Spam-Parade Die größten Spam-Nationen der Welt

Es wurde Zeit, dass das mal jemand durchgezählt hat: 99,68 Prozent aller Webseiten, für die per Spam-Mail geworben wird, liegen in nur fünf Ländern. China hält einen traurigen "Marktanteil" von über 73 Prozent. Die Werbepest-Post aber kommt aus einem anderen Land: den USA.

Hamburg - Spam, die Flut unverlangt zugesandter Werbebotschaften, nehmen die meisten Internetnutzer nur als extrem lästige E-Mail-Masse wahr. Doch Spam hat mehr als nur eine Seite: Jede der Aussendungen wirbt für irgendetwas, und gemeinhin führt die Mail hin zu einer Webseite, über die man weitere "Informationen" beziehen soll. Wer also Spam-Statistiken erstellt, zählt gemeinhin zwei verschiedene Dinge: Woher kommt die Spam-Mail - und wohin führt sie den User?

Die "Täterschaft" macht sich an der Aussendung fest: Ob irgendwo in Südostasien eine Webseite für beinahe echtes Viagra wirbt, müsste niemanden interessieren, wenn nicht 200 Millionen Spam-Mails eben diese Seite "bewerben" würden.

Spammer hinterlegen ihre Produktseiten gerne in Ländern, in denen sie vor Strafverfolgung sicher sind - und wo sie vielleicht auch die Beschwerde nie erreicht, dass die bestellte Ware nach Bezahlung nie angekommen sei.

Das auf Anti-Spam-Lösungen spezialisierte Unternehmen Commtouch hat durchgezählt, wo sie sitzen, die spammenden Pestverteiler dieser Welt. Streng getrennt nach "woher" und "wohin" veröffentlichte Commtouch am Mittwoch gleich zwei "Worst 10"-Hitparaden.

Die "Worst 10"-Hitparade der Spam-versendenden Nationen

Platz Land Prozent
1. USA 55,69%
2. Südkorea 10,23%
3. China 6,60%
4. Brasilien 3,35%
5. Kanada 3,08%
6. Hong Kong 3,03%
7. Japan 2,46%
8. Spanien 1,80%
9. Frankreich 1,23%
10. Großbritannien 1,20%
Alle Zahlenangaben: Commtouch.com

Wo sitzen nur die Server?

Die "Worst 10" der Länder, in denen Spam-Werbeseiten gehostet werden

Platz Nation Prozent
1. China 73,58%
2. Südkorea 10,91%
3. USA 9,47%
4. Russland 3,5%
5. Brasilien 2,23%
6. Argentinien 0,09%
7. Kanada 0,06%
8. Niederlande 0,06%
9. Australien 0,02%
10. Japan 0,01%
Alle Zahlenangaben: Commtouch.com

Spammer brauchen eine Erfolgsquote

Die häufigsten in Spam-Mails beworbenen Waren

Medikamente 29.53%
Hypotheken/Baudarlehen 9.68%
"Organ-Vergrößerungen" 7.05%
"Shopping" 6.86%
Software 6.11%
Finanzen 5.87%
Jobs/Heimarbeit 4.06%
Partnervermittlung etc. 3.15%
Pornographie 3.1%
Diäten/Gewichtsverlust 2.62%
Kosmetik/Gesundheitsprodukte 2.53%
Umschuldungen/Kredite 2.48%
Universitätsabschlüsse 2.43%
Autoversicherungen 1.86%
Alle Zahlenangaben: Commtouch




Zwei Drittel des weltweiten Spam-Aufkommens werden also von Nordamerika und Asien aus in Umlauf gebracht. Deutschland steht hier übrigens auf einem beschämenden 13. Platz und hat damit zumindestens in Sachen Werbemüll-Versendung die Nase noch knapp vor den Holländern: Die folgen auf dem 14. Rang.



Wo sitzen nur die Server?

Im Ranking der "Hosting"-Nationen, in denen die durch Spam beworbenen Webseiten hinterlegt sind, ergibt sich ein nur leicht anderes Bild. China ist so etwas wie der Datenhafen für Werbemüll-Versender und führt unangefochten. Die Amerikaner verschicken zwar über 50 Prozent aller windigen Spam-Offerten und wollen damit Geld verdienen, nur erwischen lassen wollen sie sich nicht: Die meisten von ihnen parken ihren Werbemist auf chinesischen Servern.




Ausdrücklich betont Commtouch, dass auch die Einführung von Anti-Spam-Gesetzen in Amerika nicht nur weitgehend wirkungslos verpuffte, sondern dass das weltweite Spam-Aufkommen in den vergangenen sechs Monaten noch einmal um rund 30 Prozent stieg.

Immerhin hält sich ein wachsender Teil der amerikanischen Werbemüll-Versender an die Auflagen des "Can-Spam"-Gesetzes und versieht seine Botschaften neuerdings mit echten Absendern, über die man zumindest theoretisch die Streichung aus dem Spam-Verteiler verlangen könnte. Genau davon aber raten alle Experten dringend ab: Jeder Postverkehr mit einem Spammer bestätigt dem nur, dass die Mailadresse, die er beschickt hat, echt und in Gebrauch ist.

Den meisten Web-Nutzern ist es ein Rätsel, warum Spam überhaupt so boomt. Es ist klar, dass der Versand von Spams weit preiswerter ist, als die Aussendung konventioneller Werbebriefe. Klar ist auch, dass Spammer ihren Werbemüll zunehmend über gekaperte Rechner verschicken und ihre Kosten (und ihr Risiko, gefasst zu werden) so weiter minimieren. Unklar ist den meisten Usern aber, dass Werbemüll tatsächlich zu erfolgreichen Verkäufen führt.



Spammer brauchen eine Erfolgsquote

Spammer brauchen nur eine Erfolgsquote von wenigen Prozent, um profitabel zu arbeiten, in manchen Ländern gelingt ihnen das mit Leichtigkeit. Kaum irgendwo sind die User so Spam-kritisch und -bewusst wie in Deutschland, wo über 80 Prozent aller Internetnutzer Werbemüll ungeöffnet löschen.



Das ergab eine kürzlich veröffentlichte Yahoo-Umfrage unter 37.000 Nutzern in elf Ländern. Das wohl erschütterndste Ergebnis: 20 Prozent der befragten Amerikaner gaben an, schon einmal etwas bei einem Spam-Werber gekauft zu haben. Was das Rätsel löst, warum Amerika in den "Worst 10"-Statistiken so prominent vertreten ist: Wo es Nachfrage gibt, entsteht auch ein Angebot.

Und um was für Waren geht es da vornehmlich? Auch das hat Commtouch erfasst und in 14 Kategorien geordnet. Das mit Abstand meistbeworbene Produkt sind übrigens Viagra-Pillen und Artverwandte (14,1 Prozent). Welche "Organe" in den 7,05 Prozent der Spams vergrößert werden sollen, weiß wohl jeder Mailempfänger. Damit bleibt Sex im weitesten Sinne der Hauptmotor des Spam-Marktes.

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