"Herkules" Das vertagte Bundeswehrprojekt

Eigentlich sollte am Mittwoch die Entscheidung fallen, ob das Konsortium aus CSC Ploenzke, Mobilcom und EADS den Zuschlag für das 6,65 Milliarden Euro schwere IT-Outsourcing-Projekt erhält. Nun ist die Entscheidung erneut vertagt worden. Springt die Isic-21-Gruppe ab?

Berlin - Über das größte Reformprojekt der Bundeswehr, die Modernisierung der Informationstechnik, ist trotz jahrelanger Bemühungen auch zum vereinbarten Termin am Mittwoch noch nicht entschieden worden.

Die Verhandlungen mit dem Firmenkonsortium Isic 21, hinter dem Firmen wie CSC Ploenzke, EADS  und Mobilcom  stehen, hat den Vertrag weiterhin nicht unterschrieben. Von einem Scheitern des Projektes könne aber nicht geredet werden, hieß es. Ein neuer Gesprächstermin auf höchster Ebene ist offenbar noch für diese Woche angesetzt, verlautbarte es aus dem Verteidigungsministerium.

In verhandlungsnahen Kreisen wurde von der "höchsten Eskalationsstufe" gesprochen. Ende Mai berichteten Medien, ein erstes Angebot der Isic-21-Gruppe von Anfang Mai sei in der Fassung nicht annahmefähig gewesen. Peter Eickenboom, Staatssekretär im Verteidigungsministerium, und die Verantwortlichen des Konsortiums arbeiteten mit absolutem Hochdruck an einer Einigung.

Die Bundeswehr wollte früheren Aussagen zufolge die Verhandlungen beenden, wenn es vor Juli nicht zum Abschluss käme. Seit rund zwei Jahren laufen bereits die Gespräche, ursprünglich sollten sie bis März abgeschlossen werden. Sollten die Verhandlungen scheitern, wolle man mit dem zuvor abgelehnten Konsortium aus Siemens  (SBS), Deutsche Telekom  (T-Systems) und IBM  Verhandlungen aufnehmen, war bereits aus dem Verteidigungsministerium zu hören.

Partner auf ungleicher Höhe

Geplant ist, dass die Outsourcing-Partner für einen jährlichen Fixpreis von 665 Millionen Euro sämtliche Computer, Telefone und Netzwerke der Bundeswehr-Verwaltung betreiben und bereitstellen. Ziel ist es, die Streitkräfte mit neuer Datenverarbeitung auszurüsten und die Technik von Heer, Luftwaffe und Marine zu vernetzen. Dabei sollen 300.000 Telefonanschlüsse und 100.000 Computer überarbeitet werden. Der Vertrag ist auf zehn Jahre angelegt und hat ein Gesamtvolumen von 6,65 Milliarden Euro.

Hauptstreitpunkt ist das Preis-Leistungs-Verhältnis. Auf der einen Seite wird dem Konsortium vorgeworfen, beim Auswahlverfahren mehr Angebote als die Konkurrenz gemacht, aber nicht eingehalten zu haben. Auf der anderen Seite sagen Branchenkenner jedoch, dass es schwierig sei, die Ansprüche eines Ministeriums und die von betriebswirtschaftlich geführten Unternehmen in Einklang zu bringen.

Grundvoraussetzung bei Outsourcing-Projekten sei, dass die Partner auf gleicher Höhe miteinander sprächen und zueinander passten. "Das ist wie ein Ehevertrag", beschrieb auch schon der ehemalige Siemens-SBS-Chef Paul Stodden Auslagerungsverträge im Gespräch mit manager-magazin.de.

Probleme wie bei EDS?

Probleme wie bei EDS?

In Branchenkreisen wird bereits spekuliert, das Konsortium könne sich zurückziehen. Das Problem sei, dass Staats- und betriebswirtschaftliche Unternehmen nicht immer zusammenpassten.

"Konsequente Unternehmen würden lieber getätigte Vorleistungen abschreiben, als langfristige Risiken und Kundenunzufriedenheit in Kauf zu nehmen", sagt ein IT-Experte gegenüber manager-magazin.de. Ein Sprecher von CSC Ploenzke will die Spekulationen nicht kommentieren. "Die Verhandlungen laufen noch."

Als warnendes Beispiel könnte jedoch Electronic Data Systems (EDS) , der zweitgrößte IT-Dienstleister weltweit, dienen. Das Unternehmen hadert derzeit mit einem 6,9 Milliarden Dollar schweren Auslagerungsauftrag der US-Navy. Seit vier Jahren könne EDS den Vertrag nicht kostendeckend abwickeln, heißt es.

In der Folge rutschte der IT-Spezialist in die roten Zahlen. Allein im ersten Quartal wies EDS bei einem Umsatz von 5,2 Milliarden Dollar einen Verlust von 38 Millionen Dollar aus. Vor allem der Navy-Auftrag wird dafür verantwortlich gemacht.