"Herkules" Verhandlungen gescheitert

Nun ist es offiziell. Die Verhandlungen um das milliardenschwere IT-Projekt der Bundeswehr sind gescheitert. Das Verteidigungsministerium und das Konsortium um CSC Ploenzke, EADS und Mobilcom konnten sich nicht einigen. Jetzt sollen die Telekom, Siemens und IBM zum Zuge kommen.

Berlin - Die Verhandlungen zwischen dem Verteidigungsministerium und dem Konsortium Isic-21 über das milliardenschwere IT-Projekt "Herkules" sind gescheitert. Zwei Jahre hatten die Gespräche angedauert, die nun ergebnislos endeten.

In einem abschließenden Einigungsversuch am Donnerstagabend sei keine Lösung für das Milliardenprojekt zur Harmonisierung der Bundeswehr-Kommunikationstechnik gefunden worden, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Freitag in Berlin.

Das Isic-21-Konsortium besteht aus dem europäischen Konzern EADS , dem IT-Spezialisten CSC Ploenzke und dem Mobilfunkanbieter Mobilcom .

Wie es aus dem Ministerium weiter verlautete, sollen nun Gespräche mit dem zunächst nicht berücksichtigten Konsortium TIS geführt werden. Dahinter stehen die Deutsche Telekom  mit T-Systems, Siemens  mit dem IT-Dienstleister SBS und IBM .

Knackpunkt des Projekts war das Preis-Leistungs-Verhältnis. Zuletzt soll es angeblich um 500 Millionen Euro gegangen sein, die das Konsortium zusätzlich zu den ursprünglich veranschlagten 6,65 Milliarden Euro verlangt haben soll.

"Vor dem Hintergrund des Projektverlaufs in den vergangenen zwei Jahren ist der Abbruch der Verhandlungen für uns nicht überraschend", teilte Mobilcom mit. Die zu erwartende Marge aus dem "Herkules"-Projekt" habe in keinem vernünftigen Verhältnis mit den damit verbundenen Risiken" gestanden, fügte der Sprecher hinzu.

Ein Sprecher von EADS sagte, dass die Verhandlungen vor allem an den "engen vergaberechtlichen Restriktionen" gescheitert seien, denen der Auftraggeber unterliege. Trotz höchster Flexibilität des Konsortiums habe eine Lücke von mehreren hundert Millionen Euro nicht geschlossen werden können, um sämtliche Anforderungen an das Projekt zu erfüllen. Ein Sprecher von CSC Ploenzke betonte ebenfalls, dass sich beide Seiten bemüht hätten. Letztendlich habe der Preis nicht gestimmt.

Telekom-Konsortium forderte mehr Geld

Telekom-Konsortium forderte mehr Geld

Auswirkungen auf die Ertragsrechnung habe das Scheitern nicht, betonten Mobilcom wie EADS. "Herkules" sei in den Planungen nicht berücksichtigt, heißt es bei dem Büdelsdorfer Mobilfunkunternehmen. Ohnehin sei der auf die Telekommunikation entfallende Anteil das mit Abstand kleinste Projektsegment gewesen. Ein EADS-Sprecher verwies darauf, dass der Auftrag bislang nicht erteilt wurde, sei er auch nicht gebucht gewesen.

Auch nach dem Scheitern der Verhandlungen mit dem Isic-21-Konsortium hält das Verteidigungsministerium an dem Outsourcing-Projekt fest. Es sieht vor, dass externe Dienstleister sämtliche Computer, Telefone und Netzwerke der Bundeswehr-Verwaltung betreiben und bereitstellen.

Ziel ist es, die Streitkräfte mit neuer Datenverarbeitungstechnologie auszurüsten und die Technik von Heer, Luftwaffe und Marine zu vernetzen. 300.000 Telefonanschlüsse und 100.000 Computer sollen modernisiert werden. Der Vertrag soll auf zehn Jahre geschlossen werden, dafür soll laut Medienberichten pro Jahr ein Fixpreis von 665 Millionen Euro gezahlt werden.

Unklar ist nun, ob das konkurrierende TIS-Konsortium den Auftrag erhält. Die SPD-Abgeordnete Elke Leonhard sagte, sie erwarte bis Oktober eine Entscheidung, ob der Zuschlag erteilt werde. Die Regierung schätzt, dass mit einem Abschluss des Vertrags nicht mehr in diesem Jahr zu rechnen sei.

Das Unternehmens-Bündnis teilte bereits mit, weiter zu seinem ursprünglichen Angebot zu stehen. Bisher sei aber noch keine Anfrage des Verteidigungsministeriums eingegangen, sagten SBS-Sprecher Jörn Roggenbuck und IBM-Sprecher Peter Gerdemann übereinstimmend.

Wird "Herkules" zur Inhouse-Lösung?

Laut Informationen von manager-magazin.de soll TIS weit mehr Geld gefordert haben als Isic-21. Und so wundert es auch nicht, dass bereits warnende Stimmen laut werden: TIS könnte an genau den gleichen Punkten scheitern wie Isic-21. "Letztendlich wird 'Herkules' wahrscheinlich eine Inhouse-Lösung", so ein Insider gegenüber manager-magazin.de.

Auch SPD-Frau Leonhard weist auf "Plan B" hin, nach dem die Bundeswehr die "Herkules"-Aufgabe alleine in Angriff nehmen würde. Dillitantisch und unkoordiniert, bezeichnete der FDP-Verteidigungsexperte Jürgen Koppelin die Verhandlungen. Der Abbruch sei unverantwortlich. Der haushaltspolitische CDU/CSU-Fraktionssprecher Dietrich Austermann erklärte, das Projekt habe scheitern müssen. Großmannssucht und konkrete Interessen Einzelner im Ministerium hätten dazu geführt, einen Irrweg zu beschreiten.

Für die Bundeswehr sollte die IT-Auslagerung eines der größten Reformprojekte werden. Wie auch immer das Verfahren nun ausgehen wird, eines ist zumindest jetzt schon sicher: Die Modernisierung der Streitkräfte ist um mindestens ein Jahr zurückgeworfen.

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