Springer-Fachverlage Verlag sucht das Glück an der Börse

Im vergangenen Jahr hatten die Finanzinvestoren Cinven und Candover den BertelsmannSpringer-Verlag übernommen. Nun soll das inzwischen mit dem Kluwer-Verlag fusionierte Unternehmen an die Börse gehen. CEO Derk Haank kündigte zudem ein neues Vertiebsmodell an.

Berlin - Die im vergangenen Jahr von Finanzinvestoren übernommene Fachverlagsgruppe Springer strebt an die Börse. Zieltermin sei das Jahr 2007, sagte Vorstandsvorsitzender Derk Haank am Donnerstag in Berlin. Gleichzeitig kündigte Haank an, dass die weltweit zweitgrößte Verlagsgruppe für Wissenschaft, Technik und Medizin einen kostenlosen Zugriff auf seine Publikationen im Internet gewähren werde. Voraussetzung sei, dass der Autor 3000 Dollar (2460 Euro) je freigegebenem Artikel an Springer zahlt.

Mit dem neuen Geschäftsmodell "Open Choice" komme Springer einer Forderung aus der Wissenschaft nach ungehindertem Zugriff auf Forschungsergebnisse im Netz nach. In Zukunft könnten Wissenschaftler neben der Veröffentlichung ihrer Aufsätze in den von Springer herausgegebenen Fachpublikationen gegen Gebühr die Artikel für einen kostenlosen Zugriff freigeben.

Gleichzeitig behalte Springer das traditionelle Verlegermodell bei. "Wir wollen den Autoren beides anbieten und ihnen die Wahl lassen", sagte Haank. Organisationen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Max-Planck-Institute fordern seit längerer Zeit ein "Open Source"-Modell für wissenschaftliche Arbeiten im Internet.

Fusion mit Kluwer

Springer war im vergangenen Jahr von den Finanzinvestoren Cinven und Candover vom Medienkonzern Bertelsmann übernommen worden. Im Mai 2004 hatten die Investoren die in Springer Science+Business Media umbenannte Gruppe mit dem holländischen Verlag Kluwer Academic Press (KAP) fusioniert. Der Zusammenschluss sei nun vollzogen, sagte Haank. Der neue Verbund, mit einem Gesamtumsatz von 833 Millionen Euro (2003) und weltweit mehr als 5000 Mitarbeitern, firmiere nun unter dem Namen Springer. Haank strebt eine Rendite von 15 bis 20 Prozent bis zum Jahr 2006 an.

Die Fusion sei schneller vorangegangen als geplant, sagte Haank. Durch den Umbau würden bis 2006 etwa 200 Arbeitsplätze eingespart, die Hälfte davon im Bereich der Fertigung, die nun verstärkt nach Indien ausgelagert wird. Weitere Standorte für die Herstellung blieben Heidelberg und New York sowie Holland. Etwa 70 Prozent des Umsatzes erziele Springer im Bereich Wissenschaft, Technik und Medizin. Springer werde sich weiter konsequent von Randgeschäften trennen. So seien jüngst Bauverlage in Belgien und Großbritannien sowie die Würzbuger Druckerei Stürtz verkauft worden.

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