SAP Auf der Suche nach dem Mittelstand

Der Walldorfer Konzern will bei mittelständischen Unternehmen besser Fuß fassen. Doch Die Konkurrenz ist groß. Der häufig beschworene Wettbewerb zu Microsoft spielt dabei allerdings nur eine geringe Rolle.

Frankfurt - Der größte europäische Softwarekonzern SAP  sieht Branchenprimus Microsoft  nicht als wichtigsten Konkurrenten beim Verkauf von Programmen an kleine Unternehmen. "In jedem einzelnen Markt gibt es eine Reihe lokaler Anbieter, auf die wir achten müssen", sagte SAP-Vorstandsmitglied Shai Agassi der "Financial Times Deutschland".

Agassi verantwortet unter anderem die Entwicklung der Produktlinie Business Line, die speziell für kleine Firmen konzipiert worden ist. Bei den Umsatzzielen für das Mittelstandsgeschäft sieht Agassi die SAP AG "auf einem guten Weg".

Die Walldorfer Gesellschaft bietet zwei Produkte für mittelständische Firmen: Business One für kleine Unternehmen und My-SAP-All-in-One für den gehobenen Mittelstand. Beide entwickelten sich gut, sagte das Vorstandsmitglied.

Fragmentierter Markt auf Konsolidierungskurs

Bis 2006 will SAO rund 15 bis 20 Prozent des Umsatzes im Mittelstand machen. Derzeit sind es etwa 10 Prozent. Agassi zufolge wird SAP künftig transparenter über die Entwicklung des Mittelstandsgeschäfts berichten. Bei der Vorstellung der Quartalszahlen Ende Juli soll es entsprechende Kennzahlen geben.

Der Fokus auf lokale Anbieter zeigt, dass die weltweit agierenden Hersteller von Unternehmens-Standard-Software im Mittelstand wachsen können, ohne sich gegenseitig Umsatz wegnehmen zu müssen, wie es hieß. Microsoft und SAP streben beide stark in das Geschäft mit Firmensoftware wie Buchhaltungs- und Warenwirtschaftsprogrammen für kleine Unternehmen. Analysten erwarten hier hohe Zuwachsraten.

Dieser Markt ist in vielen Ländern stark fragmentiert, konsolidiert sich aber. Die US-amerikanische Microsoft ist durch die Übernahme der Firmen Great Plains und Navision vor einigen Jahren in dieses Geschäftsfeld eingestiegen.

Anfang Juni war im Zuge der Anhörung von Oracle und Peoplesoft in den USA überraschend bekannt geworden, dass Microsoft und SAP Fusions-Sondierungsgespräche geführt hatten. SAP-Chef Henning Kagermann sagte, Microsoft sei Ende 2003 an SAP herangetreten, um die Idee eines Zusammenschlusses zu diskutieren.

Doch die Gespräche wurden schließlich abgebrochen. Die Anforderungen an eine Fusion mit Microsoft seien zu komplex, hieß es. "Wir schaffen es gut alleine, weil wir breit aufgestellt sind", sagte Kagermann. Auch Firmenmitbegründer Dietmar Hopp sprach sich für die Eigenständigkeit von Europas größter Softwareschmiede aus.

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