mit dem IT-Service-Unternehmen SBS, und werden nun auch andere Bereiche integriert", sagte der Siemens-Experte im Gespräch mit manager-magazin.de.

Nicht nur Rothauge, auch andere Analysten gehen davon aus, dass weitere Sparten der nunmehr zwölf Geschäftsbereiche zusammengefasst werden. Ein weiterer Zusammenschluss mache es einfacher, strategische Entscheidungen zu treffen, so ein Analyst von Credit Suisse First Boston.

In Frage käme beispielsweise, sagt Rothauge, ein Zusammenrücken zwischen SBS und der Kommunikationssparte. SBS ist der IT-Service-Dienstleister von Siemens. Erst vor wenigen Wochen verlor der IT-Spezialist seinen langjährigen Chef Paul Stodden an Debitel . Bis auf wenige Softwareprodukte habe SBS keine eigenen Produkte, erklärt Rothauge.

SBS ist auf IT-Beratung spezialisiert, implementiert Software und ist im IT-Outsourcing-Markt aktiv. Überschneidungen mit ICN und ICM sind unbestritten vorhanden. Der Sal.-Oppenheim-Spezialist sieht Potenzial für Synergien besonders im Vertrieb. Dass SBS möglicherweise vor einem Umbau steht, weist Siemens-Sprecher Gottal jedoch als reine Spekulation zurück.

Klarere Struktur gefordert

Möglicherweise sei es sinnvoll, den Konzern stärker nach Kunden und deren Branchen auszurichten, so Analyst Rothauge. Zurzeit sei in einigen Bereichen nicht klar, nach welchen strategischen Leitlinien der Konzern agiert.

Zuletzt hatte Siemens ein neues Geschäftsfeld mit dem Kauf der US Filter Corporation, einem Anbieter für Wassergewinnung und -aufbereitung, eröffnet. Auch General Electric  hat die Wasseraufbereitung zum Wachstumssegment erklärt. Ein großes Potenzial, diesen Bereich mit anderen Konzernsparten bei Siemens zu verknüpfen, sieht Rothauge allerdings nicht.

"Ich erwarte von Kleinfeld eine klarere Strukturierung des Konzerns", sagt Rothauge. Möglicherweise, schränkt der Analyst ein, laufe aber auch alles auf eine General-Electric-ähnliche Strategie hinaus, nach dem Motto: "Es ist egal was wir machen, wir müssen nur ordentliche Renditen erzielen."