Viacom MTV übernimmt Viva

Nun ist es offiziell: Der US-Medienkonzern Viacom übernimmt den Kölner Musiksender-Betreiber Viva Media AG. Das US-Unternehmen kontrolliert bereits den konkurrierenden Musiksender MTV. Wie geht es jetzt für Viva weiter?

Frankfurt - Die Viva-Großaktionäre hätten Viacom  im Rahmen eines Aktienkaufvertrages 75,8 Prozent der Viva-Anteile übertragen, teilte Viacom am Donnerstag in einer Pflichtmitteilung mit. Viacom biete 12,65 Euro in bar pro Stückaktie.

Das Angebot bewertet Viva nach Unternehmensangaben mit rund 309 Millionen Euro. Die im Prime Standard gelistete Viva-Aktie  war am Mittwoch bei 12 Euro aus dem Handel gegangen.

Vorbehaltlich einer Überprüfung der Angebotsunterlage unterstütze der Viva-Vorstand diese Transaktion, teilte Viva mit. Viacom kontrolliert bereits den konkurrierenden Musiksender MTV.

Vergangene Woche hatte Reuters bereits aus mit der Situation vertrauten Kreisen von der geplanten Übernahme erfahren. Auch die Saban Capital Group von ProSiebenSat.1-Mehrheitseigner Haim Saban hatte Interesse am Kauf des Kölner Medienkonzerns gezeigt.

"TV Total" zu Viacom

Die Viva Media AG betreibt den Musiksender Viva und erstellt und verkauft mit der Tochter Brainpool Fernsehproduktionen wie "TV Total" mit dem Entertainer Stefan Raab. Zudem produziert das Unternehmen auch die neue Late-Night-Show auf Sat.1 mit Anke Engelke. Der Sender war 1993 in Konkurrenz zu MTV an den Start gegangen und erreicht mittlerweile 32 Millionen Haushalte.

Medienmanager Dieter Gorny steuerte dabei von Anfang an als erster Mann die Geschicke des Kanals im hart umkämpften TV-Markt. Schon wenige Jahre nach der Gründung verdrängten die Kölner den Konkurrenten MTV auf Platz zwei. Bisher halten Time Warner  rund 31 Prozent und Vivendi Universal Music 15,3 Prozent an Viva. Grony wird nun zusammen mit der MTV-Deutschland-Chefin Catherine Mühlemann die Geschäfte der beiden Sendergruppen leiten.

Standorte bleiben erhalten

Wie Viacom-Co-Präsident Tom Freston sagte, sollen nach der Übernahme des Kölner Musiksender Viva die insgesamt vier Kanäle einschließlich MTV neu positioniert werden. Es werde an neue Zielgruppen gedacht, sagte Mühlemann. Möglicherweise blieben nur zwei bis drei Musiksender erhalten.

Doch werde nun in den kommenden Wochen über die Gestaltung der Sender und die Integration beraten, sagte die Managerin weiter. In den USA gebe es bei MTV neben den Musikkanälen auch Kanäle in denen Kinderprogramme oder Comedy-Inhalte Platz fänden. Erst vor kurzem hatte MTV zudem die Gründung eines eigenen Senders für Schwule und Lesben angekündigt. "Es gibt viele Ideen, aber wir werden nicht einfach nur ein Produkt importieren, sondern eine neue lokale Marke schaffen", sagte Mühlemann.

Vorerst seien keine Arbeitsplätze gefährdet, hieß es weiter. Die Neustrukturierung der Sender biete für die Mitarbeiter vielfältige Möglichkeiten, so Mühlemann. Die Standorte Berlin (MTV) und Köln (Viva) sollen bestehen bleiben.